https://www.faz.net/-gtl-789im

3:2 gegen Málaga : Dortmund schafft sein eigenes Wunder

Wie beflügelt: Felipe Santana ist der Dortmunder Torschütze des Tages Bild: AFP

Die fabelhafte Dortmunder Reise durch die Champions League geht weiter. Die Borussia braucht bei Anbruch der Nachspielzeit noch zwei Tore - und schafft die Sensation. Erst trifft Reus, dann stochert Santana den letzten Ball über die Linie.

          Besondere Anlässe erfordern besondere Maßnahmen. Und so hatten sich die Fans von Borussia Dortmund mächtig ins Zeug gelegt, um dem Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen den FC Málaga einen angemessenen Rahmen zu verleihen. Die monumentale Choreographie auf der Südtribüne zeigte einen schwarz-gelben Sympathisanten, der mit dem Fernglas ein besonderes Objekt der Begierde ins Visier nimmt.

          „Auf den Spuren des verlorenen Henkelpotts“ war dazu zu lesen, womit natürlich die Siegestrophäe in der Königsklasse des Fußballs gemeint war. Ein schönes Bild - das danach in einem einmaligen, unvergesslichen Fußballabend verewigt wurde. Nach 90 Minuten schien die Borussia beim Zwischenstand von 1:2 nach den Toren von Joaquín (25. Minute), Robert Lewandowski (40.) und Eliseu (82.) schon ausgeschieden.

          Doch dann wendeten Marco Reus und Felipe Santana die Partie in der vierminütigen Nachspielzeit noch zu Gunsten der Borussia. Die Jubelbilder, die danach auf dem Rasen und auf den Rängen der Dortmunder Arena zu sehen waren, hätten jeder Meisterfeier zur Ehre gereicht. Der erste Einzug in ein Champions-League-Halbfinale seit 15 Jahren hätte spektakulärer nicht sein können.

          Vergessen, dass den Dortmundern lange Zeit die Extraportion Durchsetzungsfähigkeit und auch ein bisschen die Reife zu fehlen schienen, um den Schritt unter die besten vier Mannschaften in Europa zu schaffen. Wer so in ein Halbfinale kommt, so muss man annehmen, ist zu allem fähig.

          Auf den Spuren des verlorenen Henkelpotts: Die Dortmunder Fans liegen auf der Lauer Bilderstrecke

          In Málaga hatte es die Borussia am vergangenen Mittwoch versäumt, aus einer Vielzahl exzellenter Möglichkeiten Kapital zu schlagen. Der Versuch, es besser zu machen, barg nach Klopps Meinung offenbar die Gefahr, zu früh ungeduldig zu werden. Er hatte daher beim Publikum antichambriert, doch bitte nicht gleich beunruhigt zu reagieren, wenn die ersten Chancen ungenutzt bleiben.

          Im Vergleich zum Hinspiel konnte Klopp wieder auf Jakub Blaszczykowski und Sven Bender anstelle von Kevin Großkreutz und Sebastian Kehl in der Startelf zurückgreifen. Aber so, wie sich die Partie entwickelte, konnte es Klopp aber auch nicht recht gewesen sein. Den Borussen gelang es nämlich kaum einmal, die optische Überlegenheit in echte Tormöglichkeiten umzumünzen.

          Das Dortmunder Spiel hakt und stockt

          Málagas Trainer Manuel Pellegrini, genannt der „Ingenieur“, hatte sich ein ziemlich wirkungsvolles Gegenmittel gegen die Dortmunder Kombinationsmaschine ausgedacht. Er ließ Gündogan praktisch in einen Käfig stecken. In dem der Regisseur der Borussen zwar viel Bewegungsfreiheit hatte, aber so gut wie nicht anspielbar war.

          Die Zentrale war damit weitgehend lahmgelegt. Und weil die Flügelmänner Reus und Blaszczykowski nicht so recht in die Gänge kamen, hakte und stockte das Dortmunder Spiel doch erheblich. Gerade einmal eine Chance bot sich den Borussen in der ersten halben Stunde, als Lewandowski versuchte, Torwart Willy mit einem Heber zu überlisten, aber zu hoch ansetzte.

          Joaquín nutzt die Gunst des Augenblicks

          Málaga mag zwar nicht über die spielerische Substanz verfügen, über eine ganze Liga-Saison auf Spitzenniveau zu agieren; dass sie aber über genügend Einzelkönner verfügen, die in einem engen Spiel den Ausschlag geben können, hatten die Dortmunder schon im Hinspiel ansatzweise studieren können.

