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3:0 gegen Irland : Deutschland für die WM 2014 qualifiziert

Brasilien, wir kommen! Die deutsche Mannschaft hat den Weg zur WM gefunden Bild: REUTERS

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss gegen die wehrhaften Iren einiges tun, um 3:0 zu gewinnen, aber der Sieg sichert frühzeitig die Qualifikation für die WM im kommenden Jahr.

          Bundestrainer Joachim Löw geht in einen goldenen Herbst. Nach dem 3:0 im vorletzten Qualifikationsspiel in Köln gegen Irland kann die deutsche Fußball-Nationalmannschaft als Erster der Gruppe C definitiv für die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr in Brasilien planen. Die Treffer erzielten Sami Khedira (12. Minute), André Schürrle (58.) und Mesut Özil (90.).

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es wird Löws viertes großes Turnier in Folge dieser verantwortlichen Position. In den nächsten Tagen oder Wochen wird der Bundestrainer deshalb wohl auch seinen Vertrag mit dem Deutschen Fußball-Bund bis ins Jahr 2016 verlängern. Das lässt sich sehen. Die Partie am Dienstag in Schweden hat somit vom Ergebnis keine Bedeutung mehr. Die deutschen Spieler können hier die Füße hochlegen – oder vielleicht doch versuchen, das peinliche 4:4 aus dem Hinspiel mit einer ansprechenden Leistung auszubügeln.

          Erstmals seit langer Zeit bot Löw keinen Spieler vom Bundesliga-Schwergewicht Borussia Dortmund auf. Dies lag nicht an möglichen Ressentiments gegenüber dem Klub, über deren Spekulation Löw sich vor der Partie sowieso schon geärgert hatte, sondern an den Verletzungen von Reus, Schmelzer und Gündogan. BVB-Verteidiger Mats Hummels landete jedoch zum dritten Mal nacheinander nur auf der Bank. Dafür spielte wieder Jerome Boateng von den Bayern an der Seite von Per Mertesacker in der Abwehrzentrale.

          Den Ausfall der beiden Angreifer Klose und Gomez löste der Bundestrainer mit dem Einsatz Mesut Özils als „Tarnstürmer“. Es war aus deutscher Sicht eine der Aufgaben des Abends, ohne einen wahren Vollblutstürmer zum Erfolg zu kommen.

          Gut lachen auf der deutschen Bank: Trainer Löw hat sein Ziel erreicht

          Die recht schnelle 1:0-Führung hatte damit aber erst einmal nichts zu tun. In der zwölften Minute nutzte Sami Khedira seine Freiheit knapp vor dem Strafraum der Iren und schoss aufs Tor. Den vom irischen Kapitän Seamus Coleman abgefälschten Ball konnte Torwart David Forde nicht mehr abwehren.

          Die Deutschen kombinierten flott nach vorne, nutzten ihre individuelle und auch mannschaftstaktische Überlegenheit. Der Ball rollte ausgewogen auf den beiden Seiten nach vorne. Toni Kroos im Mittelfeld zeigte sich sehr präsent, überzeugte mit konstruktiven, schnellen Zuspielen. Da stand Bayern-Kollege Bastian Schweinsteiger etwas hintenan, der diesmal vom Bundestrainer mit nach vorne in eine Viererreihe im Mittelfeld gezogen wurde. Khedira agierte somit alleine als sogenannter Sechser vor der deutschen Abwehr. Das reichte auch gegen die Iren.

          Es zeigte sich sehr schnell, dass der Gegner trotz seines Einsatzwillens und seiner Robustheit doch von seinem Leistungsvermögen hinterherhinkte. Nur kämpfen, grätschen und monoton rennen reicht eben nicht. Irland fehlen die Strategen im Mittelfeld. Im Hinspiel unterlag das Team der deutschen Elf 1:6. Mit dem Abgang ihres Trainer Giovanni Trapattoni ist die Auswahl nun im Umbruch. Der einzige Spieler, der vielleicht noch höheren internationalen Ansprüchen genügen würde, Stürmer Robbie Keane, fiel wegen einer Verletzung aus. Diese ganze Problematik bildete sich in Köln bei den „Boys in Green“ auf dem Platz ab.

