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25 Jahre nach Cordoba : Als Hans Krankl Edi Finger ganz „narrisch“ machte

Maier liegt, Dietz fällt, Krankl trifft - 3:2 Bild: dpa

Am 21. Juni 1978 verlor die deutsche Nationalmannschaft bei der Fußball-WM in Argentinien 2:3 gegen Österreich - ein Spiel, das bis heute als Synonym für schmachvolle Pleiten gilt.

          4 Min.

          Cordoba, 1,7 Millionen Einwohner, zweitgrößte Stadt Argentiniens. Nur einmal von der Historie berührt. Es ist der 21. Juni 1978, Samstag nachmittag, das letzte Zwischenrundenspiel der Gruppe B bei der Fußballweltmeisterschaft: Deutschland gegen Österreich.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Für Titelverteidiger Deutschland ist es eine verkorkste WM. Die Ignoranz gegenüber den Morden der Militärdiktatur hat schlechte Presse gemacht; das Lagerleben im früheren Trainingscamp der argentinischen Luftwaffe schlechte Stimmung. „Vermutlich ist nie zuvor ein größerer Haufen Elend schärfer bewacht worden als die deutsche Nationalmannschaft in Ascochinga“, schreibt der Journalist Horst Vetten. Innen wacht die GSG 9, außen Militär, dazwischen Geheimpolizei. Nur erlesene Gäste kommen hinein, wie der Alt-Nazi Ernst-Ulrich Rudel, der vom Deutschen Fußball-Bund empfangen wird. Für die leichte Muse ist Franz Lambert als Lager-Organist zuständig.

          „Wir ödeten uns an“, beklagt später Abwehrspieler Rolf Rüßmann. „Das Fernsehen konnte niemand verstehen, für einen Troß von 100 Personen gab es eine einzige Telefonleitung, die Kellnerinnen waren gegen sechzigjährige Männer getauscht worden. Das war kein Klima für Erfolg.“ Nach Remis gegen Holland und Italien ist das Spiel gegen Österreich die letzte Chance, die Expedition zu retten. Deutschland muß mit fünf Toren Vorsprung gewinnen, um ins Finale einzuziehen, was nicht ausgeschlossen scheint: Die Niederländer haben 5:1 gegen Österreich gewonnen.

          Nach 45 Minuten steht es 1:0 für Deutschland, Torschütze Rummenigge. Doch die Partie droht ein Langweiler zu werden: ein müder Kick der Deutschen, für die es so kaum reichen dürfte; und für die Österreicher wieder kein Sieg in Sicht gegen den Nachbarn, wie schon seit 47 Jahren. Ingenieur Edi Finger, Hörfunkreporter des österreichischen Rundfunks, richtet zu Beginn der zweiten Halbzeit, die ihn daheim zur Legende machen wird, grundsätzliche Worte an seine Zuhörer.

          „Achtung. Achtung. Achtung. Bittschön aufpaßn, ich möchte jetzt einige Worte an meine Landsleute, 15.000 Kilometer von Argentinien entfernt, sagen: na bitte, ich möchte ihnen sagen, meine Damen und Herrn: wenn es nicht geht, da kamma halt nix machen undsoweiter undsoweiter - und wir wolln auf alle Fälle die Gerechtigkeit, die Gerechtigkeit, wo gibts die schon, aber wir hoffen noch, denn - na, fürchterlich, gotteswilln, bittschön Leutln reißts euch zsam, es wäre doch gelacht, das kann doch garnet sein, und - gottseidank, gottseidank, daneben, da kamma nix machen, was sollma machen.“

          Nach 59 Minuten fliegt der Ball in den deutschen Strafraum. Kapitän Berti Vogts befördert ihn ins eigene Tor. Der Ausgleich. „Einszueins - im Gewirr der Beine nehme ich alles zurück, aber wir wurden erhört, wir wurden erhört, bravo.“ Die Österreicher drehen auf. Ihr Reporter auch. „Ja ja. Jetzt aber wieder unsre Burschen am Leder, herrlich, Prohaska, Hickersberger, Hickersberger zu Konzilia zu Schachtner, Schachtner wieder zuu Sara zuu Hickersberger, Hickersberger zu Hickersberger, Hickersberger zu Krieger zu Sara. Sara-Burli streichelt den Balli - das Balli. Da springt der Hicki, na, der Hicki brauch net springen. Die Deutschen sind nervös, und im Augenblick drücken die Österreicher unheimlich aufs Tempo. Und jetzt brauch ma a bißl a Maß noch, denn es geht jetzt um Sein oder Nichtsein neunzehnhundertachtundsiebzig.“

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