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3:1 gegen Polen : Deutschland dank Götze wieder Erster

Hochgefühl: Mario Götze zeigt ein starkes Spiel und ihm gelingen große Szenen Bild: AFP

Im Spitzenspiel der Qualifikationsgruppe zur EM 2016 bezwingt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft den schärfsten Rivalen Polen mit 3:1 und übernimmt die Tabellenführung.

          Die EM-Saison hat wie gewünscht für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft begonnen. Einem schwerfälligen Jahr nach dem Titelgewinn von Rio ließen die Weltmeister in einem endlich wieder rassigen und oft hochklassigen Spiel einen verdienten 3:1-Sieg gegen Polen auf dem letzten Abschnitt zur Qualifikation für die Europameisterschafts-Endrunde 2016 folgen. Mit dem leidenschaftlich erkämpften Erfolg nach einem spielerisch immer wieder ganz starken Auftritt eroberte das Team von Bundestrainer auch wie angestrebt die Tabellenführung in Gruppe D.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Nach herrlichen Toren von Thomas Müller (12. Minute) und Mario Götze (19.) sahen die Deutschen schon früh wie die sicheren Sieger aus. Doch der Anschlusstreffer von Robert Lewandowski (36.), genau in der stärksten deutschen Phase, verschaffte dem Spiel eine aufregende Wendung. Das Spiel wogte nun immer wieder hin und her. Zunächst waren die Polen dem Ausgleich näher, dann die Deutschen dem dritten Treffer. Aber da beiden Teams bis in die Schlussphase hinein der nächste Schlag immer wieder trotz bester Chancen versagt blieb, dauerte es bis zur 81. Minute, ehe die Partie durch den zweiten Treffer von Götze entschieden war. Der Stürmer nutzte einen Abpraller des Torwarts nach einem Schuss von Müller ganz ruhig und überlegt.

          Haben gut lachen: Die deutschen Torschützen Müller und Götze (rechts) Bilderstrecke

          Mit dem 3:1-Sieg hat sich das DFB-Team nach den holprigen Auftritten zuvor jetzt beste Voraussetzungen geschaffen, um direkt und umstandslos als Nummer eins die Pflichtaufgabe Qualifikation zu erledigen. Schon am Montag wäre der Nationalmannschaft mit einem weiteren Sieg in Glasgow gegen die Schotten, die am Freitag überraschend 0:1 in Georgien verloren, die Qualifikation kaum mehr zu nehmen.

          Dass die Mannschaft reif für größere Aufgaben ist, bewies sie in Frankfurt immer wieder. Im Stil einer Klassemannschaft inszenierte sie herrliche Angriffe und Kombinationen. Die Fans feierten ihr Team, das Hoffnung auf weitere Erfolge machte, wie seit dem Titelgewinn nicht mehr.

          Mit acht Weltmeistern in der Startaufstellung und dem gebürtigen Frankfurter Emre Can vom FC Liverpool als Neuling auf der rechten Abwehrseite ging die DFB-Auswahl das wichtigste Spiel auf dem Weg nach Frankreich von Anpfiff an konzentriert und engagiert an. Mit jeweils langen diagonalen Angriffsbällen initiierte Boateng in den ersten zehn Minuten zwei ganz ähnliche Angriffe über die linke Seite, auf der sich Hector und Bellarabi kombinationsstark hervor taten. Doch beide Chancen brachten nichts ein. In der zwölften Minute jedoch kombinierte sich das Duo wieder durch die polnische Abwehr – und Müller musste danach den Ball nur noch ins leere Tor schieben. Nach diesem herrlichen Spielzug war es nur sieben Minuten später WM-Siegtorschütze Götze, der mit einem schönen Solo das 2:0 erzielte.

          In einem tempo- und abwechslungsreichen Spiel gewannen die Deutschen nach einer halben Stunde immer weiter an Dominanz. Die Polen hatten größte Mühe, sich der spielfreudigen Weltmeister zu erwehren. Aber dann, als sie plötzlich selbst im Mittelfeld einmal Raum für einen Konter vorfanden, nutzten die Polen diese Gelegenheiten mit einem blitzschnellen und präzisen Angriff über die linke Seite, den Lewandowski, der sich mit Boateng und Hummels packende Zweikämpfe lieferte, mit einem Flugkopfball zum 2:1 (36.) abschloss.

          Mit dem Treffer des Bayern-Stürmers, der die zahlreichen polnischen Fans wieder in Stimmung brachte, war das Spiel wieder völlig offen. Und die Polen setzten nach. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit schien der Ausgleich fällig, als Lewandowski alleine auf Neuer zulief. Doch der beste Torhüter der Welt lenkte den Ball mit einer Weltklassereaktion über die Latte. Neuer jubelte danach, als hätte er selbst einen Treffer erzielt. Bei der anschließenden Ecke konnten die Deutschen von Glück sagen, dass Götze auf der eigenen Torlinie genau richtig nach einem Kopfball Lewandowskis stand – und für den geschlagenen Neuer rettete.

          Kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit brachte der Bundestrainer Gündogan für Bellarabi (52.). Dieser Wechsel schien sich gleich auszuzahlen. Ein kluger Pass des Dortmunders in den freien Raum bescherte Götze freie Bahn, doch der gezirkelte Schuss des Münchners prallte nur gegen den Pfosten. Fast unmittelbar im Gegenzug hatten die Polen in einer Szene dann gleich zweimal wieder die Chance zum Ausgleich. Ähnlich turbulent ging es in der 70. Minute wiederum im polnischen Strafraum zu, als erst Müller den Ball ins Tor stochern wollte, und Torwart Fabianski im Anschluss den Kopfball Hummels gerade noch auf der Torlinie zu fassen bekam. Ein aufregenderes, nervenstrapazierendes Spiel hatten die Deutschen ihren Fans schon länger nicht mehr gegönnt. Oder zugemutet. Mitunter herrschte für Sekunden atemlose Stille im Stadion.

          Die Deutschen waren bis zum Schluss das spielerisch bessere Team. Manchmal schnürten sie die Polen mit wunderbaren Ballstafetten um den Strafraum ein, aber der entscheidende Schlag gelang ihnen zunächst nicht. Es war dann eine eher unscheinbare Szene, die zur Entscheidung führte. Müller schoss den Ball von der Strafraumgrenze aus dem Stand gar nicht allzu hart aufs Tor, aber der Torwart bekam den Ball nicht unter Kontrolle – und Götze war zur Stelle. Mit dem 3:1 erlosch der Widerstand der Polen. Und die Weltmeister dürfen nun mit einem guten Gefühl an die Europameisterschaft denken.

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