          Und so dominierten nicht überraschend die Deutschen. Özil, der am Freitagabend sein 50. Spiel für die A-Nationalmannschaft bestritt, wurde dabei nicht zum Knipser vor dem Tor, was trotz seiner neuen Rolle ebenfalls zu erwarten war. Er versuchte sich wie sonst auch als intelligenter Passgeber. Damit zeigte sich aber schon das Manko des deutschen Spiels, das zwar geschmeidig von Station zu Station lief, am Ende aber der letzte Druck aufs irische Tor fehlte. Lag es am fehlenden Angreifer?

          So kamen neben dem Treffer von Khedira vor der Pause nur noch zwei weitere Torchancen gegen die unterlegenen Iren zustande. Ein Kopfball von André Schürrle (35. Minute) und ein Schuss von Thomas Müller (37.), die von Torwart Forde pariert wurden. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit hätte gar das irische Team noch mit Glück ausgleichen können, wenn der Lattenkopfball von Marc Wilson besser gesessen hätte.

          Er öffnete das Tor zur WM: Khedira (rechts) traf zum 1:0

          Löws Spielern konnte kein Vorwurf gemacht werden. Sie engagierten sich im ausverkauften Kölner Stadion auf einem ausreichenden Niveau, ohne sich allerdings zu zerreißen. Warum auch? Es fehlte den Zuschauern erst mal nur der Kick eines hohen Ergebnisses, der dann allerdings bald kam. Der starke Kroos chippte in der 58. Minute den Ball plötzlich in den Strafraum, wo ihn Schürrle annahm, sich schnell drehte und zur 2:0-Führung ins Tor bugsierte. Der Torschütze hatte zwei Minuten vorher das Ziel noch knapp verpasst. Eine Minute nach seinem Tor verhinderte der gute irische Keeper Forde den nächsten Treffer der Deutschen, als er einen satten Fernschuss Schweinsteigers gerade so am Tor vorbei lenkte. Löws Elf drängte.

          Das gefiel dem Publikum, das zufrieden war mit dem Unterhaltungsprogramm und freudig mitging. Müller fiel in dieser Phase als einer auf, der gerne noch einen Treffer mehr erzielt hätte. Sein Kopfball in der 66. Minute ging allerdings am Tor vorbei. Kurz nach Khediras gefährlichem Schuss (82.) zog Boateng, der sich wieder als stabile Defensivkraft präsentierte, aus etwa zwanzig Metern ab, aber scheiterte hierbei knapp am Lattenkreuz. Der Jubilar Özil belohnte sich schließlich mit einem eigenen Treffer, als er in der Nachspielzeit den Ball lässig am irischen Torwart vorbeilegte.

          Deutschland - Irland 3:0 (1:0)

          Deutschland: Neuer (Bayern München/27 Jahre/42 Länderspiele) - Lahm (Bayern München/29/102), Mertesacker (FC Arsenal/29/94), Boateng (Bayern München/25/33), Jansen (Hamburger SV/27/41) - Khedira (Real Madrid/26/43 - 82. Kruse/Bor. Mönchengladbach/25/4) - Schweinsteiger (Bayern München/29/99), Kroos (Bayern München/23/38) - Thomas Müller (Bayern München/24/45 - 88. Sam/Bayer Leverkusen/25/4), Özil (FC Arsenal/24/50) - Schürrle (FC Chelsea/22/27 - 86. Götze/Bayern München/21/23)
          Irland: Forde (FC Millwall/33/13) - Coleman (FC Everton/25/18), Delaney (Crystal Palace/32/8), Clark (Aston Villa/24/9), Kelly (FC Reading/30/37) - Gibson (FC Everton/25/20), Wilson (Stoke City/26/11) - Whelan (Stoke City/29/52), Doyle (Wolverhampton Wanderers/30/54), McCarthy (FC Everton/22/19) - Stokes (Celtic Glasgow/25/5)
          Schiedsrichter: Gumienny (Belgien)
          Zuschauer: 46 237 (ausverkauft)
          Tore: 1:0 Khedira (12.), 2:0 Schürrle (58.), 3:0 Özil (90.+1)
          Gelbe Karten: Khedira / Stokes

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