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2:1 gegen Valencia : Bayern legen Final-Trauma „ad acta“

Leichtfertig verschossener Elfmeter: Mandzukic scheitert vom Punkt Bild: dapd

Valencia war der Endspielgegner beim letzten Champions-League-Sieg der Bayern. Nun gelingt wie den beiden anderen deutschen Vertretern auch den Bayern ein Auftaktsieg. Nur vom Elfmeterpunkt aus hapert es abermals - auch das im Gleichschritt mit Schalke und Dortmund.

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          Genau vier Monate nach der schmerzlichsten Niederlage der Vereinsgeschichte hat der FC Bayern sich mit altem, ungebrochenem Selbstbewusstsein und neuer, weiter gewachsener spielerischer Klasse gezeigt. Mit einem überlegenen 2:1-Sieg gegen den FC Valencia vor 68.000 Zuschauern im heimischen Stadion startete der deutsche Rekordmeister am Mittwoch wie schon Schalke und Dortmund am Dienstag in die neue Champions-League-Saison, in der Kapitän Philipp Lahm sein Team nach zwei verlorenen Finals in den letzten drei Jahren als „einen der großen Favoriten“ sieht. „So bitter das Ende war, so schön ist die Champions League“, sagte Lahm vor dem Spiel, in dem die Bayern dann tatsächlich bewiesen, dass sie die Finalniederlage gegen Chelsea im eigenen Stadion „ad acta legen“ würden, wie Trainer Jupp Heynckes prophezeit hatte.

          Kroos ist der beste Bayer

          Die Führung erzielte Bastian Schweinsteiger in der 38. Minute, womit der wieder frisch aufspielende Mittelfeldstar in nur vier Spielen in Bundesliga und Champions League bereits drei Tore geschossen hat - so viele wie in der letzten Saison in 31 Partien. Der beste Bayern-Spieler, Toni Kroos, beseitigte alle Restzweifel in der 76. Minute mit einem herrlichen Treffer in den Torwinkel.

          Valencias Anschlusstreffer fiel genauso überflüssig wie spät. Der ehemalige Bundesliga-Profi Nelson Valdez traf in der zweiten Minute der Nachspielzeit. Mario Mandzukic vergab danach sogar noch die Chance zur Ergebnis-Verbesserung. Der neue Torjäger verschoss aber einen von Rami an Robben verursachten Strafstoß - vom Elfmeterpunkt aus hapert es also weiterhin für die Bayern, die gegen Chelsea eben aus dieser Entfernung ihr „Trauma dahoam“ erlebt hatten. Somit verschossen die Bayern wie schon die beiden anderen deutschen Königsklassen-Vertreter Dortmund und Schalke ohne allzu bittere Folgen einen Strafstoß. „Es war ein Geduldsspiel“, sagte Trainer Heynckes. „Valencia hat auf Konter gespielt, hatte aber fast keine Torchance. Die Schlussphase muss man kritisch sehen. Das darf einer Mannschaft wie der unseren nicht passieren.“

          Pure Erleichterung: Bastian Schweinsteiger erzielt das 1:0 beim Sieg seiner Bayern gegen Valencia
          Pure Erleichterung: Bastian Schweinsteiger erzielt das 1:0 beim Sieg seiner Bayern gegen Valencia : Champions League: Bayern besiegt Valencia Bild: dpa

          Heynckes hatte sich vor der Partie ein zweites Mal das 1:1 von Valencia bei Real Madrid angeschaut und danach befunden: „Ich kenne Valencia in- und auswendig.“ So fand er auch von Beginn an die Mittel, um seine Mannschaft richtig auf das nach Barcelona und Real Madrid stärkste Team der spanischen Liga einzustellen. Überraschend verzichtete er in der Startelf auf die beiden besten Offensiv-Bayern der letzten Wochen, Thomas Müller und Mario Mandzukic, brachte dafür Claudio Pizarro in der Sturmspitze und Kroos in der Position dahinter, und beide setzten der kompakten Defensive der Spanier von Beginn an mit geschickten Bewegungen und feiner Technik zu.

