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3:1 gegen Liverpool : Sevilla reißt Klopp aus allen europäischen Träumen

Enttäuschung pur: Jürgen Klopp verliert abermals ein FInale Bild: Reuters

Eine Halbzeit war der FC Liverpool wie der Torero auf dem Weg zum Europa-League-Sieg. Dann wird der andalusische Gegner zum Stier. Der FC Sevilla darf den Pokal nach dem dritten Sieg in Serie behalten - und in der Champions League mitspielen. Liverpool muss dann zuschauen.

          3 Min.

          Der Boden im St.-Jakob-Park schien bereitet für den großen Traum des FC Liverpool und für ein besonderes Kapitel in der Trainerkarriere von Jürgen Klopp. Die Engländer führten zur Pause des Endspiels in der Europa League hochverdient 1:0, schienen alles im Griff zu haben – und hatten sich mit ihrem Tempo vielleicht doch übernommen. Denn nach der Pause ließen die Kräfte der „Reds“, die wie ihr Gegner das 63. Pflichtspiel der Saison bestritten, deutlich nach, und der FC Sevilla zeigte, warum er auch in den Jahren 2014 und 2015 die Europa League gewonnen hatte.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Am Ende stand es 3:1 für die Spanier, und aller guten Dinge aus spanischer Sicht waren drei. Als Extra neben dem Pokal, den der Klub nach dem dritten Sieg in Serie behalten darf, gab es das Champions-League-Ticket – Klopp und der FC Liverpool dagegen werden damit in der kommenden Saison nicht in europäischen Wettbewerben vertreten sein.

          Stimmungsvolles Finale

          Hätte der Europa League etwas Besseres passieren können als dieses Endspiel? Dass es in Basel ein besonders stimmungsvolles Finale geben würde, daran hatte es von vornherein keinen Zweifel gegeben. Die Anhänger des FC Liverpool und die Fans des FC Sevilla gehören zu den begeisterungsfähigsten Zuschauern, die der europäische Fußball zu bieten hat, und beide Fanlager ließen sich nicht lumpen.

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          Wie auch, zeigten doch beide Mannschaften unten auf dem Rasen, dass Fußball manchmal auch etwas anderes sein kann als Prozentzahlen über Ballbesitzquoten und taktisches Verschieben von einzelnen Mannschaftsteilen. Hoch und runter hieß die Devise im Baseler St. Jakob-Park, der ein wenig zu klein schien für dieses Spiel, das noch viel mehr Publikum verdient gehabt hätte.

          Liverpool hatte ein wenig Anlaufzeit benötigt, vielleicht um die eigene Nervösität abzubauen, vielleicht aber auch, um ein Gespür für dieses Endspiel zu bekommen, von dem für beide extrem viel abhing. Ein Endspieltriumph würde die direkte Qualifikation zur Champions League bedeuten, die beide Teams in ihren nationalen Ligen verpasst hatten. Dem anfänglichen Druck der Spanier begegnete Liverpool mit den ureigenen Merkmalen des englischen Fußballs - der Ball flog hoch und weit, und wie viel spielerische Qualität in der ganz in rot gekleideten Mannschaft auch steckt, sollte sich erst nach rund zehn Minuten zeigen.

          Liverpool kommt gewaltig

          Dann nämlich kam der FC Liverpool gewaltig, und neben der Leidenschaft war plötzlich auch zu erkennen, dass Jürgen Klopp einige großartige Spieler in seinen Reihen hat. Der deutsche Nationalspieler Emre Can prüfte Sevillas Torwart Soria mit einem ersten Schuß, dann musste Carrico nach einem Sturridge-Kopfball (11.) kurz vor der Linie retten. Der Abwehrchef der Spanier hatte wenig später Glück, als Schiedsrichter Eriksson nicht auf Elfmeter entschied, nachdem er beim Zweikampf mit dem ehemaligen Hoffenheimer Firmino den Arm zur Hilfe genommen hatte. Liverpool aber hatte nun Witterung aufgenommen, stürzte sich mit großem Engagement in jeden Zweikampf und ließ die Spanier in der Offensive überhaupt nicht zur Entfaltung kommen. Erst nach 20 Minuten beruhigte sich die Partie etwas - ganz so, als müssten beide Teams einmal kurz Atem holen.

          Über Gebühr lang dauerte diese Phase, in der der Titelverteidiger aus Spanien etwas mehr zur Geltung, kam, nicht - und wieder hatte Sevilla Glück, als Rami den Ball im Strafraum folgenlos mit der Hand berührte. Dejan Lovren sorgte für den nächsten Aufreger, als er dem spanischen Torjäger Gameiro direkt vor der Trainerbank des FC Liverpool mit einer sinnlosen Grätsche in die Parade fuhr und die Gelbe Karte sah. Wie gut dagegen mancher im roten Trikot kicken kann, bewies dann Sturridge, der mit einem kunstvollen Außenristschuss (35.) für die Liverpooler Führung sorgte und das Stadion zum Kochen brachte.

          Für Sevilla herrschte endgültig Auswärtsspiel-Atmosphäre - kein gutes Zeichen, waren die Spanier doch das zweitschlechteste Auswärtsteam ihrer Liga. Liverpool setzte nach, Sevilla wankte ein wenig - aber das vermeintliche 2:0 von Lovren konnte nicht gelten, weil Sturridge ziemlich deutlich im Abseits gestanden und ins Spielgeschehen eingegriffen hatte.

          Die Pause kam dem FC Sevilla gerade recht - und noch mehr der Beginn der zweiten Halbzeit. Nach nur 20 Sekunden zeigte Gameiro seine Torjägerqualitäten - als die Abwehr der Engländer zum ersten Male nicht im Bild war, glich er zum 1:1 aus. Der FC Liverpool schien jäh aus allen Träumen gerissen und dementsprechend mit sich selbst beschäftigt. Gameiro bot sich gleich die nächste Chance (48.), als er alleine auf das Tor von Mignolet zu lief und im letzten Moment noch von Touré gestoppt werden konnte.

          Sevilla wird zum Stier

          Die Partie aber hatte sich gedreht - plötzlich war der FC Sevilla dominierend, auf dem Platz und auf den Rängen, und beides gefiel dem gestikulierenden Klopp nicht. Für Sevilla taten sich Räume für Kombinationen, die es vor der Pause nicht gegeben hatte. Gameiro vergab noch völlig freistehend eine große Chance aus fünf Metern, als er an Mignolet scheiterte (60.), vier Minuten später aber hatte der Belgier im Tor der „Reds“ gegen den Schuss von Vitolo keine Chance. Klopp musste etwas tun, um seinem Team wieder Hoffnung zu geben - mit Origi holte er für Firmino einen weiteren Stürmer auf den Platz.

          Sevilla aber, das eine Halbzeit lang nur hinterher gelaufen war, rannte den Engländern nun weg - und durfte sich über das 3:1 (70.) freuen, nachdem der Ball der nicht wieder zu erkennenden Abwehr der Engländer durchgerutscht und bei Kapitän Coke gelandet war. Selbst die englischen Fans schienen sich zu ergeben - es gab nur noch ein kurzes Aufbäumen, sowohl auf den Rängen wie auf dem Rasen, dann war der FC Sevilla am Ziel.

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