https://www.faz.net/-gtl-7ti9z

2:4 gegen Argentinien : Deutschland öffnet die Tore

2:4 gegen Argentinien: das sah vor 52 Tagen in Rio noch etwas anders aus Bild: AP

Die WM-Final-Neuauflage verliert der Weltmeister: Argentinien nutzt die Schwächen und führt 0:4. Die DFB-Elf verhindert die Blamage noch. Schürrle verkürzt. Und wieder erzielt Götze das letzte Tor.

          3 Min.

          Wer friert uns diesen Moment ein? Natürlich wurde er auch am Mittwochabend noch einmal gespielt, der WM-Hit von Andreas Bourani. Die Antwort auf die Songzeile ergab sich dann allerdings nicht gerade von selbst. Was die deutsche Fußball-Nationalmannschaft 52 Tage nach dem Finale von Rio de Janeiro bot, war nicht gerade das, was man sich unter einem glänzendes Erinnerungsstück vorstellt – und gewiss auch nicht das, was das Publikum erwartet hatte, das in Düsseldorf doch eigentlich noch einmal nach Herzenslust seine Weltmeister feiern wollte.

          Das 2:4 gegen Argentinien aber war dann alles in allem ein unerwarteter Stimmungstöter. Sergio Agüero (20. Minute), Erik Lamela (40.), Federico Fernández (47.), Ángel di María (50.) brachten den Finalgegner sage und schreibe 4:0 in Führung, ehe André Schürrle (52.) und Mario Götze (78.) die Angelegenheit noch etwas freundlicher gestalteten.

          Natürlich war es sportlich ein Muster ohne großen Wert, es ging ja nun einmal um nichts. Bei der ersten neuen Pflichtaufgabe am Sonntag gegen Schottland zum Auftakt der EM-Qualifikation (20.45 Uhr / Live bei RTL und im Länderspiel-Ticker bei FAZ.NET) sollte Joachim Löws Mannschaft sich aber hinten wie vorn ein bisschen aufgeweckter zeigen. Gegen Argentinien waren der ziemlich löchrige Defensivverbund Dortmunder Prägung) und die schlechte Chancenverwertung vor allem in Person von Mario Gomez die ausschlaggebenden Faktoren für das unerfreuliche Ergebnis.

          Vor dem Anpfiff ging es für einige Momente tatsächlich noch einmal feierlich-ausgelassen zu. Erst brandete Jubel auf, als beim Begrüßungszeremoniell auf dem Rasen der vierte Stern für den vierten WM-Titel freigelegt wurde. Dann stand für Hansi Flick, Per Mertesacker, Miroslav Klose und Philipp Lahm die Verabschiedung in den Nationalmannschafts-Ruhestand an.

          Und schon wieder drin: Neuer am Boden, Argentinien jubelt Bilderstrecke

          DFB-Präsident Niersbach und Generalsekretär Sandrock überreichten Erinnerungsstücke, das Publikum zeigte lautstark seine Dankbarkeit, vor allem bei Klose und Lahm. Das war dann allerdings für recht lange Zeit auch schon der emotionale Höhepunkt des Abends, zumindest aus deutscher Sicht.

          Als der Ball rollte, war es dann ziemlich oft ziemlich still auf den Rängen der Düsseldorfer Arena. Auf dem Platz nämlich war es ein Abend, der so gar nicht nach dem Geschmack der Deutschen lief. Die Argentinier trugen ihren Teil dazu bei: Sie wollten sich ganz gewiss nicht nachsagen lassen, sie seien nur als Staffage zur großen deutschen Party angereist. Sie taten vielmehr einiges, um zumindest für diesmal als Spielverderber in Erinnerung zu bleiben. Es war aber eben auch unübersehbar, dass die Deutschen, vor allem in der Defensive, nicht hundertprozentig bei der Sache waren. Man konnte es ihnen vielleicht nicht verdenken, aber entsprechend verlief eben die Partie.

          Gerade einmal vier Spieler aus der Startelf von Rio begannen auch am Mittwoch: Neuer, Höwedes, Kramer und Kroos. Vielleicht war auch so viel Veränderung des Guten etwas zu viel. Von Anfang an jedenfalls wirkten die Argentinier etwas frischer und zielstrebiger. Und sie hatten, in Abwesenheit von Lionel Messi, einen anderen Spieler der Extraklasse dabei, den sie im WM-Finale schmerzlich vermisst hatten: di María.

