https://www.faz.net/-gtl-7iqgt

4:0 gegen Donezk : Phantom Kießling trifft das Innennetz

  • -Aktualisiert am

Klar Innennetz: Stefan Kießling hat das 1:0 erzielt Bild: AP

Bayer Leverkusen siegt erstaunlich souverän gegen Schachtjor Donezk. Stefan Kießling trifft dabei zweimal regelgerecht. Nun stehen die Chancen aufs Weiterkommen gut.

          2 Min.

          Die Glückssträhne von Bayer Leverkusen ist ziemlich stabil. Nach einem 1:1 in der Bundesliga gegen Bayern München trotz 5:27 Torschüssen und nach einem 2:1 über Hoffenheim dank eines Phantom-Tores von Torjäger Stefan Kießling gewann die Werkself am Mittwoch abend in der Champions League ihr Heimspiel gegen Schachtjor Donezk 4:0.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Begünstigt durch zwei Torwartfehler, die beide Kießling nutzte, und durch einen völlig unverhofften Elfmeterpfiff zugunsten Kießlings, der Rolfes in die Lage versetzte, zum wichtigen 2:0 zu treffen. Es wäre unfair, Bayers Erfolg allein glücklichen Umständen zuzuschreiben. Leverkusen war das etwas bessere und viel zielstrebigere und kampfstärkere Team. Spielerische Höhepunkte waren allerdings rar gesät, das 3: 0 von Sam war so einer. Kein Leverkusener wird bestreiten, dass es der Fußball-Gott derzeit gut mit ihnen meint.

          Bundestrainer Joachim Löw mag leichten Herzens auf Stefan Kießling verzichten können, für Bayer Leverkusen ist er eine Art Lebensversicherung. Wenn gar nichts läuft, dann läuft immer noch der unermüdliche Mittelstürmer - und er trifft auch noch mit einer bewundernswerten Regelmäßigkeit. In der ersten Halbzeit gegen Donezk versteckte die Werkself ihr spielerisches Talent so perfekt, als hätte es ein Magier weggezaubert.

          Trainer Hyypiäs Versuch, die beiden Außenstürmer Son und Sam mehr in die Mitte zu ziehen und dafür die Außenverteidiger Bönisch und Donati an den Seitenlinien mit nach vorne gehen zu lassen, hatte nicht den gewünschten Effekt erbracht. Die Ballverteiler Can, Gonzales und Rolfes konnten zwar unter vielen offensiven Anspielstationen wählen, aber nur theoretisch. Die ukrainischen Abwehrspieler blieben einfach ganz eng bei ihren Gegnern stehen, die wiederum kaum Räume hatten sich freizulaufen, weil ihre Kollegen ihnen schon auf den Füßen standen. Erschwerend für den Spielfluss kam hinzu, dass vor allem Can und Castro sich einige Ungenauigkeiten bei ihren Pässen erlaubten.

          Obenauf: Kießling jubelt am höchsten
          Obenauf: Kießling jubelt am höchsten : Bild: AP

          Das Publikum begann bereits unruhig zu werden, als es Donati in der 22. Minute einfach mal mit einer weiten Flanke vor das Tor von Donezk probierte. Kießling schraubte sich in die Höhe, übersprang seinen Gegenspieler deutlich und köpfte den Ball auf das Tor. Eine starke Aktion, aber keine, die mit einem Tor hätte belohnt werden müssen. Doch der ukrainische Torwart Piatow tat Leverkusen den Gefallen, sich recht gemächlich Richtung Ball zu bewegen, und als er ihn endlich berührte, war er schon über die Torlinie geflogen. Dieses Mal landete der Ball direkt im Innennetz, er fand nicht erst wie in Hoffenheim den Weg von außen ins Tor.

          Fünf Minuten lang schien der Treffer das Spiel zu beleben. Schachtjor öffnete die Deckung, um den Rückstand auszugleichen, Bayer nutzte den Raum für Konter. Aber schnell verfiel die Partie wieder in den alten Trott.

