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3:2 gegen Uruguay : Deutschland gewinnt „kleines“ WM-Finale

  • -Aktualisiert am

Platz drei wie schon 2006: Deutschland gewinnt 3:2 gegen Uruguay Bild: AFP

Erfolgreicher WM-Abschluss für die deutsche Elf: Im Spiel um Platz drei siegt die Auswahl von Bundestrainer Löw gegen Uruguay mit 3:2. Müller und Jansen treffen zunächst für Deutschland, Cavani und Forlan für die Südamerikaner. Dann macht Khedira den Sieg perfekt.

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          Im unangenehmen Nieselregen von Port Elizabeth hat sich die deutsche Nationalelf zum Abschluss ihrer WM-Mission eine kleine Freude bereitet. Sie gewann das muntere, zeitweise sehr umkämpfte Spiel um Platz drei gegen Uruguay 3:2 und erreichte damit ihr Minimalziel, das sie sich nach dem verlorenen Halbfinale gegen Spanien gesetzt hatte.

          Die deutschen Treffer erzielten Müller (19. Minute), Jansen (56.) und Khedira (82.). Eine starke Leistung lieferte der aufgebotene dritte Ersatztorwart Butt ab. Gleich fünf neue Spieler bot der Bundestrainer in der Startelf gegen Uruguay auf. Zu einem Teil machte er damit seine Ankündigung wahr, die Reservisten für die gute Mitarbeit während der Turnierwochen zu belohnen. Anderseits fielen einige Stammkräfte durch Krankheit oder Verletzung aus und mussten ersetzt werden.

          Ins Tor rückte Butt, weil die Nummer zwei hinter Neuer, Tim Wiese, an einer Schleimbeutelentzündung litt. Der 36 Jahre alte Butt gab beim zweiten Turnier nach 2002 sein WM-Debüt. Auch der Hamburger Aogo kam zu seinem ersten Turniereinsatz. Zudem rückten Jansen, Cacau und der gegen Spanien gesperrte Müller in die Mannschaft. Cacau ersetzte den am Rücken verletzten Klose. Zudem fehlten die an Grippe erkrankten Lahm, Podolski und Gomez.

          Es geht doch: Mertesacker und Khedira jubeln im Regen von Port Elizabeth über Platz drei
          Es geht doch: Mertesacker und Khedira jubeln im Regen von Port Elizabeth über Platz drei : Bild: AFP

          Die Kapitänsbinde trug anstelle von Lahm sein Münchner Kollege Schweinsteiger, der nochmals in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ Position für den alten Spielführer Michael Ballack ergriff und damit Lahms Ambitionen widersprach. „Er ist der Kapitän dieser Mannschaft, und wenn er zurückkommt, wird er wieder die Binde tragen“, sagte Schweinsteiger. Der Münchner Mittelfeldstratege zeigte sich dann nicht nur mit Markierung am Arm, sondern auch gleich ganz forsch auf dem Platz.

          Friedrich trifft nur die Latte - Müller trifft besser

          Schweinsteiger war anzumerken, dass er keine Minuten unnütz vergehen lassen wollte gegen die Uruguayer, die im Halbfinale an den Niederländern gescheitert waren. Engagiert spielte die stark veränderte deutsche Elf auf. In der zehnten Minute hätte beinahe Friedrich seinen zweiten WM-Treffer erzielt, doch sein Kopfball auf Ecke des spielfreudigen Özils prallte auf die Querlatte.

          Neun Minuten später dann leitete Schweinsteiger die Führung für die Deutschen ein. Seinen Fernschuss aus etwa 30 Metern hielt der Uruguayer Torwart Muslera nicht fest, sondern ließ den vom Regen glitschigen Ball nach vorne abprallen, wo der schnell reagierende Müller wieder wahren Torinstinkt bewies und seinen fünften WM-Treffer einschoss.

          Schweinsteiger verliert den Ball - Cavani trifft

          Den Teams war zeitweise anzumerken, wie hart das zurückliegende Turnier gewesen sein muss. Auf beiden Seiten kam es immer wieder zu unpräzisen Zuspielen oder Missverständnissen. Dennoch bemühten sie sich und holten die letzten Reserven aus sich heraus. Aogo auf der linken Abwehrbahn fiel von seiner Leistung etwas ab von seinen anderen Spielkameraden.

          Uruguay zog mit seinen robusten Akteuren ein einfaches, aber zielgerichtetes Spiel auf und lebte vor allem von den Blitzeinfällen des gefährlichen Stürmerduos Forlan und Suarez. Als Schweinsteiger nach 28. Minuten im Mittelfeld den Ball verlor, ging der von Suarez schnell eingeleitete Konter auf Cavani, der den chancenlosen Butt zum Ausgleich überwand.

          Forlan schockt die Deutschen mit einem Traumtor

          Suarez wurde von den Zuschauern in Port Elizabeth wegen seines unfairen Handspiels gegen Ghana im Viertelfinale ausgebuht, sobald er in Ballbesitz kam. Der scheinbar nervenstarke WM-Schurke, so jedenfalls sah es das Publikum am gestrigen Abend, ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen.

          Eine starke Faustabwehr in höchster Not des deutschen Torwarts Butt verhinderte gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit die Führung des Gegners (48.). Aber diese kam dann drei Minuten später doch. Eine Flanke von Arevalo verwandelte Forlan per Volleyschuss von der Strafraumkante zum 2:1 für Uruguay. Auch ihm gelang damit das fünfte WM-Tor. Aber die nimmermüde Elf von Bundestrainer Löw ließ sich nicht unterbekommen von dem kleinen Schock, sondern hielt dagegen.

          Khedira nutzt Uruguays Verwirrung zum 3:2

          Schnell führte das zum Ausgleich, als Boateng von der rechten Seite präzise auf Jansen flankte und der zum 2:2 einköpfte (56.). Die stürmischsten Minuten der Partie begannen. Hätten die Deutschen da nicht den hellwachen Butt in ihren Reihen gehabt, sie wären wieder in Rückstand geraten. Zweimal klärte der Münchner Keeper reaktionsschnell gegen Suarez (63.) und Forlan (65.).

          Auf der anderen Seite drückten die engagierten Deutschen wieder aufs Tempo und übernahmen nach und nach sogar das Kommando. Cacau (71.) und zweimal der später für den Stuttgarter eingewechselte Kießling (76., 80.) verfehlten das Ziel nur knapp. In der 82. Minute dann nutzte Khedira die Konfusion in der Abwehr Uruguays nach einer Ecke von Özil per Kopf zum 3:2. Forlan war dann die letzte spektakuläre Aktion des unterhaltsamen Abends vorbehalten - doch sein Freistoß in der Nachspielzeit knallte an die Latte.

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