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4:0 gegen Aserbaidschan : Klose schießt Deutschland den Weg frei

Exzellente Arbeit: Miroslav Klose wurde eingewechselt und traf per Doppelpack Bild: dpa

Ein Sieg war Pflicht - und die deutsche Fußball-Nationalelf erfüllte die Vorgabe. Gegen Aserbaidschan gab es in Hannover einen 4:0-Sieg. Ballack traf per Elfmeter, dann war Klose doppelt erfolgreich, ehe Podolski den Endstand herstellte.

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          Der Weg zum Endspiel um die direkte Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 ist frei. Die deutsche Nationalmannschaft hat durch einen 4:0-Sieg am Mittwochabend in Hannover gegen Aserbaidschan die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass ihr in genau einem Monat am 10. Oktober in Moskau ein Unentschieden gegen Russland genügt, um als Tabellenerster der Relegation zu entgehen - vorausgesetzt natürlich, dass dem Team von Bundestrainer Löw dann nicht im letzten Heimspiel gegen Finnland ein Fehltritt in Richtung Südafrika unterläuft.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          In Hannover jedenfalls erfüllte die Nationalelf souverän ihre Pflicht und kam durch Tore von Kapitän Ballack (14. Minute, Elfmeter), Klose (55. und 66.) und Podolski (71.) zum verdienten Erfolg gegen die Mannschaft von Berti Vogts. Die Russen setzten sich zeitgleich in Wales mit 3:1 durch und haben vor dem Spitzenspiel in Moskau nur einen Punkt Rückstand.

          Miroslav Klose erweist sich als belebendes Element

          Es war kaum mehr als ein Pflichtsieg, den der EM-Zweite gegen den großen Außenseiter zustande brachte. Nach einer zähen Phase in der ersten Halbzeit verwöhnten die Deutschen dann immerhin ihr Publikum in Überzahl mit schönen Toren und drückender Überlegenheit gegen einen überforderten Gegner. Anders aber als beim 2:0-Testsieg am vergangenen Samstag gegen Südafrika, bei dem Mesut Özil im Mittelfeld und René Adler im Tor brillante Auftritte hingelegt hatten, fehlte diesmal der besondere individuelle Glanz.

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          4:0 gegen Aserbaidschan : Klose schießt Deutschland den Weg frei

          Miroslav Klose wurde nach seiner Einwechslung zur Halbzeit zum belebenden Element einer deutschen Mannschaft, die dauerhafte Dominanz und eine spielerische Steigerung nur versprochen hatte. Aber die Tore in der zweiten Halbzeit versöhnten die 35.000 Zuschauer mit einer in der ersten Halbzeit arg holprigen Vorstellung. Kloses Treffer entsprangen zudem einer Zielstrebigkeit, die man von dem Bayern-Stürmer schon länger nicht mehr gesehen hat, und was für die entscheidende Partie in Moskau hoffen lässt.

          Gellende Pfiffe des Publikums nach dem Pausenpfiff

          Im Qualifikationsalltag machte der hochgelobte Bremer Özil seine Sache diesmal zwar ordentlich, aber weit weniger spektakulär als zuletzt. Es mischte allzu viele Abspielfehler in sein Kombinationswerk, um es zum Strahlen zu bringen. Zur Halbzeit wurden die Deutschen, die sich gegen Südafrika entschlossen aufgemachte hatten, ihr spielerisches Tief zu überwinden, mit gellenden Pfiffen verabschiedet.

          Nach der 1:0-Führung durch Ballacks Elfmetertor, Podolski war nach einer schönen, schnellen Kombination mit Mario Gomez im Strafraum gefoult worden, versäumte es die Nationalmannschaft, ihre starke Anfangsphase zu verlängern. In der 16. Minute scheiterte Gomez zwar noch einmal mit einem Flugkopfball aus kurzer Entfernung an Torhüter Agayew, aber dann ließen Entschlossenheit im Zweikampf und Konzentration beim Passspiel bald nach.

          Viele gute Gelegenheiten zu Beginn - aber nur ein Tor

          Die kleinen Nachlässigkeiten im Gefühl der Überlegenheit genügten, um auch gegen Aserbaidschan in Bedrängnis zu kommen. In der 37. und 38. Minute musste sich Adler gleich zweimal strecken, um den Ausgleich zu verhindern. Erst wollte ihn Mammadow mit einem Distanzschuss aus gut 40 Metern überlisten, beim darauffolgenden Eckstoß verträumte die gesamte Abwehr ihren Einsatz, aber Adler konnte den Schuss des freistehenden Allahwerdiyew gerade noch abwehren.

          Die Schwächen in der Defensive, in der Innenverteidiger Friedrich (Zerrung) durch Westermann ersetzt wurde, überlagerten zur Halbzeit den Eindruck des Publikums nach einem schwungvollen Start. Podolski (6.), Özil (7.), Schweinsteiger (10.) und Ballack (12.) waren schnell zu guten Gelegenheiten gekommen. Aber die Hoffnung auf einen unterhaltsamen Abend mit vielen Toren ruhte dann erst einmal. Auf der linken Seite wirkte der Wolfsburger Schäfer wie ein Fremdkörper, worunter auch Podolski zu leiden hatten, da von einem Duett nicht die Rede sein konnte. Löw reagierte auf diese offensichtlichste Schwäche und brachte Beck für Schäfer - und Lahm sollte nun Podolski auf links den Rücken stärken. Eine Maßnahme, die sich sehr bewährte.

          Der schwierige Weg nach Südafrika beginnt erst jetzt

          Der Bundestrainer entschied zudem, dass Gomez für seinen Bayern-Konkurrenten Klose im Sturmzentrum weichen musste. Auch dieser Wechsel zahlte sich aus. Auch deswegen, weil die Deutschen nach fünfzig Minuten weitere Unterstützung durch die ungestümen Aserbaidschaner erhielten. Kapitän Abbasow, der wegen seines Elfmeterfouls schon verwarnt worden war, sah nach einer Attacke gegen Klose die Gelb-Rote Karte. 40 Minuten in Überzahl - was sollte da noch schief gehen? Nichts mehr. Klose scheiterte kurz darauf erst mit einem spektakulären Volleyschuss am Torhüter, erzielte dann aber in der 55. Minute nach klugem Zuspiel von Lahm ganz ruhig das 2:0.

          In nur zehn Minuten bereitete Klose dem Publikum mehr Freude als die gesamte Offensivabteilung in der ersten Hälfte. In der 66. Minute machte er dann gleich zielstrebig weiter, diesmal war der Angreifer nach einer Flanke von Beck erfolgreich. Aserbaidschan leistete nur noch schwache Gegenwehr, und auch Podolski ließ sich nicht mehr am Toreschießen hindern. Der Kölner erzielte das hochverdiente 4:0. Die Fans feierten dann zufrieden ihre Sieger. Aber der schwierige Weg über Moskau nach Südafrika beginnt für die Nationalelf erst jetzt.

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