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3:2 gegen Inter Mailand : Sevillas Europa-League-Spezialisten triumphieren abermals

  • -Aktualisiert am

Es ist vollbracht: Diego Carlos (Mitte) feiert das Siegtor Bild: Reuters

In einem spektakulären Europa-League-Finale setzt sich der FC Sevilla gegen Inter Mailand durch. Der frühere Gladbacher de Jong trifft in Köln zweimal, ehe Carlos seine persönliche Sternstunde erlebt.

          3 Min.

          Der Corona-Planet hat mittlerweile Hunderte Geisterspiele erleben müssen, seit der Fußballbetrieb wieder in Gang gebracht wurde. Aber eine derart stimmungsvolle und unterhaltsame Partie wie das Finale um den Europa-League-Titel, das der FC Sevilla am Ende mit 3:2 Toren gegen Inter Mailand gewann, gab es bisher mit großer Wahrscheinlichkeit noch nicht.

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          Die Tribünen waren zwar beinahe genauso leer wie immer, und dennoch wurde gesungen, geklatscht, geflucht und gebrüllt. Ein Hauch des alten Publikumsfußballs wehte durch das Müngersdorfer Stadion, nachdem ein paar Dutzend mehr Leute ihre Mannschaften begleiten durften als bei den Duellen der vergangenen Wochen. Und das Endspiel, das die beiden Teams ihrem Publikum boten, passte ganz wunderbar in diesen Rahmen.

          Es war spannend, intensiv und in einigen Momenten sogar hochklassig, vom Anpfiff weg. Bereits nach drei Minuten setzte sich Inters Romelu Lukaku in einem energischen Laufduell gegen den Verteidiger Diego Carlos durch und wurde im Strafraum von dem Brasilianer gefoult. Lukaku trat selbst zum Elfmeter an und traf zum 1:0 (5. Minute). Der Belgier hat damit in elf Europa-League Partien nacheinander getroffen und seinen eigenen Rekord ausgebaut. Mailand wirkte in dieser Anfangsphase dominant, die Spanier mussten einige sehr nervöse Minuten überstehen, aber sie fingen sich.

          „Wir spüren die Energie unserer Fans. Hoffentlich können wir ihnen einen Sonnenstrahl in ihre Herzen zaubern“, hatte Trainer Julen Lopetegui gesagt. Das waren schöne Sätze, die gut zu diesem sehenswerten Fußballspiel passten. Der FC Sevilla wurde stabiler, und gleich der erste gute Angriff der Andalusier führte zum Ausgleich. Per Flugkopfball gelang Luuk de Jong nach einer Flanke von Jesus Navas aus fünf Metern das in diesem Moment etwas überraschende 1:1 (12.). Es war nun und sehr umkämpftes Spiel, jeder Zweikampf wurde mit großer Hingabe geführt, die auf die Tribünen verlegten Ersatzbänke wurden zu Miniaturen der Fankurven mit pöbelnden und manchmal sogar singenden Männern. Nach 18 Minuten sah der Mailänder Trainer Antonio Conte die Gelbe Karte, weil er der Meinung war, dass sein Team einen Handelfmeter hätte bekommen müssen. Und nach einer halben Stunde sank er in sich zusammen, denn Sevilla war in Führung gegangen.

          Die Aktion seines Lebens: Carlos setzt zum Fallrückzieher an, der zum Siegtreffer führt.
          Die Aktion seines Lebens: Carlos setzt zum Fallrückzieher an, der zum Siegtreffer führt. : Bild: Reuters

          Wieder hatte der ehemalige Gladbacher de Jong, der eigentlich eine eher enttäuschende Saison hinter sich hat, einen klugen Laufweg durch die sonst so stabile Abwehr der Italiener gefunden und einen Freistoß von Ever Banega ins Tor geköpft (32.). Die großen Europa-League-Spezialisten aus Spanien, die den Wettbewerb in diesem Jahrtausend bereits fünf Mal gewonnen hatten, waren plötzlich oben auf. Aber die nächste Wendung in dieser denkwürdigen ersten Halbzeit ließ nicht lange auf sich warten. Einen Freistoß aus dem Halbfeld von Marcelo Brozovic köpfte Diego Godin zum 2:2 ins Tor (36.). Der Hunger und die Willenskraft beider Teams war beeindruckend. „Geschichte wird nur von den Eroberern, von den Gewinnern geschrieben“, hatte Conte vor der Partie gesagt, und tatsächlich spielten beide mit der Attitüde großer Sportler in einem großen Moment. Nicht immer filigran und kunstvoll, sondern energisch, entschlossen und wild.

          Nach der Pause drosselten die Teams das Tempo zwar ein wenig, aber das Niveau blieb beeindruckend. Lukaku hatte eine gute Chance, als er alleine auf Yassine Bounou zulief, aber am Torhüter scheiterte (65.). Und in der 75. Minute hatte der belgische Stürmer großes Pech im eigenen Strafraum: Er lenkte einen Fallrückzieher von Diego Carlos, der am Tor vorbei geflogen wäre, ins eigene Tor. Getrieben von der Verzweiflung einer drohenden Niederlage griff Inter nun an; Jules Koundé kratzte einen Ball von Victor Moses von der Linie, aber die Italiener wirkten nun hektisch; die ganz große Durchschlagskraft entwickelten sie nicht mehr. Am Ende bremste der FC Sevilla Inter mit einem ebenso konzentrierten wie taktisch klugen Verteidigungsstrategie und durfte ein Fest mit dem Silberpokal feiern.

          Torschützen unter sich: Luuk De Jong (l.) und Diego Carlos
          Torschützen unter sich: Luuk De Jong (l.) und Diego Carlos : Bild: AFP

          Der FC Sevilla bleibt damit ein unglaubliches Europa-League-Phänomen. Kein Klub des Kontinents beherrscht die Feinheiten dieses Wettbewerbs, in dem einigen Spielern und Klubs mit Champions-League-Ambitionen oft die letzte Motivation fehlt, derart gut wie die Andalusier. Aus der Mannschaft von 2016, die den Silberpokal zuletzt gewann, ist kaum noch jemand übrig, aber der Geist ist geblieben, und hat dem Klub eine wunderbare Europapokalnacht am Rhein beschert.

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