          Nach vier Minuten flitzte Franck Ribery davon, flankte flach hinein, Pizarro ließ den Ball nach hinten prallen, und aus zehn Metern setzte Kroos den ersten Torschuss noch etwas zu hoch an. Besser zielte er, diesmal mit links aus knapp zwanzig Metern, in der 19. Minute, doch Torwart Diego Alves parierte im Flug.

          Pellegrinos Albtraum

          Die Bayern waren während der gesamten, einseitigen ersten Halbzeit das deutlich bessere Team, doch taten sie sich nicht leicht, klare Chancen herauszuarbeiten gegen die kompakt organisierte Defensive von Valencia, das nicht einmal in den ersten 45 Minuten einen überzeugenden Angriff zustande brachte. 66 Prozent Ballbesitz der Bayern zeugten von der alten van-Gaal-Schule, doch ein Durchkommen gab es erst durch die modernere Art des Fußballs, das sogenannte Umschaltspiel, die Blitzattacke nach Einkreisen des Gegners und Abluchsen des Balles.

          Schweinsteiger, der deutlich von der Absicherung durch seinen neuen und erstmals von Beginn an spielenden Mittelfeldpartner Javi Martinez profitierte, gewann grätschend den Ball knapp hinter der Mittellinie, und von da an ging alles zu schnell für die Spanier: Ribery jagte durchs Mittelfeld, fand Arjen Robben am Strafraum, der den Ball weiterlegte auf den mitgespurteten Schweinsteiger. Dessen leicht abgefälschter Flachschuss besiegelte die hochverdiente 1:0-Führung. Mauricio Pellegrino, im Champions-League-Endspiel 2001 gegen die Bayern der Schütze des letzten, von Oliver Kahn gehaltenen Valencia-Elfmeters und inzwischen vom Verteidiger zum Trainer des Vereins geworden, hatte den Bayern vor der Partie „Respekt vor einem der besten Teams Europas und der Welt“ gezollt.

          Auch nach der Pause, als Müller für Ribery kam, änderte sich an dem Respekt und der Rollenverteilung nichts. Am auffälligsten blieb Kroos, der in der 53. Minute im Strafraum zu Fall kam, ohne einen Elfmeter zu erhalten, und in der 58. mit einem wuchtigen 18-Meter-Schuss an Alves scheiterte.

          In der 68. Minute zeigten sich die Spanier erstmals gefährlich vor dem Bayern-Tor, als Sofiane Feghouli Dante überlief, aber aus spitzem Winkel zu eigensinnig den Abschluss suchte. Mehr ließen die Bayern zunächst aber nicht zu. Sie hielten Tempo und Konzentration hoch - und Kroos brachte mit seinem feinen Vollspannschuss aus 17 Metern endgültige Sicherheit. Anders als vor vier Monaten hat sich der FC Bayern einen hoch verdienten Sieg diesmal nicht mehr nehmen lassen, obwohl eine Nachlässigkeit noch zum Anschlusstreffer von Valencia durch Valdez führte.

          Bayern München - FC Valencia 2:1 (1:0)

          München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Badstuber - Martinez (69. Luiz Gustavo), Schweinsteiger - Robben, Toni Kroos, Ribery (46. Thomas Müller) - Pizarro (63. Mandzukic). - Trainer: Heynckes
          Valencia: Alves - Pereira, Ricardo Costa, Rami, Cissokho - Parejo, Costa - Feghouli, Guardado (71. Viera) - Jonas (63. Valdez), Soldado (88. Barragan). - Trainer: Pellegrino
          Schiedsrichter: Firat Aydinus (Türkei) Tore: 1:0 Schweinsteiger (38.), 2:0 Toni Kroos (76.), 2:1 Valdez (90.+1)
          Zuschauer: 68.000 (ausverkauft)
          Gelb-Rote Karten: Rami wegen wiederholten Foulspiels (90.+3)
          Gelbe Karten: - Ricardo Costa, Costa Bes. Vorkommnis: Alves hält Foulelfmeter von Mandzukic (90.+4)

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