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2:1 gegen St. Pauli : FSV Frankfurt im Höhenflug

  • -Aktualisiert am

Kämpfer, selbst in der Freude: Edmond Kapllani (hinten) mit Odise Roshi Bild: dpa

Wer hätte das gedacht vor Saisonbeginn? Nach dem 2:1 gegen St. Pauli und dem 100. Heimsieg in der 2. Liga steht der FSV Frankfurt zumindest für eine Nacht auf einem Aufstiegsplatz.

          3 Min.

          Vier Minuten vor dem Abpfiff des Zweitliga-Spiels gegen den FC St. Pauli setzte sich Edmond Kapllani auf die Bank und trat mit seinem Fuß energisch auf den Boden. War der Bornheimer Fußballstürmer etwa unzufrieden nach seiner Auswechslung? Mit seinem Siegtreffer (63. Minute) zum 2:1 hatte der Torjäger doch seine Schuldigkeit getan. Außerdem war es am Freitagabend ein besonderer Erfolg, schließlich feierte der FSV seinen 100. Heimsieg der Zweitliga-Geschichte. „Bei uns geht es stetig berghoch“, sagte Kapitän Björn Schlicke nach einer munteren Begegnung mit vielen Torchancen. Durch ihren vierten Saisonsieg rückten die weiter ungeschlagenen Hessen auf den zweiten Tabellenplatz vor. Trotzdem sagte Schlicke: „Wir schauen ein bisschen nach oben und ganz viel nach unten.“ Einziger Wermutstropfen: Rund 20 Minuten vor dem Ende fiel die Anzeigetafel aus. Auf ihr standen zuvor auch der Torschütze zum 1:0 (7.), der FSV-Profi Odise Roshi, sowie der Hamburger Daniel Ginczek, der den Ausgleich zum 1:1 (58.) erzielte.

          Auf der Innenverteidigerposition gab es beim FSV eine kleine Überraschung. An der Seite von Schlicke spielte Gledson - und nicht Tim Heubach. Das habe etwas „mit dem Gesamtpaket und der Historie“ zu tun, sagte Sportchef Uwe Stöver. Schlicke und Gledson waren unantastbar, bevor der Brasilianer wegen Meniskusproblemen länger ausfiel. Der im Sommer aus der Gladbacher Regionalligamannschaft gekommene Heubach nutzte dann seine Chance und agierte in den meisten Spielen erstaunlich abgeklärt. Insofern dürfte ihn die Entscheidung von Trainer Benno Möhlmann getroffen haben. Doch Stöver sagte: „Jetzt haben wir den von uns gewünschten Konkurrenzkampf.“

          Anders als beim 2:2 in Cottbus kam diesmal Roshi auf der linken Mittelfeldseite zum Einsatz. Dafür rückte Moise Bambara in die Mitte, und Marc Heitmeier musste auf die Bank. Über die Außenbahnen versuchte der FSV vor der zweithöchsten Zweitliga-Zuschauerkulisse von 8850 zum Erfolg zu kommen. Die siebte Minute war dann die Minute von Roshi: Mit viel Selbstbewusstsein und einem sehenswerten Distanzschuss brachte der albanische Nationalspieler die Frankfurter 1:0 in Führung.

          Das Ziel heißt Klassenverbleib

          Es war ein Blitzstart, der St. Pauli aber nicht schockte. In der 13. Minute machte FSV-Torhüter Patric Klandt im letzten Moment einen Rückzieher, als Ginczek frei vor ihm auftauchte. Ansonsten hätte Klandt wohl die Rote Karte bekommen. Fünf Minuten später hatte der Torwart Glück, als Ginczek mit seinem Schuss nur den linken Pfosten traf. Für ihre Passivität wären die Hessen beinahe bestraft worden. „Wir haben ein bisschen den Gang herausgenommen und den Gegner zu zwei guten Möglichkeiten eingeladen“, sagte Stöver. Entlastung kam im eigenen Stadion zumindest von Roshi. Nach einem Sprint am Gegner vorbei erreichte seine Flanke aber keinen Mitspieler. Die Führung wurde schmeichelhaft - auch weil Fin Bartels die nächste große Chance (27.) für die Hamburger vergab. Und es ging munter weiter: Zehn Minuten vor der Pause konnte Ginczek nach einem Alleingang abermals Klandt nicht überwinden. Das Abwehrverhalten der Frankfurter ließ zu wünschen übrig.

          „Wir müssen versuchen, das 2:0 nachzulegen und nicht das 1:0 zu verwalten“, sagte Stöver in der Halbzeitpause. Das sahen die Spieler offenbar ähnlich. Denn zunächst zwang Linksverteidiger Nils Teixeira Pauli-Torhüter Philipp Tschauner zu einer Parade, bevor Kapllani mit einem Kopfball aus aussichtsreicher Position erfolglos war.

          Die Hamburger knüpften auf der anderen Seite da an, wo sie aufgehört hatten: im Auslassen von Chancen. Kevin Schindler, Ginczek und Markus Thorandt trieben ihren Trainer André Schubert zur Verzweiflung. Wenigstens Ginczek machte etwas gut. Aus St.-Pauli-Sicht traf der Stürmer endlich zum 1:1 (58.). Nur fünf Minuten später lernten die Hamburger die unangenehme Seite des FSV kennen. Ecke Zafer Yelen, Kopfballtor von Kapllani: die Bornheimer sind für ihre Nadelstiche im richtigen Augenblick in der Liga bekannt. Anschließend wurden die Chancen auf beiden Seiten weniger, bis John Verhoek in der Schlussphase ein Treffer wegen Abseitsstellung aberkannt wurde. Kurz darauf fehlte noch dem eingewechselten Yannick Stark die Kaltschnäuzigkeit vor dem Hamburger Tor, was aber nicht mehr ins Gewicht fiel. „Wir haben mit diesem Saisonstart den Grundstock für unsere Zielsetzung gelegt“, sagte Möhlmann. Und die heißt Klassenverbleib - trotz Tabellenplatz zwei.

          FSV Frankfurt - FC St. Pauli 2:1 (1:0)

          FSV Frankfurt: Klandt - Huber, Schlicke, Gledson, Teixeira - Konrad - Bambara (85. Heitmeier), Roshi (64. Stark) - Görlitz, Yelen - Kapllani (86. Verhoek)
          FC St. Pauli: Tschauner - Avevor, Mohr, Thorandt, Kalla (51. Schachten) - Funk (78. Ebbers), Daube - Schindler, Buchtmann (71. Gogia), Bartels - Ginczek
          Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
          Zuschauer: 8 829
          Tore: 1:0 Roshi (7.), 1:1 Ginczek (58.), 2:1 Kapllani (62.)
          Gelbe Karten: Klandt (1) / Schachten (1)

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