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3:2 im Pokalfinale : Bayern gewinnt alles

  • -Aktualisiert am

Der Meistermacher: Jupp Heynckes wird auf Händen und mit Worten getragen Bild: AFP

Der FC Bayern München gewinnt zum 16. Mal den DFB-Pokal und macht damit das historische Triple perfekt. Die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes besiegt im Finale im Berliner Olympiastadion den VfB Stuttgart 3:2.

          Der FC Bayern München kann den Spielbetrieb einstellen, besser wird es nicht mehr. Am Samstagabend beendete der deutsche Rekordmeister seine Saison 2012/2013 mit dem dritten Titel - mehr wurden nicht ausgespielt. Die Konkurrenz wäre froh, die Bayern los zu sein, aber die Fußballfreunde würden um die vielleicht größte Attraktion kommen, die der deutsche Klubfußball je hatte. Schon der Gewinn des Triple aus Champions League, deutscher Meisterschaft und DFB-Pokal ist ein Alleinstellungsmerkmal. Aber auch die Art und Weise wie das Team von Triumph zu Triumph eilte, übertrifft alles, was in den vergangenen Jahren zu sehen war. Die Vergleiche mit früheren Fußball-Zeitaltern sind schwer zu ziehen. Aber eine Mannschaft, die Leidenschaft, Esprit, Disziplin, Spielvermögen und taktisches Geschick so perfekt miteinander verband, gab es noch nie. „Das ist unglaublich, super. Wir haben ein bisschen Angst gehabt in den letzten zehn Minuten. Aber egal, wir haben gewonnen. Ich bin so glücklich hier“, sagte Franck Ribéry.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Das 3:2 über einen zähen und mutigen VfB Stuttgart im DFB-Pokalfinale fasste noch einmal alle Stärken der Münchner zusammen. In der ersten Halbzeit, als die Stuttgarter mit einem starken und couragierten Auftritt überraschten, wehrten sie sich ihrer Haut mit Kampfkraft und Laufbereitschaft. Als der Widerstand des Gegners erlahmte, begannen sie zu zaubern, dass es ein Augenschmaus war. Dann kam der VfB zurück ins Spiel, verkürzte auf 2:3 und die Bayern wurden, weil es nötig war, wieder zu harten Kämpfern. Als Mannschaftskapitän Philipp Lahm die Trophäe von Bundespräsident Joachim Gauck in die Hand gedrückt bekam, vermochten noch nicht mal die schwäbischen Fans zu behaupten, dass dies nicht verdient gewesen wäre. Thomas Müller hatte seine Mannschaft in der 37. Minute durch einen verwandelten Foulelfmeter auf den Weg in die Geschichtsbücher gebracht. Mario Gomez, der überraschend in die Startelf berufen worden war, besiegelte den Eintrag durch seine Tore zum 2:0 und 3:0 (48. und 61. Minute). Harnik gelangen für Stuttgart in der 71. und 80. Minute die Treffer zum Endstand.

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          Der VfB hatte sich diese Tore redlich verdient. Sein Beitrag zu diesem rauschenden Endspiel war immens. Er machte aus diesem Endspiel erst einen sehenswerten Fight und dann sogar noch einen Thriller. Dieses Endspiel musste mit dem Champions-League-Finale in Wembley keinen Vergleich scheuen.

          Dabei schien das Pokalfinale früh in seine erwartete Umlaufbahn zu geraten. Es waren gerade mal zwei Minuten gespielt, da tauchte Arjen Robben frei vor dem Stuttgarter Torwart Sven Ulreich auf. Ziemlich weit rechts im Fünfmeterraum, spitzer Schusswinkel. Doch der Niederländer, mit dem Selbstbewusstsein des Siegtorschützen eines Champions-League-Finales ausgestattet, zögerte nicht. Sein Schuss traf Ulreichs Körper, und für ein paar Sekundenbruchteile schien der Ball dennoch auf dem Weg ins Tor zu sein, doch dann trudelte er doch am Pfosten vorbei. Ein leichtes Spiel für die Bayern? Nein, dieses Finale in Berlin gegen den VfB bereitete den Münchnern in der ersten Halbzeit so viel Mühe wie das letzte gegen Dortmund in Wembley.

          Die Stuttgarter fühlten sich in ihrer Rolle, manche Buchmacher sahen sie als 1:10- andere gar als 1:15-Außenseiter, pudelwohl. Ganz so, wie es ihr Sportdirektor Fredi Bobic vor dem Anpfiff angekündigt hatte. Aggressiv und diszipliniert, mutig und präzise, so setzten sie sich gegen die übermächtigen Bayern zur Wehr. Und ihre ganze Körpersprache drückte aus: Wir haben keine Angst. Bis zur 35. Minute gestalteten die Schwaben die Begegnung ausgeglichen, hatten dabei sogar zwei große Torchancen, um in Führung zu gehen. Doch in der einen Szene schoss ihr überragender Spielgestalter Maxim den Ball aus zehn Metern Entfernung knapp neben Neuers Tor und in der anderen brachte der Bayern-Torwart zweimal seinen Körper zwischen den Ball und die Torlinie.

          Auch die Bayern hatten mehrere Möglichkeiten zum 1:0, um in Führung zu gehen, bedurften sie der freundlichen Interpretation einer Szene durch Schiedsrichter Gräfe. Er wertete das Gerangel zwischen Traore und Lahm als elfmeterwürdig - wohl richtig. Müller verwandelte sicher.

          Als Gomez dann zu Beginn der zweiten Halbzeit schnell auf 3:0 erhöhte, glaubte niemand mehr im Olympiastadion, dass das Endspiel noch einmal spannend werden würde. Aber da sie schon mal da waren, spielten die Stuttgarter unverdrossen weiter. Harniks 1:3 per Kopfball in der 71. Minute wurde noch nicht weiter ernst genommen. Als Okazaki drei Minuten später fast den zweiten Stuttgarter Treffer erzielt hätte, ging ein Raunen durch das Stadion. Aber als Harnik in der 80. Minute im dritten Versuch den Ball dann doch noch im Bayern-Tor unterbrachte, da kochte das Stadion. Torwart Neuer hatte zuvor schon einen Ball von Harnik abgewehrt. Nur noch 2:3 - würden die Bayern doch nicht Geschichte schreiben? Sie schrieben, denn ihre Widerstandskraft reichte auch noch für die letzten Minuten der Saison. Die Bayern hatten in der Schlussphase mehrere Gelegenheiten zum vierten Tor, die Stuttgarter nur eine halbe durch Tasci zum Ausgleich. „Es waren anstrengende Monate, für die wir uns jetzt belohnt haben“, sagte der Münchner Kapitän Philipp Lahm.

          Bayern München - VfB Stuttgart 3:2 (1:0)

          Bayern München: Neuer - Lahm, van Buyten, Boateng, Alaba - Javi Martínez, Schweinsteiger - Robben (83. Timoschtschuk), Müller, Ribéry (90.+1 Shaqiri) - Gomez (62. Mandzukic)
          VfB Stuttgart: Ulreich - Rüdiger, Tasci, Niedermeier, Molinaro (67. Sakai) - Gentner, Boka - Harnik, Maxim (61. Okazaki), Traoré (75. Cacau) - Ibisevic
          Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)
          Zuschauer: 75 420 (ausverkauft)
          Tore: 1:0 Müller (37./Foulelfmeter), 2:0 Gomez (48.), 3:0 Gomez (61.), 3:1 Harnik (71.), 3:2 Harnik (80.)
          Gelbe Karten: Mandzukic, Schweinsteiger / Boka, Ibisevic, Traoré

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