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3:0 gegen die Niederlande : Müller, Klose, Özil

Eins, zwei, drei: Müller, Klose, Özil schlagen die Niederlande Bild: AFP

Drei Spieler, drei Tore - und Deutschland geht mit berechtigter Hoffnung auf den vierten Titel ins EM-Jahr 2012. Müller, Klose und Özil zerlegen Oranjes Defensive spielerisch.

          3 Min.

          Es dürfte schwierig für die deutsche Nationalmannschaft werden, bei der Europameisterschaft im kommenden Sommer in Polen und der Ukraine nicht als einer der ganz großen Favoriten auf den Titel angesehen zu werden.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Nach einer makellosen EM-Qualifikation lieferten die Deutschen beim letzten Spiel des Jahres im Prestigeduell gegen die Niederländer einen souveränen 3:0-Sieg nach, bei dem immer wieder Momente zu bestaunen waren, in denen das DFB-Team seine spielerisches Vermögen mit Tempo und Effizienz verband.

          Die Tore zu einem verdienten und schon nach einer knappen halben Stunde weitgehend gesicherten Erfolg erzielten Thomas Müller (15. Minute) und Miroslav Klose (26.). Als Krönung spielerischer Leichtigkeit des ganzen Jahres konnte der dritte Treffer durch Özil gelten, der nach Doppelpass mit Klose den Ball ins leere Tor schoss (65.).

          Die Überlegenheit der Deutschen war nicht zuletzt das Resultat geballter Klasse im Mittelfeld, dem Herzstück des deutschen Spiels mit Toni Kroos, Mesut Özil und Thomas Müller als ihren überragenden Einzelkönnern.

          Mit Konzentration und taktischer Ernsthaftigkeit wie in einem Pflichtspiel begrenzte die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw zudem immer wieder die niederländischen Stärken, die sich immer wieder zeigten, aber eben nur ganz selten zu einer Herausforderung für Manuel Neuer wurden. Der Torwart wurde kaum gefordert an einem Abend in Hamburg, an dem die Deutschen ihren Anspruch als Team von Weltklasse ganz selbstverständlich und mit einer Ruhe unter Beweis stellten, die Hoffnung auf höchste Ziele ganz selbstverständlich machte.

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          Dabei hat es die deutsche Nationalmannschaft mit dem Jahresabschluss eigentlich nicht so. In den letzten Jahren war beim Team von Jogi Löw bei den letzten Aufgaben immer wieder mal die Luft ausgegangen nach zuvor erstklassigen Jahresergebnissen.

          Im Mittelfeld überlegen

          Aber diesmal, und dazu noch gegen den Lieblingsrivalen Holland, wollten es die Deutschen partout nicht noch mal „verbocken“, wie Manager Oliver Bierhoff gesagt hatte. Und von Beginn war zu spüren, dass der WM-Dritte gegen den WM-Zweiten hochkonzentriert bei der Sache war. Es dauerte nicht mal eine Minute, bis Kapitän Klose mit einem energischen Antritt und einem zielstrebigen Abschluss die Richtung vorgab, von der die Deutschen nicht mehr abwichen.

          Im Mittelfeld organisierten sich die Deutschen mit ihren Spielern der Extraklasse ihre Überlegenheit. Vor allem Kroos, Özil und Müller fanden, unterstützt von Sami Khedira, immer wieder die richtige Balance aus defensiver Stabilität und klug und schnell vorgetragenen Attacken. Die taktische und mannschaftliche Entschlossenheit zeigte sich in der ersten Halbzeit daran, dass Torhüter Manuel Neuer nicht ein einziges Mal gefordert war.

          Die deutsche Defensivabteilung ließ nur eine Flanke und einen Fernschuss von Snejder (11.) zu. In der Offensive beeindruckte das Team durch seine Fähigkeit, blitzschnell seine Angriffe vorzutragen und auch mit Effektivität zu beenden.

          In der 15. Minute war es Toni Kroos, der mit einer weiten, scharfen und präzisen Flanke auf Klose die niederländische Abwehr auseinanderzog. Der neue Römer verschaffte daraufhin Thomas Müller mit einem klugen Zuspiel freie Bahn und der WM-Torschützenkönig nutzte die Gelegenheit zum 1:0.

          Müller überragend

          Müller machte mit dem Führungstreffer seinen aktuellen ganz großen Wert für die Deutschen deutlich, schon in den vergangenen sechs Länderspielen war der Münchner an zehn Toren beteiligt, drei Treffer erzielte er dabei selbst. Und auch beim 2:0 in der 26. Minute hatte Müller seinen Anteil. Müller war im Mittelfeld die Umschaltstation, die mit einem Pass auf Özil für das nötige Tempo beim Konter sorgte. Özil flankte auf Klose, der mit einem erstklassigen Kopfball erfolgreich war.

          Nach nicht einmal einer halben Stunde hatten die Deutschen im Ruckzuck-Verfahren ihre Klasse bewiesen, es gelang ihnen, Tempo und Druck zwar nicht nach Belieben, aber immer wieder entscheidend zu variieren. Dabei verriet vor allem Müller immer wieder seine Qualität, um aus scheinbar harmlosen Momenten Angriffssituationen von höchster Gefahr zu entwickeln.

          Es hätte nicht viel gefehlt und Klose wäre mit einem Kopfball (36.) noch ein weiterer Treffer gelang, danach verpasste er ein schönes Zuspiel von Özil nur um einen Schritt.

          So hoch wie seit über 50 Jahren nicht mehr

          Nach der Pause zogen sich die Deutschen etwas zurück, um auf ihre Konterchance zu lauern, von denen sie sichern sein konnten, dass sie sich ergeben würden. Sie kamen im regelmäßigen Takt, am Ende waren es über ein halbes Dutzend.

          In der 65. Minute nutzten sie die Gelegenheit nach einem Abspielfehler der Holländer im Mittelfeld. Wieder war es Müller, der das Tempo verschärfte und Özil ins Spiel brachte, der mit einem herrlichen Doppelpass mit Klose alle Gegner und auch Torhüter Steklenburg hinter sich ließ.

          Das 3:0 machte den historischen Erfolg der Deutschen gegen ihre jahrzehntelang spielerisch vorbildlichen Nachbarn deutlich. Es war der höchste deutsche Sieg gegen die Niederlande seit über fünfzig Jahren.

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