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3:2 gegen Uruguay : Holland wartet im WM-Finale

Nummer eins: Arjen Robben und Niederlande warten auf den Finalgegner Bild: AFP

Zwei Stars entscheiden ein ausgeglichenes WM-Halbfinale: Binnen drei Minuten schießen Sneijder und Robben den Favoriten in der zweiten Hälfte zum Sieg gegen starke Uruguayer. Holland hat damit nach 1974 und 1978 zum dritten Mal die Chance auf den ersten Weltmeistertitel.

          So wie Wesley Sneijder vier Tage zuvor bei seinem Kopfball-Siegtreffer gegen Brasilien, so tippte sich auch Arjen Robben am Dienstag ungläubig gegen die Stirn. Denn der Mann, der so viele tolle Tore für den FC Bayern mit seinem famosen linken Fuß erzielt hat, benutzte diesmal seinen kahlen Schädel, um die Niederlande zum dritten Mal nach 1974 und 1978 in das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft zu bringen.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Mit einem kühl erarbeiteten 3:2-Sieg gegen Uruguay im Halbfinale in Kapstadt setzte die neue, nüchterne Oranje-Generation den Weg fort, den ihre spielerisch brillanteren Vorväter nie bis zum ganz großen Triumph, dem WM-Titel, hatten abschließen können. Im richtigen Moment half auch das Glück, denn alle drei Tore fielen, nachdem der Ball vom Pfosten in die richtige Richtung weitergeprallt war, ins Netz nämlich: bei dem 30-Meter-Schuss von Kapitän Giovanni van Bronckhorst (18. Minute), dem abgefälschten Ball von Wesley Sneijder (70.) und auch dem Kopfball von Robben (73.). Zwischenzeitlich hatte Diego Forlán mit einem Weitschuss den Ausgleich und sein viertes WM-Tor erzielt (41.), Pereiras Anschlusstreffer in der Nachspielzeit (90.+2) kam zu spät für eine wesentliche Änderung am Ausgang.

          Beide Teams zeigten sich zunächst sehr kontrolliert und sicherheitsorientiert. Dabei investierten die Holländer ein wenig mehr an Offensivgeist, allerdings noch keine große Präzision. Dirk Kuyt schoss aus 14 Metern nach zu kurzer Faustabwehr von Torwart Fernando Muslera über das Tor (4. Minute), Robben traf mit einem Kopfball nach Flanke von Kuyt den Ball nicht richtig (10.), und bei einem strammen Zwanzig-Meter-Schuss von Sneijder stand der Kollege Robin van Persie im Weg (13.). Es gab noch wenig Tempo, kaum Kombinationen, und den Angreifern, dem Schmuckstück von Oranje, ging jede Torgefahr ab.

          Die Aufgabe geschultert: Johnny Heitinga nimmt Wesley Sneijder mit ins Finale

          Forláns Ausgleich aus heiterem Himmel

          Also musste ein Verteidiger her, um die Lücke zu finden. In der 18. Minute erhielt Außenverteidiger van Bronckhorst den Ball rund dreißig Meter vor dem Tor in halblinker Position. Er überlegte nicht lang, schoss, und wie ein Strich flog der Ball diagonal aufsteigend hoch ins lange Eck. Muslera machte noch einen Zwischenschritt und brachte so die Fingerspitzen an den Ball, doch es reichte nicht. Vom Innenpfosten, wenige Zentimeter unter dem Tordreieck, prallte der Ball ins Netz. Die Holländer feierten ihren 35-jährigen Kapitän, der nach der WM seine Fußballkarriere beendet, für sein sechstes Tor im 107. Länderspiel - und bestimmt sein schönstes.

          Und die Uruguayer? Sie trafen zunächst nicht viel, nur das Kinn von Danny de Zeeuw, das Martin Cáceres beim Versuch eines Fallrückziehers böse erwischte - es dauerte drei Minuten, bis der Holländer wieder auf den Beinen war. Doch der Favorit schien nun ein wenig passiv, bis auf ein Zuspiel van Persies auf Robben, dem im Strafraum der Ball zu weit wegsprang, kam nichts mehr. Dafür in der 35. Minute ein Ballverlust von Sneijder, der die erste uruguayische Gefahr andeutete, doch Edinson Cavani kam mit seinem Zuspiel in die Mitte nicht an Johnny Heitinga vorbei. Forlán, der bis dahin überragende Uruguayer bei der WM, wurde erst in der 38. Minute aktiv gesichtet, mit einem allerdings harmlosen Kopfball.

          Aber nur drei Minuten später schlug er zu. Die Holländer waren in der Rückwärtsbewegung zu sorglos, so entstand wie aus dem Nichts eine 3:3-Situation am rechten Flügel. Forlán zog nach innen, zu spät verfolgt von Mathijsen, schoss aus 28 Metern. Maarten Stekelenburg, bis dahin der beste Torwart des Turniers, verschätzte sich, machte einen Schritt nach rechts, als der Ball, zunächst fast auf die Tormitte gezielt, sich in die anderen Richtung von ihm wegbewegte, und erwischte ihn mit der linken Hand nicht mehr kraftvoll genug, um ihn über das Tor zu lenken. Es war aus heiterem Himmel der Ausgleich für die Himmelblauen.

          Mit Sneijders abgefälschtem Schuss kehrt das Glück zurück

          Nach der Pause sollte der frühere Hamburger Rafael van der Vaart, für de Zeeuw gekommen, neuen Schwung bringen. Doch zunächst brachten sich die Holländer selber in Schwierigkeiten. Ein schwacher Rückpass von Boulahrouz zwang Stekelenburg im Zweikampf gegen Cavani weit aus dem Strafraum, was Alvaro Pereira die Chance zu einem Heber auf das verwaiste Tor gab, doch van Bronckhorst konnte den Ball wegköpfen (51.). Bei einem 25-Meter-Freistoß von Forlán war Stekelenburg diesmal auf der Hut (63.).

          Dann aber wurden die Holländer wieder gefährlich. Einen Linksschuss von van der Vaart konnte Muslera nur abklatschen, Robben setzte den Abpraller aus spitzem Winkel über das leere Tor. Die Präzision fehlte noch, doch dafür kehrte das Glück zurück. Zwei Minuten später fiel der Ball Sneijder 15 Meter vor dem Tor vor die Füße, er schoss, und vom Bein Maximiliano Pereiras wurde der Ball unhaltbar vor den rechten Innenpfosten und von dort ins Netz abgelenkt. Es war das fünfte Turnier-Tor des kleinen Spielmachers, der damit in der Torjägerliste zum Spanier David Villa aufschloss.

          Weitere drei Minuten später die Entscheidung: Kuyt schnitt eine feine Flanke von links vors Tor, genau auf Robben, der seinen Kopfball präzise vom linken Innenpfosten ins Netz setzte. Es war der Schlusspunkt zu einem doppelten Jubiläumserfolg: der zehnte Sieg hintereinander und das 25. Spiel ohne Niederlage. Wer soll diese Holländer stoppen? Das deutsche Team? Robben hatte schon in der Vorrunde dem deutschen Team vorhergesagt, es könne „jedes Spiel gewinnen, nur nicht das Finale“ - da werde es nämlich auf Holland treffen.

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