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2:3 gegen die Slowakei : Weltmeister Italien hat fertig

  • -Aktualisiert am

Abschied vom Turnier: Simone Pepe Bild: AFP

Die kleine Slowakei schockt die Fußball-Großmacht Italien: Nach dem 3:2 stehen die Osteuropäer im Achtelfinale gegen die Niederlande und die Südeuropäer vor einem dringenden Neuaufbau. Noch nie zuvor wurden die Italiener Gruppenletzter.

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          Nach dem ehemaligen Weltmeister Frankreich hat sich am Donnerstagnachmittag auch Titelverteidiger Italien ruhmlos von der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika verabschiedet. Die Mannschaft von Trainer Marcelo Lippi unterlag im Ellis Park vor 53.000 Zuschauern dem großen Außenseiter Slowakei mit 2:3 und muss nun schon nach der Vorrunde nach Hause in den Urlaub reisen. In einer erst gegen Ende dramatischen Begegnung nutzte den Italienern auch ein leidenschaftlicher Endspurt mit den Treffern von di Natale (81. Minute) und Quagliarella (90.) nichts mehr. Die beiden Treffer des ehemaligen Nürnbergers Vittek (25. und 73.) und die Zugabe von Kopunek (89.) wogen zu schwer. Während die Squadra Azzurra, wie peinlich, nur Letzte der Gruppe F wurde, freuten sich die Mittelosteuropäer königlich über Platz zwei. „Nach der Geburt meines Sohnes ist das der beste Tag in meinem Leben. Alle Slowaken sind heute glücklich“, sagte Trainer Vladimir Weiss. Die Slowaken haben es nun am Montag in Durban mit den Niederlanden zu tun (siehe: 2:1 gegen Kamerun: Niederlande mit Maximalpunktzahl).

          Für Italien indes ist die WM nicht mehr mit irgendeiner Art von Vorfreude verbunden. „Ich übernehme die volle Verantwortung, für das was heute passiert ist“, sagte Marcello Lippi. „Das war so ein wichtiges Spiel. Wenn die Mannschaft nicht in der Lage ist, ihr gesamtes Können zu zeigen, dann war der Trainer nicht in der Lage, das Beste aus ihnen heraus zu holen. Es tut mir furchtbar leid, dass meine Arbeit so endet.“ Früher waren die Italiener zumindest Minimalisten, die oft genug Maximales herausholten. Diesmal genügte der Weltmeister von 2006 nicht einmal mehr minimalen Anforderungen bei seinen 45 Minuten lang durchwegs untauglichen Versuchen, aktiv am Erreichen des Achtelfinales zu arbeiten.

          De Rossis Fehlpass ermöglicht das 0:1

          Italien präsentierte sich am Donnerstagnachmittag im Ellis Park eine Halbzeit lang als Weltmeister der Armut: keine Phantasie, keine Qualität, keine Willenskraft schien mehr in dieser seit langem schwächsten Squadra Azzurra zu stecken. Gennaro Gattuso, vor vier Jahren noch der vielleicht weltbeste Abräumer auf der Sechserposition, wirkte wie eine schlechte Kopie des Bremer Altnationalspielers Torsten Frings; Kapitän Fabio Cannavaro erinnerte nur noch im Aussehen an den herausragenden Innenverteidiger der WM in Deutschland; Gianluca Zambrotta, auch er einst ein Champion, dilettierte auf der rechten Seite. Bis auf Torwart Marchetti und den quirligen Angreifer di Natale genügte kein Italiener den hohen Ansprüchen.

          Der Mann des Tages: Robert Vittek trifft zweimal
          Der Mann des Tages: Robert Vittek trifft zweimal : Bild: AFP

          Symptomatisch war deshalb das 1:0 für die Slowaken. De Rossi ermöglichte den Treffer des früheren Nürnberger Stürmers Robert Vittek durch einen abenteuerlichen Fehlpass. Kucka begriff ihn als Steilvorlage zum Glück, bediente Vittek, und gegen dessen platzierten Flachschuss von der Strafraumgrenze hatte Marchetti keine Abwehrchance. Die Slowakei, mit der vor diesem letzten Spieltag der Gruppe F vorher fast niemand gerechnet hatte, stand plötzlich auf Platz zwei der Tabelle und damit dicht vor dem Sprung in die Runde der letzten 16. Das Team von Trainer Vladimir Weiss hatte sich die Halbzeitführung dank guter Balleroberungen im Mittelfeld und der stärkeren Durchschlagskraft verdient.

          Skrtel rettet auf der Linie

          Italien dagegen musste auf eine zweite Halbzeit hoffen, die mit dem ersten Durchgang nicht vergleichbar sei. Schließlich hatte ihr fassungs- und reglos in der Mixed Zone verharrender Weltmeistertrainer Marcello Lippi vor dem Spiel nach zwei Unentschieden gegen Paraguay und Neuseeland die Wende zum Besseren verheißen. „Seien Sie nicht überrascht, wenn dieses Team plötzlich hervorragenden Fußball spielt und ins Rollen kommt.“ In der ersten Halbzeit überraschten die Italiener allerdings ausschließlich negativ.

          Lippi reagierte zur Pause und brachte in Quagliarella (anstelle von Gattuso) einen dritten Stürmer sowie in Maggio (für Criscito) einen neuen Außenverteidiger. Doch allein der Mann, der nach wochenlanger Wadenverletzung zehn Minuten später in das Team des ablösungsreifen Weltmeisters zurückkehrte, verkörperte Italiens letzte Hoffnung. Andrea Pirlos Comeback wurde von den Tifosi stürmisch begrüßt - und das nach einer vergleichsweise lausigen Saison, die der langhaarige Spielmacher des AC Mailand im schmalen Kreuz hat. Auch Pirlo war 2006 auf der Höhe seiner Schaffenskraft - es scheint schon eine Ewigkeit her.

          Dramatische Schlussphase

          Immerhin kam mit Pirlo ein Hauch von Struktur in das vorher ziellos anmutende Gekicke der Spieler vom Stiefel. Quagliarella bot sich eine große Chance, doch sein Schuss wurde von Skrtel auf der Linie abgeblockt (67.). Und dann schlug noch einmal Vittek (73.) mit seinem zweiten Tor des Tages und dem dritten im Turnier zu. Nach Hamsiks Vorlage kam Chiellini zu spät, nicht aber der Instinktfußballer Vittek, der den Ball im laufen mitnahm und lässig ins Tor schob.

          Damit hatte sich das Kapitel des unscheinbaren Weltmeisters bei diesen Titelkämpfen schon nach der Vorrunde erledigt, mochte auch Italien in der dramatischen Schlussphase durch di Natale (81.) auf 1:2 und durch Quagliarella (90.) nach Kopuneks 3:1 (89.) noch einmal Hoffnungen geschöpft haben. Nun also kann der 62 Jahre alte Lippi entweder seinen Ruhestand in Viareggio am Thyrrenischen Meer genießen oder noch ein paar Petrodollar mehr in Dubai verdienen. Nachfolger Cesare Prandelli muss wie sein französischer Kollege Laurent Blanc nach dieser für Italien blamablen WM ganz von vorn anfangen, damit die Squadra Azzurra irgendwann wieder mit maximalem Minimalistenfußball glänzt.

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