https://www.faz.net/-gtl-72p2j

3:0 gegen Färöer : Pflichtsieg dank Götze und Özil

Götze trifft zur Führung, Özil freut sich mit - und legt doppelt nach Bild: dpa

Die deutsche Fußball-Nationalelf startet wie erwartet erfolgreich in die Qualifikation zur WM 2014. Beim 3:0 gegen die Färöer stimmt die Chancenverwertung nicht. Nur Götze und zweimal Özil treffen.

          3 Min.

          Nur noch mal zur Erinnerung: Fast genau vor zehn Jahren spielte die deutsche Mannschaft schon einmal in Hannover in der Qualifikation gegen Färöer. Kahn, Ballack, Schneider, Frings, Klose und Co. hatten wenige Monate zuvor im WM-Finale gestanden – und schafften dann nur einen mühseligen 2:1-Erfolg gegen die Hobbykicker von den Schafsinseln.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Diesmal, beim ersten Schritt in Richtung Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien, tat sich der große Favorit lange auch nicht leichter. Aber es reichte am Ende zu einem hochverdienten 3:0-Sieg nach Toren von Mario Götze (28. Minute) und Mesut Özil (54. und 71.) -  zur Halbzeit jedoch stand gerade einmal ein einziger Treffer des Dortmunders Götze zubuche.

          Der gewachsene Dortmunder Einfluss auf die Nationalmannschaft war also gleich beim ersten Tor in der WM-Qualifikation zu besichtigen, aber auf die Unterstützung von Linksverteidiger Marcel Schmelzer mussten seine BVB-Kollegen Hummels, Reus und Götze verzichten. Im Abschlusstraining hatte sich Schmelzer den Fuß geprellt, dafür rückte Holger Badstuber auf die Außenverteidigerposition.

          Und so stellten die Bayern diesmal noch den größten Vereinsblock in Löws Startformation mit Neuer, Lahm, Badstuber und Müller. 4:3 hieß es in dieser Wertung noch für die Bayern, die bei der EM mit sieben, acht Spielern in der Startformation vertreten waren. In der Innenverteidigung durfte nach langer Pause der frühere Hannoveraner Per Mertesacker wieder ran, ohne allerdings auch nur annähernd so gefordert zu werden wie in der Premier League bei Arsenal.

          Ein Mann, zwei Tore: Mesut Özil gelang sein erster Doppelpack bei der Nationalelf
          Ein Mann, zwei Tore: Mesut Özil gelang sein erster Doppelpack bei der Nationalelf : Bild: dpa

          Allzu große Aufschlüsse für die kommenden Aufgaben in der Qualifikationsgruppe C lieferte das einseitige Spielchen ohnehin nicht. Dafür waren die Rolle zwischen dem dreimaligen Welt- und Europameister sowie der Nummer 154 der Fußball-Weltrangliste doch allzu deutlich verteilt – Färöer versammelte fast während der gesamten Spielzeit neun Feldspieler um und im eigenen Strafraum, um sich dem haushohen Favoriten so gut es ging in den Weg zu stellen. Ein Fußballspiel im eigentlichen Sinne kam so, wie zu erwarten, nicht zustande, sondern eher Belagerungsfußball.

          Was man allerdings erkennen konnte, war eine veränderte Grundformation, ein 4-1-4-1-System mit Khedira als Mann vor der Abwehr und mit Reus, Götze, Özil und Müller als quirliges, verspieltes Mittelfeld, und mit Klose als Spitze davor. Eine neue Variante, deren Wirkung sich aber erst gegen eine Mannschaft erweisen wird, die mehr bietet als Einsatz und Leidenschaft wie die tapferen Kicker vom Nordatlantik, vielleicht schon am Dienstag in Wien gegen Österreich (20.30 Uhr / Live im FAZ.NET-Länderspiel-Ticker).

          Der Spieler von Real Madrid traf, den Kollegen gelang das nicht so gut
          Der Spieler von Real Madrid traf, den Kollegen gelang das nicht so gut : Bild: dpa

          Wenn man im deutschen Spiel in der ersten Halbzeit nach positiven Seiten suchte, wurde man bei den zahlreichen Torchancen fündig, die sich das Team im Takt von wenigen Minuten immer wieder gegen die blaue Mauer erspielte. Bis zur Pause kamen die Deutschen auf ein Dutzend Gelegenheit – aber da es nur zu einem Törchen reichte, war auch die größte deutsche Schwäche des Abends schnell ausgemacht: die traurige Erfolgsquote beim Torschuss.

          Also genau jener Mangel, der den Deutschen auch zu einer erfolgreicheren Europameisterschaft im Sommer im Weg gestanden hatte, und den der Bundestrainer auf dem Weg nach Brasilien eigentlich dringend beheben will. In Polen und der Ukraine hatten die Deutschen zwar mehr Chancen herausgespielt als zwei Jahre zuvor bei der Weltmeisterschaft in Südafrika, aber weniger Treffer erzielt.

