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2:1 gegen „Team USA“ : Ghana hält Afrika weiter im Spiel bei der WM

Mann des Abends: Asamoah Gyan trifft für Ghana in der Verlängerung zum Sieg Bild: dpa

Der gastgebende Kontinent hat weiter ein Eisen im Feuer. Ghana besiegt die Amerikaner mit 2:1 nach Verlängerung. Boateng bringt die Afrikaner in Führung, Donovan gleicht aus. Gyan schießt Ghana ins Viertelfinale gegen Uruguay.

          Afrika ist bei dieser Weltmeisterschaft weiter im Spiel. Ein sehenswerter Treffer von Asamoah Gyan in der dritten Minute der Verlängerung bescherte Ghana am Samstagabend einen 2:1-Sieg gegen die Vereinigten Staaten und damit die Qualifikation für das Viertelfinale. Nach dem Ausscheiden der übrigen fünf afrikanischen Mannschaften sind die „Black Stars“ damit weiter die große Hoffnung des Kontinents bei diesem Turnier. „Ich bin der glücklichste Mann der Welt. Ich danke Gott dafür. Wir haben ganz Afrika stolz gemacht“, sagte Siegtorschütze Gyan.

          Und auch ein gebürtiger Berliner steuerte im Royal-Bafokeng-Stadion von Rustenburg einen erheblichen Teil dazu bei. Kevin-Prince Boateng hatte Ghana in der 5. Minute mit seinem ersten Länderspieltor in Führung gebracht. Für die Amerikaner glich Landon Donovan später per Foulelfmeter aus (62.). Im Viertelfinale trifft Ghana am Freitag in Johannesburg auf Uruguay, das sich am Nachmittag mit einem 2:1-Sieg gegen die Südkoreaner durchgesetzt hatte. „Das ist so frustrierend, denn wir haben viel investiert. Fußball ist manchmal ein grausames Spiel“, sagte Donovan.

          So enttäuschend dieses Turnier aus sportlicher Sicht für Afrika insgesamt verläuft - für die Ghanaer ist es jetzt schon ihr bestes WM-Ergebnis überhaupt. Bei ihrer ersten Teilnahme vor vier Jahren waren sie im Achtelfinale gegen Brasilien ausgeschieden. Der Abend in Rustenburg hätte für Ghana kaum besser beginnen können. Eine energische Balleroberung im Mittelfeld, schon war der Weg frei für Boateng, der ungestört bis zur Strafraumlinie laufen konnte.

          Torschützen unter sich: Kevin-Prince Boateng (r.) und Asamoah Gyan

          Boateng: „Wir spielen ab jetzt für ganz Afrika“

          Mit dem linken Fuß zog er ab, unten links ging der Ball ins Netz. Und so, wie der Mann, auf dessen Trikot nur „Prince“ steht, jubelte, musste es eine Befreiung für ihn gewesen sein. Eine Menge Druck lastet auf ihm, seit er zum Vertreter des verletzten Michael Essien auserkoren wurde. Und es ist ohne Frage ein ausgezeichnetes Turnier, dass Boateng bislang spielt. Mit seiner Präsenz und Übersicht im Mittelfeld ist er der Chef im ghanaischen Team.

          „Wir spielen ab jetzt für ganz Afrika“, hatte Boateng gesagt, nachdem sich Südafrika, die Elfenbeinküste, Kamerun, Nigeria und Algerien aus dem Turnier verabschiedet hatten. Doch nicht allen im Team schien es wohl zu sein beim Gedanken an diese exklusive Rolle - schließlich konnte sie sich auch als schwere Bürde erweisen. „Es ist nicht einfach, wenn ein ganzer Kontinent auf eine Mannschaft hofft“, hatte Hans Sarpei von Bayer Leverkusen gesagt.

          Die frühe Führung half jedoch, die Beine und Gedanken zu lockern. Die Ghanaer hatten das Spiel zunächst im Griff, auch wenn es bis auf einen Freistoß von Gyan nicht zu weiteren großen Chancen reichte. Die Amerikaner hatten große Mühe, überhaupt Zugriff auf diese Partie zu bekommen. Nach einer halben Stunde wechselte Trainer Bradley schon zum ersten Mal, Edu kam für Clark. Der Profi von Eintracht Frankfurt hatte vor Boatengs Treffer den Ball leichtfertig verloren und später auch noch Gelb gesehen.

          Ghana rettet sich in die Verlängerung - und siegt

          Kurz nach diesem Wechsel hatte Findley die erste exzellente Gelegenheit, doch Kingson, der ghanaische Torwart, zeigte seine erste von vielen guten Reaktionen an diesem Abend. Direkt nach der Pause war es dann der eingewechselte Feilhaber, der aus kurzer Distanz in Kingson seinen Meister fand. Es war offensichtlich, dass die Amerikaner sich einiges vorgenommen hatten. Sie investierten endlich mehr, während Ghana sich weitgehend auf Verwaltungsarbeit beschränkte.

          Der Ausgleich durch Donovans Elfmetertor (nach einem Foul von Jonathan Mensah an Dempsey) gab die veränderten Kräfteverhältnisse angemessen wieder. Nach 76 Minuten hätte Altidore die Amerikaner in Führung bringen können, aber auch er scheiterte an Kingson. Für Ghana sah es nun nicht gut aus, zumal Boateng wegen einer Verletzung aus dem Spiel musste, Appiah kam für ihn. Gerade noch so retteten sich die Ghanaer in die Verlängerung. Für die hatte sich einer noch etwas ganz Besonderes aufgehoben: Gyans dritter Turniertreffer war zugleich der afrikanische Glücksmoment des Abends. „Wir haben Geschichte geschrieben“, sagte Kapitän John Mensah.

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