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3:0 gegen Tschechien : Ein Abend voll mit schönem Fußball

Souveräne Sieger: Müller, Kroos und Hummels (v.r.) haben Grund zum Grinsen Bild: dpa

Zweites Spiel, zweiter Sieg: Titelverteidiger Deutschland offenbart auf dem Weg zur WM 2018 kaum Schwächen. Zweimal Müller und Kroos schießen einen klaren Sieg heraus.

          3 Min.

          Der Weltmeister ist auf bestem Weg zur WM 2018. Im zweiten Qualifikationsspiel gegen den vermeintlich stärksten, tatsächlich aber schwächlichen Gegner aus der Tschechischen Republik gelang dem Team von Bundestrainer Joachim Löw mit einem hochverdienten 3:0 der zweite Sieg. Die Deutschen haben sich anders als bei der rumpeligen EM-Qualifikation mit sechs Punkten und 6:0-Toren souverän an der Tabellenspitze festgesetzt - und mit Erfolgen am Dienstag gegen Nordirland und im November in San Marino könnte das Ziel vom Gruppensieg schon sehr schnell sehr nah sein.

          Michael Horeni
          (hor.), Sport

          Die Tore für den Weltmeister, der sich mit schönem und schnellen Kombinationsfußball den Beifall des Hamburger Publikums verdiente, erzielten Thomas Müller (13. und 65. Minute) und Toni Kroos (49.). Der Erfolg hätte jedoch leicht höher ausfallen können, wenn nicht vor allem in der ersten Halbzeit die Abschlussschwäche den insgesamt starken Auftritt zumindest in dieser Beziehung eingetrübt hätte. Insgesamt aber hinterließ das deutsche Team einen guten, harmonischen und entschlossenen Eindruck. Dem dominanten Spiel des Weltmeisters zeigten sich die Tschechen zu keiner Zeit gewachsen.

          Ein Könner am Ball: Toni Kroos Bilderstrecke
          Ein Könner am Ball: Toni Kroos :

          Der Bundestrainer hatte gegen die Tschechen konsequent auf Erfahrung beim großen Favoriten gesetzt. In der Startformation auf dem Weg zur Titelverteidigung in Russland standen gleich neun Weltmeister – und dazu mit Kimmich und Hector noch die beiden Außenverteidiger der vergangenen Europameisterschaft. Von ganz jungen und ganz frischen Kräften, die Löw nach dem EM-Turnier in Frankreich einzubauen sich vorgenommen hatte, war beim Anpfiff noch keine Spur. Auch taktisch spielten die Weltmeister so, wie man es schon oft in der vergangenen Jahren gesehen hatte: mit Mario Götze als „falscher Neun“, dazu die altbekannte Viererkette mit Jerome Boateng und Mats Hummels – und davor Sami Khedira und Toni Kroos auf der defensiven und zentralen Mittelfeldposition sowie mit Julian Draxler und Thomas Müller auf den Flügeln.

          Ballbesitzfußball mit Tempoattacken

          Von der ersten Minute an war aber der Wunsch und Wille der deutschen Mannschaft spürbar, diese klassische Formation ausgesprochen stürmisch mit Leben zu erfüllen. Immer wieder stießen verschiedene Spieler in die Spitze und den Strafraum – vor allem Thomas Müller, aber auch Mesut Özil, Julian Draxler und Sami Khedira. Dies war eine der Lehren, die der Weltmeister aus der EM ziehen wollte: variabler und schneller attackieren. Der Ansatz des Bundestrainers, Ballbesitzfußball wieder effektiver mit Tempoattacken zu kombinieren, wurde schnell sichtbar.

          Von so viel Schwung und Variation waren die Tschechen, die individuell auf keiner Position an die Klasse der deutschen Mannschaft heranreichten, schnell überfordert. Aber das andere Manko im deutschen Spiel, die mangelhafte Chancenverwertung, die den Weltmeister schon seit dem Titelgewinn begleitet, ließ sich an diesem Abend in Hamburg nicht so schnell beheben. Bis zur Pause hatten die Deutschen rund ein halbes Dutzend guter Möglichkeiten, aber mehr als ein Treffer von Müller in der 13. Minute sprang trotz aller Bemühungen dabei nicht heraus.

          Es fehlte nach teilweise schönen und schnellen Kombination beim letzten Pass oder im Abschluss immer wieder an Konzentration oder Kaltschnäuzigkeit. Selbst wenn die Tschechen weit aufgerückt waren, und den Deutschen enorm viel Platz für Konter anboten, konnten die Weltmeister dieses Angebot nicht nutzen. So war Mario Götzes Pass nach einem bis dahin starken Konter zu unpräzise (6.); Julian Draxler verzog knapp (23.); Thomas Müller scheiterte am tschechischen Torwart (25.). Der agile Götze lupfte den Ball nach einer herausragenden Kombination danach zwar gekonnt über den Torwart, aber am Tor vorbei (31.). Und ohne das letzte Erfolgserlebnis ging es bis zur Pause noch zwei, drei Mal so weiter. So blieb es allein bei Müllers Führungstreffer, der über Götze und Özil klug im Strafraum freigespielt worden war - und sicher traf.

          Von einer Torkrise bei Müller nichts mehr zu spüren

          An einem Abend des schönen und oft auch schnellen Fußballs, war auch der Bundestrainer in Form, wie man in der ersten Halbzeit sehen konnte, als Joachim Löw einen Ball elegant mit der Hacke in der Coaching Zone verarbeitete. Ansonsten fielen bis dahin noch zwei Unachtsamkeiten des ansonsten starken Mats Hummels auf, die weniger harmlosere Mannschaften als die Tschechen besser zu nutzen verstanden hätten.

          Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit holte Kroos mit einem schönen und präzisen Schuss nach, was die Deutschen zuvor versäumt hatten: den zweiten Treffer (49.) Danach war der Hunger auf Tore bei den Deutschen erfreulicherweise noch nicht gestillt. Nach 65 Minute war es wieder Müller, der nach einem schönen Pass von Hector von der Grundlinie in Torjägermanier das 3:0 erzielte. Nach seinen beiden Toren beim 3:0 in Norwegen war es nun schon das viere Tor des Münchners in der WM-Qualifikation. Von einer Torkrise, von der Müller bei der Europameisterschaft noch so schmerzhaft für die Deutschen befallen worden war, kann zum Glück für den Weltmeister keine Rede mehr sein.

          Kurz vor Schluss, in der 76. Minute, ermöglichte der Bundestrainer dann auch das Comeback von Ilkay Gündogan. Nach knapp einem Jahr kam der immer wieder von Verletzungen zurückgeworfene Mittelfeldspieler wieder zurück.. An entscheidenden Szenen war der Profi von Manchester City, der für Kroos eingewechselt wurde, zwar nicht mehr beteiligt. Aber Gündogan konnte sich in einer gut funktionierenden Mannschaft und einem allseits zufriedenstellenden Abend schon mal für die Partie gegen Nordirland am Dienstag in Hannover einspielen, für die Löw seinen Einsatz von Beginn an schon angedeutet hat.

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