          Neue deutsche Jugendwelle: Götze traf, Kumpel Reus (links) hat Spaß
          Neue deutsche Jugendwelle: Götze traf, Kumpel Reus (links) hat Spaß : Bild: dpa

          Diesmal scheiterten nach guten bis besten Chancen in den ersten 25 Minuten der Reihe nach: Reus, Khedira, Klose, Müller und wiederum Reus und Klose. Dann schloss wenigstens Götze sein herrliches Solo an vier Gegenspielern vorbei souverän zum 1:0 ab (28.). Dann versuchten sich bis zur Pause Klose, Götze, Khedira und Müller wieder vergebens.

          Der wichtigste Ansatz als Konsequenz aus der EM ließ sich dagegen kaum verwirklichen gegen Färöer: den Gegner bei Ballbesitz sofort unter Druck zu setzen, ihm den Ball abzujagen und schnell zum Abschluss kommen. Färöer spielte da aber nicht mit, die Mannschaft wagte sich nur mit ganz wenigen Spielern bei Ballbesitz aus der Deckung – und wenn, dann machten sie es sogar so geschickt, dass die deutsche Defensive mitunter sogar schlecht aussah.

          Bilderstrecke
          WM-Qualifikation kompakt : Nur Italien patzt

          Als Färöer nach dem Wechsel einmal so mutig war, sich mit einem halben Dutzend Spieler in die deutsche Hälfte vorzuwagen, erlebten sie, was ein Ballverlust unter diesen Umständen bedeutet. Innerhalb von ganz wenigen Sekunden kam Löws Team mit einem zielstrebigen vom eigenen Strafraum zum Torschuss – und Özil nutzte Müllers Flanke mit Ruhe und Präzision (54.). Der Treffer wirkte zumindest auf den deutschen Star von Real Madrid noch einmal belebend.

          Özil war es auch, der in der 67. Minute mit einem Schuss an den Pfosten nur knapp scheiterte, fünf Minuten später machte er es dann besser und überwand den überragenden Torhüter Gunnar Nielsen, der ansonsten seinen Stammplatz auf der Ersatzbank von Manchester City hat. Der Fußballabend von Hannover, der in Deutschland nicht allzu lange in Erinnerung bleiben wird, dürfte aber zumindest für Nielsen das Spiel des Jahres gewesen sein.

          Die europäischen WM-Endrundenteilnehmer werden in diesen neun Gruppen ermittelt
          Die europäischen WM-Endrundenteilnehmer werden in diesen neun Gruppen ermittelt : Bild: dpa

          Deutschland - Färöer 3:0 (1:0)

          Deutschland: Neuer (Bayern München/26 Jahre/32 Länderspiele) - Lahm (Bayern München/28/92), Mertesacker (FC Arsenal/27/82), Hummels (Borussia Dortmund/23/21), Badstuber (Bayern München/23/27) - Khedira (Real Madrid/25/34) - Müller (Bayern München/22/34 - 68. Schürrle/Bayer Leverkusen/21/18)), Özil (Real Madrid/23/40), Götze (Borussia Dortmund/20/17 - 87. Draxler/FC Schalke 04/18/2), Reus (Borussia Dortmund/23/10) - Klose (Lazio Rom/34/123 - 75. Podolski/FC Arsenal/27/102)
          Färöer: Nielsen (Manchester City/25/9) - Naes (Valur Reykjavik/25/25), Faerö (B36 Tórshavn/22/2), Baldvinsson (Bristol Rovers/22/7), Justinussen (NSI Reykjavik/23/7) - Benjaminsen (HB Tórshavn/34/70), Hansson (Aalborg BK/20/2) - Udsen (Elite Helsinger/29/9 - 46. Suni Olsen/B36 Tórshavn/31/46), Holst (Silkeborg IF/30/32), Samuelsen (HB Tórshavn/27/38 - 65. Elttør/KI Klaksvik/29/24) - Edmundsson (Viking Stavanger/21/15 - 85. Klaemint Olsen/NSI Runavik/22/1)
          Schiedsrichter: Madden (Schottland)
          Zuschauer: 32.769
          Tore: 1:0 Götze (28.), 2:0 Özil (54.), 3:0 Özil (71.)
          Gelbe Karten: Lahm / Baldvinsson

          Weitere Themen

          Hütter: „Ich bin kein Lügner“ Video-Seite öffnen

          Eintracht-Trainer : Hütter: „Ich bin kein Lügner“

          Der Trainer von Eintracht Frankfurt, Adi Hütter, hat seinen geplanten Wechsel zu Borussia Mönchengladbach verteidigt. Die Gladbacher sind für Frankfurt der nächste Gegner in der Fußball-Bundesliga.

          Topmeldungen

          Blick auf die Brücke, die die von Russland annektierte Halbinsel Krim mit dem russischen Festland verbindet.

          Meeresblockade : Ukraine wirft Russland Eskalation vor

          Kiew schlägt abermals Alarm: Moskau wolle einen Teil des Schwarzen Meers für ausländische Kriegsschiffe sperren. Russlands Militärübungen an der Westgrenze gehen derweil weiter. Und die Armee der Ukraine probt die Abwehr eines Vorstoßes von Panzern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.