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3:0 gegen Norwegen : Mit einem Lächeln ins WM-Finale

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Der 3:0-Sieg durch ein Eigentor von Trinne Ronning sowie den Treffern von Kerstin Stegemann und Martina Müller im Halbfinale gegen Norwegen war in der zweiten Halbzeit eine Demonstration der deutschen Fußballfrauen: Sie sind wild entschlossen, Weltmeister zu bleiben.

          Am Ende hielt es niemanden mehr auf der Bank. An der Seitenlinie machte sich das deutsche Team schon Minuten vor dem Schlusspfiff zum Feiern bereit, und als die Schiedsrichterin die Begegnung schließlich abpfiff, stürmten sie allesamt aufs Feld. Mit Fahnen in der Hand feierten die deutschen Frauen kollektiv einen triumphalen Erfolg im Halbfinale der Weltmeisterschaft.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der 3:0-Sieg durch ein Eigentor von Trinne Ronning (43. Minute) sowie den Treffern von Kerstin Stegemann (68.) und Martina Müller (72.) gegen Norwegen war in der zweiten Halbzeit eine Demonstration deutscher Extraklasse und die mit Abstand beste Leistung der Weltmeisterinnen bei diesem Turnier.

          Wild entschlossen, Weltmeister zu bleiben

          Die Auswahl von Bundestrainerin ist nun wild entschlossen, am Sonntag in Schanghai entweder gegen Brasilien oder die Vereinigten Staaten ihr Projekt Titelverteidigung tatsächlich zu krönen. „Wir sind genau zur rechten Zeit auf unserem Höhepunkt“, sagte Birgit Prinz, die überragende Spielerin des Tages, mit Blick auf das Finale.

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          Aber schon jetzt haben die Titelverteidigerinnen in China Einmaliges geleistet. Sie sind die erste Mannschaft, der es überhaupt gelungen ist, als Titelverteidiger das Endspiel zu erreichen. „Das war eine absolute Superleistung“, sagte Bundestrainerin Silvia Neid. „Ich bin sehr stolz. Am allermeisten habe ich mich darüber gefreut, dass wir wieder ohne Gegentor geblieben sind. Das hat es bei einer WM noch nicht gegeben.“

          Die Selbstsicherheit eines Titelverteidigers

          Nur in der ersten Halbzeit war es jenes hart umkämpfte Spiel, von dem Silvia Neid vermutet hatte, dass allein Kleinigkeiten über seinen Ausgang entscheiden würden. Die Deutschen aber konnten von Beginn an wieder auf ihre von Ariane Hingst resolut und mit Übersicht geführte Abwehr vertrauen, der es immer wieder gelang, die gefährlichste norwegische Stürmerin - die fünffache WM-Torschützin Ragnhild Gulbrandsen - von ihrer Lieblingsbeschäftigung abzuhalten.

          Aber die Spielstärke der Norweger war damit zunächst noch nicht dahin. Die Deutschen spielten jedoch so konzentriert und engagiert wie noch nicht zuvor in diesem Turnier. Die Selbstsicherheit eines Titelverteidigers war nach dem Sieg im Viertelfinale gegen Nordkorea endlich zurückgekehrt.

          Birgit Prinz und der Wille zum Tor

          Erstklassige Torchancen blieben in der ausgeglichenen Partie zunächst selten, und mit welcher Energie der Führungstreffer entstand, war ganz typisch für den großen Unterschied an diesem Abend. Birgit Prinz setzte sich in ihrer energischen Art auf der linken Seite durch und ihre nicht gerade präzise Flanke lenkte die überforderte Trine Ronning mit dem Oberkörper aus fünf Metern ins eigene Tor. „Sie ist da mit absolutem Willen durch“, sagte die Bundestrainerin, „da passieren dann auch solche Dinge. Ich schreibe ihr das Tor gut.“

          Dieses 1:0 bot der deutschen Mannschaft schon beste Aussicht auf das Finale, aber bereits im Gegenzug konnten die Deutschen von Glück reden, dass ihr einmaliger Stabilitätspakt bei dieser WM Bestand hatte. Erst wehrte Ariane Hingst nach einer Ecke den Ball auf der Linie ab, dann griff Torhüterin Nadine Angerer beherzt zu.

          Das 2:0 sicherte schon den Sieg

          Nach dem Wechsel aber beherrschten die Deutschen ganz eindeutig und eindrucksvoll die Partie. Die Norwegerinnen kamen erst in der 89. Minute, als die Begegnung lange entschieden war, zu ihrer einzigen ernsthaften Chance, während sich den in der zweiten Halbzeit immer souveräner auftretenden Titelverteidigerinnen Konter- und Torchancen zuhauf boten. In der 46. Minute hatte Sandra Smisek schon die große Chance, den Vorsprung zu erhöhen, doch nach einem schönen Zuspiel von Birgit Prinz landete der Ball über dem Tor.

          „Wir waren nach zehn Minuten in der zweiten Halbzeit müde“, sagte der norwegische Trainer Bjarne Berntsen und machte die Belastungen der WM und die kürzere Pause nach dem Viertelfinale dafür verantwortlich. Nach 72 Minuten kamen die Deutschen ihrem Ziel näher, als ein Schuss von Kerstin Stegemann, wiederum nach Vorarbeit von Birgit Prinz, leicht abgefälscht vom Innenpfosten über die Linie sprang. Das 2:0 feierten die Spielerinnen schon wie den Sieg, und auch Silvia Neid war sich in diesem Moment des Erfolgs absolut sicher: „Da war allen klar, dass wir gewonnen hatten.“

          Einer der großen Fußballabende

          Aber es sollte in der Schlussphase noch besser kommen. Nur drei Minuten später hatte die kurz zuvor eingewechselte Martina Müller aufgepasst, als ihre Gegenspielerin ein schlimmer Stellungsfehler unterlief. Sie schob frei vor Torhüterin Bente Nordby den Ball ins Tor. Nach dem 3:0 wurde dann die letzte Viertelstunde zu einem kleinen deutschen Fußballfest.

          Beflügelt von der eigenen Stärke, setzten die Deutschen nach und hätten leicht auch noch höher gewinnen können. Doch Fatmire Bajramaj traf nur die Latte (79.) und auch Renate Lingors Schuss kurz darauf ging nur knapp daneben. Aber dafür hatten die Spielerinnen später nur noch ein Lächeln übrig, denn auch ohne die letzte Zugabe erlebte der deutsche Frauenfußball in Tianjin einen seiner ganz großen Fußballabende.

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