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3:1 gegen den VfB : Geistesgegenwärtige Römer siegen im „Geisterspiel“

  • Aktualisiert am

Wirkungsloser Vollstrecker: Vedad Ibisevic fällt in Rom nur durch ein grobes Foulspiel auf Bild: dpa

Der VfB Stuttgart ist im Achtelfinale der Fußball-Europa-League ausgeschieden. Die Schwaben verlieren das Rückspiel in Rom mit 1:3. Lazios Kozak trifft dreifach. Bereits nach acht Minuten ist alles entschieden.

          Mit einer schwachen Vorstellung vor leeren Rängen hat sich der VfB Stuttgart vorerst von der internationalen Fußball-Bühne verabschiedet. Eine Woche nach dem 0:2 vor heimischem Publikum verloren die Schwaben an diesem Donnerstag das „Geisterspiel“ bei Lazio Rom mit 1:3 (0:2) und schieden im Achtelfinale der Europa League als letzte verbliebene deutsche Mannschaft aus. Ein früher Doppelschlag von Libor Kozak (6./8. Minute) beraubte den VfB aller Illusionen. Mehr als das Anschlusstor durch Tamas Hajnal (62.) gelang dem Bundesliga-14. nicht, ehe wiederum Kozak (87.) zum Endstand traf.

          VfB-Defensive bekommt Kozak nicht in den Griff

          Wegen rassistischer Ausfälle seiner Fans war Lazio im Vorfeld von der Uefa zu zwei Heimspielen ohne Zuschauer verurteilt worden. Die nach der Winterpause tief in die Krise geratenen Schwaben wurden im leeren Stadio Olimpico eiskalt erwischt, bewiesen aber im zweiten Durchgang immerhin Moral. Die schläfrig wirkende Defensive, in der Arthur Boka ausfiel, bekam den wendigen Kozak jedoch kaum in den Griff. Auch im Angriff hatte die Elf von Trainer Bruno Labbadia lange Zeit nicht viel zu bieten. Erst als die Römer das Tempo drosselten, setzte der VfB in der Offensive Akzente.

          Vedad Ibisevic sorgte in der 41. Minute für Aufregung, als er Lazio-Torhüter Federico Marchetti mit dem Stollen unglücklich am Kopf traf. Der Keeper musste daraufhin ausgewechselt werden. So trostlos wie die Kulisse war auch der Beginn des Spiels für die Stuttgarter, denn die leisen Hoffnungen auf ein Fußball-Wunder lösten sich schon nach wenigen Minuten in Ernüchterung auf. Nach einer Flanke von Stefan Radu reagierte Kozak schneller als die Innenverteidigung der Schwaben und überwand den chancenlosen Sven Ulreich zur frühen Führung. Keine 120 Sekunden später war der Tscheche nach Zuspiel von Hernanes gegen die lethargische VfB-Defensive wieder zur Stelle und jagte den Ball zum 2:0 unter die Latte.

          Kozak, bei Lazio hinter dem weiter verletzt fehlenden Miroslav Klose und Sergio Floccari eigentlich nur Stürmer Nummer drei erzielte damit bereits eine Tore sechs, sieben und acht im laufenden Wettbewerb. Auch in der Zwischenrunde gegen Borussia Mönchengladbach war er zweimal erfolgreich gewesen.

          Römer Freude vor leeren Rängen: Kozak (links) lässt sich von seinen Teamkameraden feiern

          Die Schwaben benötigten lange, um sich von dem Doppelschock zu erholen. Erst Mitte der ersten Halbzeit setzten sie erste zaghafte Akzente im Spiel nach vorne, allerdings fehlte es den Aktionen an Entschlossenheit und Durchsetzungsvermögen. Auf der Gegenseite ließ Ulreich einen Freistoßknaller von Antonio Candreva (35.) nach vorne abprallen und hatte Glück, dass kein Lazio-Stürmer in der Nähe war. Als das Stuttgarter Aus längst besiegelt war, ließen die nur noch mit halber Kraft agierenden Römer ihren Gästen mehr Freiheiten, die diese nach gut einer Stunde zu einer nutzten. Der zuletzt von den Fans in Stuttgart geschmähte Hajnal traf mit einem Schuss von der Strafraumgrenze zum 2:1. Schon zuvor hatte Gotoku Sakai (52.) gegen Lazios Ersatzkeeper Albano Bizzarri eine große Chance vergeben. Als der VfB nochmal dran war und sowohl Georg Niedermeier, als auch Martin Harnik mit Kopfbällen scheiterten, traf Kozak zum 3:1.

          Lazio Rom - VfB Stuttgart 3:1 (2:0)

          Lazio Rom: Marchetti (43. Bizzarri) - Pereirinha, Biava, Ciani, Radu - Candreva, Onazi, Hernanes (74. Ederson), Lulic - Mauri (65. Ledesma) - Kozak
          VfB Stuttgart: Ulreich - Sakai, Tasci, Niedermeier, Molinaro - Gentner, Holzhauser - Okazaki, Hajnal (74. Harnik), Macheda (64. Traoré) - Ibisevic
          Schiedsrichter: Hagen (Norwegen)
          Zuschauer: ohne (UEFA-Urteil)
          Tore: 1:0 Kozak (6.), 2:0 Kozak (8.), 2:1 Hajnal (62.), 3:1 Kozak (87.)
          Gelbe Karten: Biava / Hajnal, Ibisevic

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