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2:1 gegen Österreich : Gomez besiegt seinen Fluch von Wien

Für dieses späte Glück gab er sein letztes Hemd: Mario Gomez feiert sich und seinen Siegtreffer Bild: dpa

Bei der EM 2008 ist er an gleicher Stelle ausgelacht worden, weil er eine Riesenchance gegen Österreich ausließ. Diesmal wird Mario Gomez beim glücklichen 2:1-Sieg mit zwei Toren zum Mann des Abends. Auch Arne Friedrich trifft: ins eigene Tor.

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          Mario Gomez hätte sich keinen schöneren Abend vorstellen können. Dem Schützenkönig der Bundesliga gelangen am Freitag gleich beide Treffer zum 2:1-Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Österreich. Es war aber auch in anderer Hinsicht ein doppeltes Glücksgefühl für den Münchner: Zum einen darf er damit das persönliche Trauma, das ihm ein Fehlschuss an gleicher Stelle vor knapp drei Jahren eingetragen hatte, als endgültig bewältigt betrachten - er zeigte es, indem er nach seinem Treffer zum 1:0 in der 44. Minute den Pfosten küsste. Zum anderen darf sich die deutsche Mannschaft nun fast schon sicher sein, im nächsten Jahr bei der Europameisterschaft in Polen und in der Ukraine dabei zu sein.

          Christian Kamp
          (camp.), Sport

          Dass es ein glücklicher Erfolg war gegen ein österreichisches Team, das voller Hingabe kämpfte und spielte, musste Bundestrainer Joachim Löw und sein Team an diesem atmosphärisch dichten Abend nicht mehr kümmern - in der Nachbetrachtung wird es jedoch gewiss zur Sprache kommen. Vor allem, dass sein Team es nicht schaffte, die individuelle Überlegenheit in Spielkontrolle umzumünzen.

          Die sonst so oft gezeigte kühle Klasse jedenfalls ging den Deutschen an diesem hitzigen Abend von Wien völlig ab. Erst Gomez zweiter Streich in der 90. Minute entschied das Duell zu Gunsten der Deutschen, die damit ihren sechsten Sieg im sechsten Spiel feierten. Der nächste Schritt zur EM soll am Dienstag in Baku gegen Aserbaidschan getan werden - dann gegen eine Mannschaft, die das DFB-Team nicht so fordern dürfte wie die Österreicher, die durch ein Eigentor von Arne Friedrich zum zwischenzeitlichen Ausgleich kamen (50.).

          Einfangen und gratulieren: Die Kollegen holen ihren Torschützen ein
          Einfangen und gratulieren: Die Kollegen holen ihren Torschützen ein : Bild: REUTERS

          Nicht ohne Sorgen ins vorletzte Saisonspiel gegangen

          Man konnte zu Beginn nicht sagen, dass beide Teams Zeit verschwendeten beim Bemühen, Zugriff auf dieses Spiel zu bekommen. Im Gegenteil: Höchst rasant und abwechslungsreich ging es zu in der ersten halben Stunde. Und auch wenn Löw prophezeit hatte, dass dieser Klassiker unter Nachbarn wohl „kein Leckerbissen“ werden würde - die 47.500 Zuschauer im ausverkauften Ernst-Happel-Stadion hatten gewiss das Gefühl, auf ihre Kosten zu kommen, egal, mit wem sie es hielten. Harnik verpasste mit einem Kopfball nach vier Minuten nur um Zentimeter die Führung für Österreich, für Deutschland hatten Gomez und Podolski, der aus 20 Metern die Latte traf, vielversprechende Gelegenheiten.

          Die deutsche Mannschaft war nicht ohne Sorgen in ihr vorletztes Saisonspiel gegangen. Mertesacker, Schweinsteiger, Klose, Reus, Träsch, Sven Bender - das war die stattliche Liste der Profis, die dem Bundestrainer in den vergangenen Tagen und Wochen abhanden gekommen waren. Sami Khedira immerhin meldete sich im letzten Moment fit für den Einsatz; zusammen mit Toni Kroos bildete er die „Doppel-Sechs“ im Zentrum des deutschen Spiels. Nicht nur in dieser Hinsicht bewies Löw Mut. Auch die Dortmunder Marcel Schmelzer und Mats Hummels, die beide bislang nur in Testspielen zum Einsatz gekommen waren, standen in der Startelf.

          Ein Herausforderer, der voll auf der Höhe war

          Wer in der ersten Hälfte die Mannschaft mit spielerischem Übergewicht war, ließ sich leicht sagen: das waren, wie zu erwarten, die deutsche Elf, die weit mehr Ballbesitz hatte und vor allem über Kroos und Podolski Signale der Stärke setzte. Aber besser? Das war sie damit nicht unbedingt. Die Österreicher waren von ihrem Teamchef Constantini glänzend eingestellt. Tief zurückgezogen warteten sie auf günstige Gelegenheiten, den Deutschen den Ball abzujagen. Und wenn es so weit war, ging es mit Höchstgeschwindigkeit ab nach vorn. Vor allem die aus der Bundesliga gut bekannten Fuchs, Alaba, Harnik und Hoffer taten sich im Offensivspiel mit Selbstvertrauen und Tempo hervor.

          Löw mochte Österreich „wie einen angeschlagenen Boxer“ erwartet haben, weil es für den Nachbarn die praktisch letzte Chance war, noch einmal in das Rennen um die Qualifikationsplätze einzugreifen. Tatsächlich präsentierten sie sich jedoch als Herausforderer, der voll auf der Höhe war. An Einsatz und Leidenschaft mangelte es der DFB-Elf nicht, wohl aber an Präzision und der Fähigkeit, das Spiel in kontrollierte Bahnen zu lenken. Nach 41 Minuten durften sie froh sein, nicht in Rückstand zu geraten. Abermals waren es nur Zentimeter, die fehlten, als Hoffer die bis dahin beste Chance der Österreicher besaß.

          Nach der Pause war Österreich am Zug

          Umso bitterer müssen es die Gastgeber empfunden haben, dass kurz darauf Deutschland vorn lag. Zumal Gomez, der Torschütze, auch Glück hatte, als er nach einem Eckstoß an den Ball kam und ihn aus kurzer Distanz über die Linie beförderte. Bei der EM 2008 hatte er, ebenfalls gegen Österreich, aus ähnlicher Position eine Luftnummer produziert, die ihm das Publikum bis heute krumm nimmt - das dürfte nun jedoch vorbei sein.

          Nach der Pause hätte Gomez sogar erhöhen können, doch das wäre des Guten dann doch etwas zu viel gewesen. Nun war Österreich am Zug: Alaba, in der Bundesliga für Hoffenheim am Ball, war auf links von Lahm reichlich allein gelassen; seine scharfe Hereingabe lenkte Friedrich am chancenlosen Neuer vorbei ins eigene Tor. Das deutsche Team probierte es nun mit etwas weniger Tempo, das gewünschte Ergebnis aber blieb aus. Löw brachte erst Schürrle für Podolski, dann Badstuber für Khedira - doch Österreich war in der zweiten Hälfte die bessere und gefährlichere Mannschaft. Sie hatte aber keinen wie Mario Gomez.

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