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2:1 gegen Peru : Argentinien siegt - und bangt weiter

  • -Aktualisiert am

Bauchmensch: Diego Maradona jubelt Bild: dpa

Mit dem 2:1 gegen Peru in der Nach-Nachspielzeit bewahrt Martín Palermo Argentinien vor dem Aus in der WM-Qualifikation und wird von Fußballgott Maradona in den Heiligenstand erhoben. Das Schicksal der Mannschaft entscheidet sich im Spiel gegen den Erzrivalen Uruguay.

          Diego Maradona wollte das Glück gar nicht mehr loslassen: Minutenlang umarmte der argentinische Fußballgott den Helden des Abends und erhob ihn höchstpersönlich in den Stand himmlischer Mächte: „Das war ein Wunder mehr des heiligen Palermo“, lobte der Trainer der argentinischen Fußball-Nationalmannschaft den Schützen des Siegtreffers im dramatischen Duell der südamerikanischen WM-Qualifikation gegen Peru. Dabei hatte wenige Sekunden vor dem Abpfiff noch alles danach ausgesehen, als würden die über Buenos Aires wütenden Orkanböen auch gleich den bis dato glücklosen Maradona aus dem Stadion „Monumental“ hinausfegen.

          Doch dann kam der Augenblick des 35 Jahre alten „San Palermo“: Nach einem Eckball war der Routinier in der 93. Minute zur Stelle, um aus kurzer Distanz den Ball über die Linie zu spitzeln. Ausgerechnet dieser Martin Palermo, der vor mehr als zehn Jahren bei der Copa America in Paraguay in einer Vorrundenpartie gegen Kolumbien drei Elfmeter in einem Spiel vergab und sich damit für lange Zeit aus der Nationalmannschaft verabschieden musste.

          „Ich kann nicht fassen, dass mir der Fußball nach zehn Jahren diese Möglichkeit geschenkt hat“, stammelte der Torjäger des Hauptstadtklubs Boca Juniors überglücklich in die Mikrofone und hatte dabei Tränen des Glücks in den Augen. Dabei hatte „El Loco“ (Der Verrückte), wie die Fans den mit Abstand beliebtesten in Argentinien spielenden Profi rufen, in einigen heimischen Fußball-Magazinen kurz zuvor den ersten Teil seiner Biographie veröffentlicht. Nun wird er wohl doch noch einmal ein spektakuläres Kapitel hinzufügen müssen.

          Erlösung im Regen: Martin Palermo erhält den Argentiniern die Hoffnung auf die WM-Teilnahme

          Lähmendes Entsetzen nach dem Ausgleich

          Nicht nur deshalb wird die Schlussphase dieser Partie in die argentinische Fußball-Geschichte eingehen: Nach dem Einbruch eines Unwetters mit heftigen Windböen und peitschendem Regen ging es auch auf dem Platz turbulent zu. Zuvor hatte Länderspiel-Debütant Gonzalo Higuain von Real Madrid unmittelbar nach der Halbzeitpause das 1:0 (47.) für Argentinien erzielt. Der Stürmer nutzte im Stadion seines Heimatklubs River Plate die Bewährungschance, die ihm Maradona bislang trotz 22 Liga-Toren in der vergangenen Saison der spanischen Primera Division verwehrt hatte.

          Doch als der eingewechselte Hernan Rengifo (90.) das 1:1 erzielte, machte sich lähmendes Entsetzen breit im Stadion. Maradona, längst bis auf die Haut durchnässt, blickt immer wieder deprimiert zu Boden - das argentinische Aus in der WM-Qualifikation schien kaum zu noch zu verhindern. Doch Schiedsrichter Ortube verlängerte die Nachspielzeit noch einmal um zwei weitere Minuten, weil die Peruaner den Ausgleichstreffer viel zu lange gefeiert hatten.

          Argentinien warf noch einmal alles nach vorne, bis Palermo in der linken Strafraumhälfte im Rücken der peruanischen Abwehr zur Stelle war und die Gunst des Augenblicks nutzte. Maradona, der trotz Übergewichts zu einem „Diver“ in bester Jürgen-Klinsmann-Manier ansetzte und erst nach zehn Metern bäuchlings rutschend auf dem regennassen Boden wieder zum Stillstand kam - beanspruchte anschließend diesen magischen Moment für sich: „Ich habe Martin gesagt, dass er diese Geschichte lösen soll wie schon so viele andere.“

          „Martin hat uns ein weiteres Leben geschenkt“

          Doch fast hätte diese Dramatik noch eine weitere Steigerung erfahren: Während sich die argentinischen Spieler noch siegestrunken in der 95. Minute in der eigenen Hälfte zu formieren versuchten, zog Hernan Rengifo gleich nach Wiederanstoß vom Mittelkreis ab. Der heftige Wind trieb den Ball vor sich her und nur eine artistische Rettungsaktion von Sergio Romero im Tor, der das Leder gerade noch soeben an die Latte lenkte, verhinderte den Ausgleich der Peruaner. Der anschließende Schlusspfiff ging im Jubel unter, während sich Diego Maradona auf die Suche machte, in der Spielertraube seinen persönlichen Helden zu finden und fortan nicht mehr loszulassen.

          Vergessen war da schon die über weite Strecken abermals erschreckend schwache Vorstellung der Argentinier, deren Spiel von der Angst vor dem ersten Scheitern in der südamerikanischen WM-Qualifikation seit 1970 gelähmt schien. Auch Maradona weiß, dass am Mittwoch eine deutliche Leistungssteigerung folgen muss, soll der einstweilen verhinderte GAU nicht doch noch Realität werden: „Martin hat uns ein weiteres Leben geschenkt, um das wir jetzt in Uruguay kämpfen müssen“, sagte Maradona in der für ihn typischen mythischen Sprache.

          Am letzten Spieltag reicht Argentinien (25 Punkte) im Nachbarschaftsduell in Uruguay (24) ein Remis für das Ticket nach Südafrika. Uruguay wahrte allerdings mit einem 2:1 in Ecuador ebenfalls seine Chancen. Bei einer Niederlage droht immer noch das WM-Aus, sollte Ecuador (23) beim bereits qualifizierten Chile gewinnen.

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