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2:4 im Elfmeterschießen : Ghanas ganz großes Drama

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Untröstlich: Gyan nach seinem Lattentreffer Bild: dpa

Unfassbares Pech für die die Black Stars: In der Nachspielzeit der Verlängerung hämmert Gyan einen Strafstoß an die Latte. Auch im Elfmeterschießen hat Uruguay die besseren Nerven und gewinnt mit 4:2. Nach 120 Minuten stand es 1:1.

          Das Ende war dramatisch. Als in der 120. Minute Ghana Sekunden davor stand, sich als erste afrikanische Mannschaft für ein Halbfinale bei einer Fußball-Weltmeisterschaft zu qualifizieren, verschoss Gyan am Freitagabend im Johannesburger Soccer City Stadium einen Handelfmeter. Der Ball prallte beim Stand von 1:1 gegen die Latte; der Uruguayer Suarez, der zuvor ein absichtliches Handspiel zur Verhinderung eines Treffers begangen hatte, war auf dem Weg in die Kabine - und der letzte Akt dieses Viertelfinalkrimis bei dieser Weltmeisterschaft begann: Elfmeterschießen als ultimative Zugabe.

          Erst nach 120 Minuten und dem folgenden Stechen stand der Gegner der Niederlande im ersten Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft am Dienstagabend in Kapstadt fest (siehe: 2:1 gegen Brasilien: Strahlendes Orange im Halbfinale). Uruguay schaffte doch noch dank des 4:2 im Elfmeterschießen den Sprung unter die letzten Vier des Turniers. Abreu behielt als letzter Schütze die Nerven, nachdem zuvor Mensah und Adiyiah für Ghana sowie Pereira für Uruguay ihre Chancen nicht genutzt hatten.

          Es war das erste Mal seit 1970, dass die Südamerikaner bei einer WM wieder einmal so weit kamen. Ein Erfolg, den sich die Mannschaft dank ihrer größeren spielerischen Klasse verdiente. In einer hin- und herwogenden Partie hatten Muntari (45. Minute+2) und Forlan (55.) vorher die Tore zum 1:1 erzielt.

          Hier endet der Traum Afrikas: In der Nachspielzeit der Verlängerung an der Querlatte

          Die Chance, als erste afrikanische Nationalmannschaft das WM-Halbfinale erreichen zu können, schien an diesem Abend den ganzen Kontinent elektrisiert zu haben. Die „Black Stars“ des serbischen Trainerstoikers Milovan Rajevac wurden flugs zu „Black Stars of Africa“ umgetauft und das vorher rein südafrikanische Bekenntnis zu „Bafana, Bafana“ in das Tagesmotto „BaGhana, BaGhana“ umgewidmet. Würde das Team den allseits hohen Erwartungen auch diesmal genügen können? Rajevac konnte unter den besonderen Umständen zumindest seine beste Elf aufbieten, abzüglich der gesperrten Jonathan Mensah und Andre Ayew.

          Die „Black Stars“ leuchteten endlich

          „Neue Glanztaten“ wollte aber auch Uruguay, der Altweltmeister von 1930 und 1950, von seiner „Celeste“ sehen. Entschlossen legten sie auch los, eroberten viele Bälle im Mittelfeld, die dann rasch in die Spitze gespielt wurden - allein: Die ganz großen Gelegenheiten taten sich nicht auf. Torhüter Kingson musste nur bei einem Schuss von Suarez (26.) und bei einem Kopfball des eigenen Innenverteidigers John Mensah (18.) seine große Reaktionsschnelligkeit beweisen.

          Die Ghananer setzten nach einer halben Stunde die längst nicht mehr souveränen Südamerikaner mächtig unter Druck. Vorsahs Kopfball (30.) verfehlte sein Ziel ebenso knapp wie Gyans Direktabnahme nach phantastischer Vorarbeit des nun aufblühenden Boateng (31.). Die „Black Stars“ leuchteten endlich mit druckvollem Angriffsfußball - und schlugen in der Nachspielzeit der ersten Hälfte durch Muntaris Distanzschuss zu. Torhüter Muslera ließ sich von dem Aufsetzer aus etwa dreißig Metern Torentfernung überraschen.

          Bitteres Ende statt der erhofften Erlösung

          Doch dem einen Torwartpatzer folgte auf der anderen Seite gleich der nächste. Uruguays Stürmerstar hielt bei einem Freistoß aus spitzem Winkel einfach mal drauf und erwischte Kingson damit auf dem falschen Fuß. Der Dritttorwart von Wigan Athletic machte bei seinem Abwehrversuch die „lange Ecke“ frei, und schon war es passiert (55.). 1:1, alles ging in diesem bewegten Kampfspiel wieder von vorne los - mit jetzt wieder deutlichen Vorteilen für Uruguay. Suarez hätte die exzellente Vorarbeit seines Angriffspartners Forlan zum 2:1 nutzen können (64.), schoss aber knapp vorbei und scheiterte wenig später beim nächsten Versuch an Kingson (71.). Ghanas Torwart parierte dann auch noch Suarez' Kopfball (78.) prächtig und hatte damit seinen Aussetzer beim 1:1 halbwegs wettgemacht.

          Das Ringen um einen Platz unter den besten vier Teams wurde minütlich intensiver. Doch die Zeit, für klare Verhältnisse binnen neunzig Minuten zu sorgen, rann dahin. Es kam zur Verlängerung. Auch in der halben Stunde danach konnte sich keine der beiden Mannschaften den entscheidenden Vorsprung verschaffen, mochte nun auch Ghana dem erlösenden Treffer näher sein. In allerletzter Minute hätte dann das 2:1 fallen müssen, als Gyan bei einem Strafstoß nur die Latte traf, nachdem vorher Suarez mit der Hand auf der Torlinie rettete und die Rote Karte sah. Doch der erhofften Erlösung für Ghana folgte das Elfmeterschießen mit dem bitteren Ende für Afrikas beste, wieder einmal bravourös kämpfende Mannschaft.

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