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2:2 bei Real Madrid : Özil trifft Dortmund spät

Die Erleichterung ist den Königlichen anzusehen: Real schafft dank Özil ein Remis gegen Dortmund Bild: REUTERS

Kurz vor Schluss trifft der frühere Schalker zum 2:2 für Real Madrid – für den deutschen Meister aber ist der Punktgewinn trotzdem ein großer Erfolg.

          3 Min.

          So mancher in Dortmund mag spitze Ohren bekommen haben bei dem, was José Mourinho zu Beginn der Woche über die Borussia gesagt hat. Wenn der BVB das Achtelfinale der Champions League erreicht, hatte der Trainer von Real Madrid behauptet, sei der deutsche Meister ein Kandidat für den Titel. Und nach allem, was man in Madrid so hörte, waren das weder Höflichkeitsfloskeln noch Psychospielchen des Portugiesen, sondern ehrliche Anerkennung der Dortmunder Leistung beim 2:1-Sieg im Hinspiel. Es war also einiges durcheinandergeraten in der Hierarchie in der Vorrundengruppe D. Und viel hätte am Dienstagabend nicht gefehlt, und die Borussia hätte das Kunststück eines Sieges gegen Madrid wiederholt und damit Teil eins des Mourinho-Satzes erfüllt. Erst kurz vor Ultimo rettete Mesut Özil mit einem direkt verwandelten Freistoß Real noch das 2:2 (89. Minute). Zuvor hatten Marco Reus (28.) und Mario Götze (45.) die Borussia zwei Mal in Führung gebracht, Pepe hatte für Real zum 1:1 ausgeglichen (34.).

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Grämen mussten sich die Dortmunder vielleicht über den unglücklichen Zeitpunkt des 2:2 und den damit aufgeschobenen Einzug ins Achtelfinale. Alles in allem aber durften die Borussen auch stolz sein auf einen mutigen und entschlossenen Auftritt, der Mourinhos Worte zu bestätigen schien. Während sich bei Real all der fußballerische Reichtum nur punktuell und nach langer Anlaufzeit zu einem wirkungsvollen Ganzen fügen wollte, zeigte sich die Borussia über weite Strecken aus einem Guss. Und mit Götze, Reus und Lewandowski besaßen sie die Könner für besondere Momente, der sich bei Real nicht einstellen wollte - bis zu Özils Treffer.

          Das ehrwürdige Santiago Bernabéu hatte mehr als nur einen leichten schwarzgelben Einschlag am Dienstag – der Dortmunder Anhang war mit einiger Wucht in Madrid präsent. Schon am Nachmittag hatten sich die Fans einem ebenso sonnigen wie stimmungsvollen Vorspiel in der Innenstadt hingegeben - das dann am Abend seine Fortsetzung finden sollte. Wuchtig begannen zuerst einmal jedoch die Madrilenen. Nicht, dass die Dortmunder überrascht gewesen wären. Linksverteidiger Schmelzer hatte die allgemeine Erwartung auf den Punkt gebracht, als er sagte, Real werde die Borussia „überrennen“ wollen. Und entsprechend offensiv ließ Mourinho sein Team auch zu Werke gehen: mit Modric als Ersatz des verletzten Khedira – und einer der imposanten Mittelfeldreihe mit di María, Özil und Ronaldo. Aber dass nach nur 80 Sekunden der Borussen-Torhüter Weidenfeller in höchster Not vor Higuaín klären musste, konnte nicht im Dortmunder Sinne sein.

          Kehl mit Gesichtsmaske

          Klopp hatte die Elf aufs Feld geschickt, die auch beim 0:0 gegen Stuttgart begonnen hatte. Kapitän Kehl, der sich in Stuttgart einen Nasenbeinbruch zugezogen hatte, ließ sich das Erlebnis Real nicht nehmen – er spielte mit Gesichtsmaske. Und nach dem ersten Schreck sortierte sich die Borussia schnell. Mit viel Aufwand hielt sie die Künstler in Weiß von der gefährlichen Zone vor dem Strafraum fern. So durfte das Publikum manchen erhabenen Distanzpass der Königlichen mit Raunen quittieren - Gefahr für das Dortmunder Tor entstand daraus zunächst nicht. Da wirkte es schon griffiger, was die Borussia anzubieten hatte. Gute Schussgelegenheiten für Schmelzer und Großkreutz waren das Resultat eines schneidigen Offensivspiels, an dem meist Lewandowski in zentraler Rolle beteiligt war. So auch nach einer knappen halben Stunde, als er mit Köpfchen Reus auf die Reise schickte - und der den Ball mit rechts an Casillas vorbei ins Tor drosch.

          Enges Spiel: Reals Ramos und Borussias Großkreutz (l.) Kopf an Kopf Bilderstrecke
          Enges Spiel: Reals Ramos und Borussias Großkreutz (l.) Kopf an Kopf :

          So schön diese Führung herausgespielt war, so schnell war sie wieder dahin. Und unnötig obendrein. Einmal klärten die Dortmunder nicht entschlossen genug, schon hatte Özil Platz zum Flanken - und den heranstürmenden Pepe hatte offenbar keiner der BVB-Verteidiger auf der Rechnung. Die Schlusspointe einer Halbzeit voller Verve und Klasse hatte jedoch die Borussia parat. Wieder verlängerte Lewandowski per Kopf, diesmal nahm Großkreutz auf und besaß das Auge für Götze - ein Lupfer über Casillas, bei dem Arbeloa wohl ein wenig half, schon lag die Borussia wieder vorn.

          Nach der Pause wurde der Druck freilich größer, Real wehrte sich gegen die drohende Schmach. Vor allem der eingewechselte Callejón stellte die Dortmunder Defensive binnen weniger Minuten vor mehr Probleme, als der fahrige Ronaldo das in der ganzen ersten Hälfte vermocht hatte. Nach 80 Minuten war es dann doch der Portugiese, der beinahe für den Ausgleich gesorgt hätte. Doch Weidenfeller brachte noch seinen Fuß dazwischen. Noch näher war dann Callejón am Torerfolg. Seinen Versuch klärte Großkreutz auf der Linie. Es schien gerade so zu reichen für die Borussia. Doch dann nahm Özil aus gut 20 Metern Maß - und traf.

          Real Madrid - Borussia Dortmund 2:2 (1:2)

          Real Madrid: Casillas - Sergio Ramos, Varane, Pepe, Arbeloa (77. Kaká) - Modric (46. Essien), Xabi Alonso - Di Maria, Özil, Cristiano Ronaldo - Higuaín (46. Callejón)
          Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan (80. Perisic), Kehl - Reus (74. Bender), Götze (90.+1 Leitner), Großkreutz - Lewandowski
          Schiedsrichter: Cakir (Türkei)
          Zuschauer: 74 932
          Tore: 0:1 Reus (28.), 1:1 Pepe (34.), 1:2 Götze (45.), 2:2 Özil (89.)
          Gelbe Karten: - / Großkreutz, Hummels

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