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3:1 gegen die Elfenbeinküste : Effektive Brasilianer mit der „heiligen Hand Gottes“

  • -Aktualisiert am

Achtelfinale! Brasilien ist in der Runde der besten 16 Bild: dpa

Der Rekordweltmeister zaubert nicht, aber er spielt effektiv. Brasilien steht schon im Achtelfinale. Die Elfenbeinküste sorgt trotz Drogba mit einem unwürdigen Auftritt für den Tiefpunkt des Turniers. Kaká sieht Gelb-Rot.

          Was als erstes die Holländer mit zwei Arbeitssiegen erreicht haben, machten am Sonntagabend die Brasilianer wesentlich lockerer nach: Mit dem nie gefährdeten 3:1-Erfolg über die knochenhart einsteigende Mannschaft der Elfenbeinküste qualifizierte sich der fünfmalige Weltmeister als zweites Team bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika für das Achtelfinale des Turniers.

          Luis Fabiano (25. und 50. Minute) sowie Elano (62.) schossen im Johannesburger Soccer City Stadium vor 84.000 Zuschauern die Tore für den Gewinner, der die Gruppe G nach zwei vollen Erfolgen anführt. Didier Drogba bewies seine Torjägerqualitäten nur bei seinem Kopfball zum 1:3 (79.).

          Der Sieg der Brasilianer hatte allerdings auch zwei dunkle Seiten, da sich Luis Fabiano bei seinem zweiten Treffer gleich zweimal den Ball mit der Hand vorlegte und damit stark an den Franzosen Thierry Henry erinnerte. Der hatte seinem Team im WM-Relegationsrückspiel gegen Irland zu einem irregulären Vorteil verholfen, als er mit einem Handspiel das Tor zum 2:1-Sieg nach Verlängerung vorbereitete. Dazu musste Kaká erstmals vor der Zeit gehen, als ihm Schiedsrichter Lannoy aus Frankreich vier Minuten vor dem Abpfiff die Gelb-Rote Karte nach einem Ellbogenschlag wegen wiederholten Foulspiels vorhielt.

          Hoffnungsträger: Didier Drogba bei der Nationalhymne

          Ein kleines medizinisches Wunder

          Während die Südamerikaner nun auf der Spur zu ihrem sechsten Weltmeisterschaftstitel sein könnten, droht der vorher stark eingeschätzten Elfenbeinküste wie fast allen anderen afrikanischen Teams das frühe Ausscheiden. Die am Sonntag im Soccer City Stadium von Johannesburg eher durch Härte denn durch Klasse auffallende Auswahl von Trainer Sven-Göran Eriksson muss nun sehr deutlich gegen Nordkorea gewinnen und gleichzeitig darauf hoffen, dass Brasilien sich auch im abschließenden Gruppenspiel gegen Portugal um einen eindeutigen Erfolg bemüht.

          Den größten Jubel löste zunächst die Aufstellung der Ivorer aus. Erstmals nach seinem Ellbogenbruch auf dem Weg zur WM konnte der von einer Karbonschiene gestützte Star und Kapitän Drogba wieder von Anfang an mitwirken. Ein kleines medizinisches Wunder, denn damit war, als es passiert war, nicht zu rechnen. Der Torschützenkönig der abgelaufenen Premier-League-Saison (29 Treffer) und Frontkämpfer des englischen Meisters FC Chelsea war dazu auserkoren, zur größten Bedrohung der am stärksten eingeschätzten Defensive aller WM-Teilnehmer zu werden.

          Spielkontrolle und Ballpassagen

          Die Brasilianer hatten am Sonntag keinerlei personelle Fragen zu lösen. Sie traten in der Aufstellung an, die sich am Anfang des Turniers zu einem 2:1 über Nordkorea gemüht hatte. Aller Augen ruhten wieder einmal auf Kaká, dem Spielmacher, der schon seit längerem nach seiner Form sucht. Am Sonntag bestritt der elegante Techniker sein achtzigstes Spiel für die Seleçao - vielleicht ein Anlass, den Aufschwung zu alten Höhen zu proben.

          Der war nach langen Anlaufschwierigkeiten in der 25. Minute erstmals geschafft, als Kaká endlich den alten Dreh raus hatte. Feinfühlig steckte er im ivorischen Strafraum den von Robinho mit Finesse vorgelegten Ball durch zu Luis Fabiano, und der bullige Mittelstürmer zimmerte ihn aus fünf Metern Tordistanz hoch und diagonal zum 1:0 für Brasilien ins Netz. Das war es aber auch schon mit den Demonstrationen gehobener Fußballkunst vor der Pause.

          Die Südamerikaner begnügten sich in dieser Hälfte vor allem mit der Kontrolle des Spiels und langen Ballpassagen. So wurde den Kollegen der Elfenbeinküste keine Gelegenheit gegeben, einen eigenen Spielrhythmus zu entwickeln. Drogba stand in der Spitze oft verloren herum - und wenn er dann einmal das Tempo anzog, lief er beim exzellenten Lucio ebenso auf wie bei dessen Nebenmann Juan.

          Kakás Ellbogenschlag führt zur Gelb-Roten Karte

          Auch über das 2:0, abermals durch Luis Fabiano (50.), mochte man sich noch nicht so recht freuen, da der Angreifer des FC Sevilla sich bei seinem Solo vorbei an drei Ivorern den Ball gleich zweimal mit der Hand vorgelegt hatte. Gegen den Aufsetzer, der die regelwidrige Aktion abrundete, hatte Torwart Barry keine Abwehrchance. Auf Befragen des Schiedsrichters verneinte Fabiano ein Handspiel, was ein mögliches Nachspiel zur Folgen haben könnte. „Vielleicht war es die heilige Hand Gottes“, sagte er später in Anspielung auf Diego Maradonas legendäre Hand Gottes. „Es war keine Absicht, die Hand war halt da, was soll ich machen“, fügte Fabiano hinzu.

          Tor Nummer drei spiegelte indes das gewaltige spielerische Potential der Brasilianer ansehnlich wider. Mit einem genau getimten Rückpass verschaffte Kaká seinem Freund Elano freie Schussbahn, und da hieß es 3:0 (62.). Wenig später war die Partie für Elano beendet, der nach einem Tritt von Tiote auf das Schienbein anscheinend schwer verletzt gegen Dani Alves ausgewechselt werden musste.

          Eine bittere Fußnote einer Begegnung, in der sich die Elfenbeinküste mit ihrem zusehends roheren Einsatz trotz des feinen Kopfballtreffers von Drogba (79.) keine neuen Freunde machte. Brasilien aber büßte auch noch, weil der bereits verwarnte Kaká sich zu einem Ellbogenschlag gegen Keita hinreißen ließ und dafür die Gelb-Rote Karte sah (86.). Was für ein albtraumhaftes Spielende für den sonst so fairen Regisseur der Seleçao.

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