          Der Flügelspieler bereitete beide argentinische Treffer der ersten Hälfte vor: Erik Durm, der deutsche Linksverteidiger, gab dabei ebenso wenig eine gute Figur ab wie der Rest der Abwehrreihe mit Benedikt Höwedes, Matthias Ginter und Kevin Großkreutz. Torwart Manuel Neuer, der in Vertretung des verletzten Neu-Kapitäns Schweinsteiger die schwarz-rot-goldene Binde trug, war beide Male machtlos.

          Es war ja, bei allem Retro-Charme, durchaus eine Partie, die in die Zukunft weisen konnte – zumindest nominell. Einige Plätze sind neu zu vergeben auf dem Weg zur EM 2016. Die vielleicht wichtigste und zugleich schwierigste Frage für Löw in den kommenden Wochen und Monaten wird dabei sein, wie Lahm als Rechtsverteidiger zu ersetzen ist. Der erste Kandidat, Großkreutz, stand zwar nicht ganz so unglücklich im Blickpunkt wie sein gegen di María häufig hilfloser Dortmunder Klubkollege Durm auf der anderen Seite, eine Bewerbung für höhere Aufgaben war der Auftritt aber gewiss nicht.

          Daneben standen zwei Rückkehrer im Fokus. Marco Reus und Mario Gomez. Und für den Angreifer vom AC Florenz war es ein bitterer Abend. Gomez, von dem Löw gesagt hatte, er sei im Strafraum „einer der besten überhaupt“, hatte in seinem Revier in der ersten Hälfte gleich dreimal gute Gelegenheit, einen Treffer zu erzielen. Bei den ersten beiden Versuchen aber schoss er zu unplatziert und scheiterte an Romero, beim dritten verzog er den Schuss völlig. Man mochte es kaum glauben, aber es waren schon wieder Pfiffe gegen Gomez zu vernehmen, später bei dessen Auswechslung noch einmal.

          In der zweiten Hälfte kam Roman Weidenfeller für Neuer, und gleich bei der ersten Aktion fügte er sich in das traurige Bild ein, das der Dortmunder Block an diesem Abend abgab. Weidenfeller unterlief einen Freistoß von di María, Fernández köpfte ein. Kurz darauf erhielt di María sogar Beifall vom deutschen Publikum, als er den Ball über Weidenfeller zum 0:4 lupfte.

          Von WM-Begeisterung im Publikum war nach dieser Ernüchterung in Serie kaum noch etwas zu spüren – das änderte sich ein wenig, als Schürrle und Götze zumindest noch etwas Linderung verschafften, und die deutsche Mannschaft danach weiter ihre Chance suchte. Nach dem Schlusspfiff war die Stimmung versöhnlich. Die WM aber, das musste man dennoch sagen, wirkte da trotzdem schon unerwartet fern.

          Weitere Themen

          Der BVB schießt sich den Frust von der Seele

          6:1 in Paderborn : Der BVB schießt sich den Frust von der Seele

          Nach der Niederlage gegen den FC Bayern war die Dortmunder Chance auf die Meisterschaft dahin. Gegen Paderborn wahrt der BVB seine komfortable Ausgangsposition im Kampf um die Champions-League-Plätze. Sancho und Hakimi schließen sich einem weltweiten Protest an.

          Rhein-Derby vor leeren Rängen Video-Seite öffnen

          Düsseldorf gegen Köln : Rhein-Derby vor leeren Rängen

          Am Wochenende trifft Fortuna Düsseldorf auf den 1. FC Köln. Doch auch das Rhein-Derby muss in dieser Saison ohne die Fans stattfinden. Doch auch als Geisterspiel sei das Aufeinandertreffen der beiden Vereine etwas Besonderes, wie beide Trainer beteuerten.

          Topmeldungen

          Corona und Polizeigewalt : Die zwei Bedrohungen der Schwarzen

          Afroamerikaner sind in Amerika finanziell und gesundheitlich schlechter gestellt. Die Pandemie und die Polizei-Gewalt werfen ein Schlaglicht auf die oft prekäre Lage der Minderheit – die sich bald sogar noch mehr verschlechtern könnte.
          Das Iduna-Zentrum im Zentrum Göttingens

          Hotspots im Norden : „Ein katastrophales Verhalten“

          Die Göttinger Behörden bemühen sich um eine Eindämmung des Infektionsgeschehens und drohen mit „geschlossenen Einrichtungen“. Von den „Evangeliums-Christen“ in Bremerhaven scheinen Spuren derweil nach Frankfurt zu führen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.