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25 Jahre Bundesliga im Pay-TV : Salami-Spieltage zum täglich Fußball-Brot

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Sechs Experten, sieben Meinungen: Die Fußballfachtagung ist mittlerweile Standard bei den Top-Spielen, wie hier im Dortmunder Westfalenstadion. Bild: Picture-Alliance

Verschiedene Anstoß-Zeiten und Milliarden-Einnahmen: Fans und Klubs in Fußball-Deutschland haben sich an die Folgen des Bezahlfernsehens gewöhnt. Dabei glaubte vor 25 Jahren niemand an den Erfolg. Und Beckenbauer warnte davor.

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          Bei der Premiere ahnte wohl niemand, welch dramatische Änderungen der Fußball-Bundesliga bevorstanden. Als am 2. März 1991 das erste Spiel live im Pay-TV übertragen wurde, galt das beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) noch als Experiment mit anderthalb Jahren Probezeit. Und ausgerechnet Franz Beckenbauer warnte vor 25 Jahren: „Wenn der Fußball eine TV-Sportart wird, geht er einen schwierigen Weg.“

          Der Sky-Vorgänger Premiere übertrug zum Auftakt den 4:3-Sieg von Eintracht Frankfurt gegen den späteren Meister 1. FC Kaiserslautern. Schon einen Tag danach gab es für die damals noch raren Kunden die Partie Borussia Mönchengladbach gegen Werder Bremen (1:1).

          „Alle Spiele, alle Tore“ seit 1998

          Anfangs wurde im Normalfall eine Partie pro Spieltag gezeigt. Von 1998 an erweiterte Premiere das Programm auf drei Partien pro Spieltag, je eines am Freitag, Samstag und Sonntag. Zwei Jahre später hieß es erstmals „Alle Spiele, alle Tore“, und Premiere erfand die aus dem Radio bekannte und beliebte Konferenz-Schaltung für das Fernsehen.

          Längst haben sich die Fußballfans daran gewöhnt, dass jedes Spiel der Bundesliga live zu sehen ist – zumindest für die Kunden des Abonnement-Senders aus Unterföhring. Dabei gab es immer wieder Proteste gegen die „Salami-Spieltage“. Inzwischen sind es im Regelfall fünf verschiedene Anstoß-Zeiten. Im nächsten Vertrag will die Deutsche Fußball Liga womöglich sogar noch Montags-Spiele einführen.

          Bei der Premiere von „Premiere“ befürchteten viele, dass die Zuschauer nicht mehr ins Stadion gehen. Der Vertrag sei nur „auf eineinhalb Jahre abgeschlossen“, sagte der damalige DFB-Pressesprecher Wolfgang Niersbach und fügte beruhigend an: „Wenn uns Stadion-Besucher in Massen verloren gehen, müssen wir allerdings reagieren.“ Die Anhänger haben sich indes an die vielen Anstoß-Zeiten gewöhnt, die Vereine an das viele Geld. Das gilt auch für Beckenbauer: Der „Kaiser“ hat mal wieder seine Meinung revidiert und verdient seit vielen Jahren als TV-Experte bei Sky vermutlich gutes Geld.

          Die Einnahmen sind in den 25 Jahren mit Pay-TV geradezu explodiert. Die Bertelsmann-Tochter Ufa, damals mit 37,5 Prozent an Premiere beteiligt, stockte das TV-Honorar von 50 Millionen Mark für das erste halbe Jahr um 5,5 Millionen Mark für die Pay-TV-Rechte auf. Das zusätzliche Geld steckte der DFB in einen neugegründeten Ostfonds. Die Bundesligavereine sahen also keinen Pfennig.

          Die erste Live-Übertragung: Reinhold Beckmann kommentiert im März 1991 mit modischer Krawatte, Hannes Bongartz (rechts) fungiert als Ko-Kommentator Bilderstrecke

          Der Begriff Bezahl-Fernsehen hat aus dieser Sichtweise eine ganz andere Bedeutung: Inzwischen überweist Sky pro Saison durchschnittlich 485,7 Millionen Euro. Das sind ungefähr 80 Prozent der Medien-Einnahmen auf dem heimischen Markt. Entsprechend groß ist die Abhängigkeit der Liga vom Pay-TV.

          Und entsprechend groß war 2002 das Bangen bei den Vereinen während der Kirch-Krise mit anschließender Pleite. Als sich in der Saison 2006/2007 das Desaster mit dem Pay-TV-Neuling Arena abzeichnete, waren die DFL und die Klubs froh, dass Premiere überlebt hatte und einspringen konnte.

          Das Kuriose: Sky hat noch keine Jahresbilanz mit einem Plus abgeschlossen, aber ist der mit Abstand größte Finanzier der Liga. Demnächst soll der Pay-Sender noch mehr zahlen. So wiederholen es jedenfalls die Bundesliga-Bosse immer wieder.

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