          Umso ärgerlicher, wenn man es ihnen dann so leicht macht wie vor dem 0:1. Ausgehend von einem deplazierten Kopfball Santanas verlor die ganze Dortmunder Verteidigung die Orientierung, Joaquín nutzte die Gunst des Augenblicks zu einem Flachschuss aus etwas mehr als 16 Metern, der die Führung für Málaga bedeutete.

          Ein genialer Moment reicht der Borussia

          Das war ziemlich genau das, was man sich in Dortmund als ungünstigstes Szenario ausgemalt haben dürfte. Es sah nicht gut aus für die Borussia - nicht allein wegen des Rückstands. In den Minuten danach wirkten die Dortmunder insgesamt angekratzt. Von Eroberergeist und Selbstbewusstsein war nicht mehr viel zu spüren, mehr und mehr Aktionen wurden unpräzise und fahrig.

          Doch dann genügte ein genialer Moment, um zurück ins Spiel zu kommen. Nach einem Ballverlust der Andalusier nahm die Borussia Tempo auf wie selten zuvor einmal, Götze gab die Richtung vor, und Reus’ wunderbarer Hackentrick ebnete den Weg für Lewandowski. Der Angreifer umkurvte Willy und sorgte mit seinem Treffer für eine Eruption der Emotionen auf den Tribünen.

          Weidenfeller mit spektakulärer Rettungstat

          Für die zweite Hälfte bedeutete der Zwischenstand in jeder Hinsicht eine Angelegenheit auf des Messers Schneide. Welchen Nervenkitzel das mit sich brachte, wurde schon in den ersten Minuten klar, als hüben wie drüben gleich ein Treffer nah war.

          Erst scheiterte Lewandowski aus guter Position an Willy, kurz darauf zwang Joaquín mit einem Kopfball Weidenfeller zu einer spektakulären Rettungstat. Einen Treffer brauchten die Dortmunder - mindestens - noch. Aber es blieb das vertraute Bild. Die Borussen kamen über Ansätze zunächst nicht hinaus, eine gefährliche Annäherung an das Tor brachten sie so nicht zustande.

          Eine Täuschung: Es fängt erst richtig an

          Klopp brachte nun Nuri Sahin und Julian Schieber für Bender und Blaszczykowski. Dann lag den Dortmundern der Torschrei gleich zwei Mal auf den Lippen, doch sowohl bei der Direktabnahme von Reus (76.) als auch bei Götzes Schuss (79.) brachte Willy irgendwie noch einen Fuß dazwischen. Als Málaga einen Konter erfolgreich abschloss, schien die Sache erledigt. Es war eine Täuschung. Sie fing gerade erst richtig an.

          Borussia Dortmund - FC Málaga 3:2 (1:1)

          Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Felipe Santana, Schmelzer - Gündogan (86. Hummels), Bender (72. Sahin) - Blaszczykowski (72. Schieber), Götze, Reus - Lewandowski
          FC Málaga: Willy - Gámez, Demichelis, Sergio Sánchez, Antunes - Toulalan, Camacho - Joaquín (87. Portillo), Isco, Duda (74. Eliseu) - Júlio Baptista (83. Santa Cruz)
          Schiedsrichter: Thomson (Schottland)
          Zuschauer: 65.829 (ausverkauft)
          Tore: 0:1 Joaquín (25.), 1:1 Lewandowski (40.), 1:2 Eliseu (82.), 2:2 Reus (90.+1), 3:2 Felipe Santana (90.+3)
          Gelbe Karten: Bender, Schmelzer / Gámez, Toulalan

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Boris Johnson : Alles andere als irrwitzig

          Der neu gewählte Tory-Vorsitzende und künftige Premierminister Boris Johnson ist nicht „mad“. Verrückt ist nur die Lage des Landes – drei Jahre nach dem Brexit-Referendum. Ein Kommentar
          Der radikale Konzernumbau der Deutschen Bank führt zu Milliardenverlusten im zweiten Quartal 2019.

          In drei Monaten : Die Deutsche Bank macht 3,1 Milliarden Euro Verlust

          Das größte und wichtigste deutsche Kreditinstitut will und muss sich radikal verändern. Die Belastungen durch den Umbau des Konzerns führen zu tiefroten Zahlen. Besonders betroffen ist die einst bedeutendste und berüchtigtste Sparte des Unternehmens.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.