          Kießlings schlechtes Gewissen

          Dabei kam Bayer bis auf einen weiteren Kopfball Kießlings nicht mehr gefährlich vor das ukrainische Tor, die Leverkusener schafften es allerdings auch, ihre Gegner konsequent vom eigenen Strafraum wegzuhalten. Sekunden vor der Pause gab Schachtjor dann doch ein Lebenszeichen von sich. Nach einem blitzschnellen Konter landete jedoch der Schuss von Teixera am Außennetz, und da es heil war, flog der Ball ins Aus und nicht ins Tor.

          2:0 - Sidney Sam trifft
          2:0 - Sidney Sam trifft : Bild: dpa

          Bevor auch die zweite Halbzeit langweilig werden konnte, griff Schiedsrichter Lannoy beherzt ein. Zur Verblüffung aller pfiff der Franzose Elfmeter, als nach einem Gerangel mit Srna Torjäger Kießling zu Boden sank. Srna konnte es nicht fassen, Kießling war ein paar Tage nach seinem Phantomtor gegen Hoffenheim schon wieder das schlechte Gewissen anzusehen. Aber Lannoy ließ sich weder durch Proteste der Schachtjor-Profis, noch durch die Gesten Kießlings von seiner Meinung abbringen - Rolfes erledigte den Rest, indem er den Foulelfmeter in der 50. Minute verwandelte. Als Sam sieben Minuten später nach schönem Zuspiel von Son gar auf 3:0 erhöhte, hatte sich ein zäh begonnener Abend aus Leverkusener Sicht zu einer schönen Champions-League-Nacht entwickelt, die durch Kießlings 4:0 ein weiteres Glanzlicht erhielt.

          Bayer Leverkusen - Schachtjor Donezk 4:0 (1:0)

          Bayer Leverkusen: Leno - Donati, Toprak, Spahic (56. Wollscheid), Boenisch - Castro, Rolfes, Can - Sam, Kießling (76. Derdiyok), Son (71. Hegeler)
          Schachtjor Donezk: Pjatow - Srna, Kutscher, Rakizki, Schewtschuk - Fernando (61. Ilsinho), Hübschman - Taison (46. Bernard), Teixeira, Douglas Costa - Luiz Adriano (78. Ferreyra)
          Schiedsrichter: Lannoy (Frankreich)
          Zuschauer: 25 184
          Tore: 1:0 Kießling (22.), 2:0 Rolfes (50./Foulelfmeter), 3:0 Sam
          (57.), 4:0 Kießling (72.)
          Gelbe Karten: Can, Donati, Kießling / Srna

          Weitere Themen

          Gladbach empfängt Real Video-Seite öffnen

          Fußball : Gladbach empfängt Real

          Borussia Mönchengladbach und Trainer Marco Rose freuen sich auf das Heimspiel gegen Real Madrid mit Trainer Zinedine Zidane. Marco Rose sagt, sein Team wolle gut spielen.

          Topmeldungen

          Vor der Wahl in Amerika : Welcome to Trumpland

          In Pennsylvania steht im Garten eines Hauses eine überdimensionale Trump-Figur. Sie ist ein Besuchermagnet für eingefleischte Fans des Präsidenten. Über einen Ort voller Enthusiasmus, Hoffnung und bedingungsloser Liebe.

          Neue Corona-Maßnahmen : Treffen unter dramatischen Vorzeichen

          Vor zwei Wochen konnten sich die Ministerpräsidenten nicht einigen. Jetzt sind die Infektionszahlen kaum noch kontrollierbar. Vor dem Treffen mit Merkel fordern immer mehr Politiker und Wissenschaftler harte Einschnitte mit strikten Kontaktbeschränkungen.
          Weil die Schnelltests dann am sichersten sind, wenn die Viruslast bereits hoch und der Infizierte wirklich infektiös ist, sind Antigentests sogar besonders geeignet, akute Risiken schnell zu erkennen: Ein Mädchen in Delhi lässt sich testen

          Viren-Schnelltests als Chance : Raus aus dem Schlamassel!

          Weniger Lockdown-Streit, mehr Pragmatismus wagen in der Pandemie: Wieso Schnelltests rasch helfen sollten, das Leben mit dem Virus erträglich und sicherer zu machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.