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DFB-Team bucht EM-Ticket : Erst Kruse beruhigt die deutschen Nerven

Der Weg führt nach Frankreich: Eine Glanzleistung zeigte das DFB-Team aber nicht. Bild: Reuters

Durch einen 2:1-Sieg über Georgien bucht das DFB-Team das Ticket für die EM 2016 in Frankreich. Doch die Art und Weise ist kein Ruhmesblatt. Der Auftritt des Weltmeisters missfällt auch den Fans.

          Man kann es sich leicht machen oder umständlich. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hält es zurzeit bevorzugt mit letzterer Variante. Sicher, am Ende stand die erfüllte Pflicht am Sonntagabend: das Ticket für die Europameisterschaft im nächsten Jahr in Frankreich ist gelöst. Doch die Art und Weise, wie das geschah beim 2:1-Sieg gegen Georgien, der zugleich den Gruppensieg bedeutete, war kein Ruhmesblatt für Joachim Löw und sein Team.

          Im Gegenteil, der Auftritt des Weltmeisters missfiel dem Publikum in Leipzig mit zunehmender Spieldauer immer mehr. Am Anfang hatte es noch recht flott ausgesehen, wie die Deutschen kombinierten und sich viele gute Chancen erspielten. Doch weil sie sich mal wieder mit dem eigentlichen Ziel des Spiels schwertaten, dem Toreschießen, gerieten sie in eine Situation, die sich wohl niemand hätte vorstellen können: Dass sie zwischenzeitlich sogar ein wenig bangen mussten und sich bei Torwart Manuel Neuer bedanken konnten, dass es nicht schlimmer kam.

          Machen Sie bitte ein Gesicht zur Chancenverwertung! Bundestrainer Joachim Löw. Bilderstrecke

          Thomas Müller brachte die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes kurz nach der Pause mit einem Foulelfmeter in Führung (50. Minute), Jaba Kankawa glich für Georgien aus (53.). Erst der eingewechselte Max Kruse beruhigte mit seinem Treffer zum 2:1 (79.) die deutschen Nerven. Es war der insgesamt enttäuschende Schlusspunkt unter eine Qualifikation, die zwar nicht umstandslos verlief, alles in allem aber doch unangefochten gemeistert wurde. „Das ist nicht unser Standard, wie wir gespielt haben“, sagte Löw im TV-Sender RTL. „Wir können heute das gleiche Lied singen wie gegen Irland.“

          Nach den – verständlichen – Anlaufschwierigkeiten nach der WM fand die Mannschaft zunächst recht schnell einen Modus, in dem sich die Aufgaben ohne größere Schwierigkeiten bewältigen ließen. Dass dann der erste richtige Aussetzer, das 0:1 am Donnerstag in Dublin, noch einmal für ein wenig ungewollten Aufschub auf dem Weg nach Frankreich sorgte, war eigentlich nichts, was Löw und sein Team grundsätzlich beunruhigen musste.

          Es war aber eine Warnung – und warf noch einmal ein Schlaglicht auf ein deutsches Defizit, das sich „wie ein roter Faden durch die gesamte Qualifikation zog“, wie der Bundestrainer in Leipzig beklagte: die Effizienz. Sechs Großchancen, so rechnete es Löw vor dem Georgien-Spiel aus der Statistik vor, benötige sein Team für ein Tor. An dieser Quote, betonte er, gelte es mit Blick auf Frankreich dringend zu arbeiten.

          Wenn er schon gegen Georgien Besserung erwartet hatte, sah er sich getäuscht. Löw hatte bis zum Spieltag gehofft, dass er vielleicht Bastian Schweinsteiger würde einsetzen können. Doch dann verhinderten die Adduktorenprobleme des Kapitäns wie schon in Dublin eine Wettkampfbetätigung. Zu ersetzen hatte der Bundestrainer außerdem Mario Götze – die Rolle fiel dem Mann zu, der das auch schon am Donnerstag versucht hatte: André Schürrle.

          Für die Ausrichtung des Spiels besaßen diese Personalien keine besondere Bedeutung. Die Deutschen begannen das Spiel wie nicht anders zu erwarten: mit viel Dominanz und dem eindeutigen Bemühen, ein möglichst frühes Tor zu erzielen, um nicht wieder Frust aufkommen zu lassen – so hatte Löw die Gefahr beschrieben. An Gelegenheiten dafür mangelte es nicht. Allein Marco Reus hatte in der ersten Hälfte vier gute Chancen, doch meist er fand im georgischen Torwart Rewischwili seinen Meister – einmal, bei der besten, zielte er zu hoch.

          Es gab noch andere Angriffe, die im Ansatz Erfolg versprachen, doch irgendwie war es dann doch nicht zielführend, was die Deutschen machten. Teils, weil sie es schlichtweg übertrieben mit Ballstafetten, die einfach kein Ziel und kein Ende finden wollten. Teils, weil sie im Abschluss nicht die Schärfe besaßen, um aus etlichen guten Schussgelegenheiten Zählbares zu machen. In der 27. Minute brauchte es dann schon eine erste sehr gute Tat von Neuer, um bei einem Schuss von Okriaschwili die georgische Führung zu verhindern.

          Nach der Pause schien dann schnell alles geklärt: als Kankawa am Strafraumeck Özil von den Beinen holte, und Müller den Elfmeter sicher verwandelte. Doch im Grunde begann von da an eine zittrige Phase, in der plötzlich die Georgier ihre Chance witterten. Auch nach dem Ausgleich durch Kankawa tauchten sie ein, zwei Mal gefährlich vor dem deutschen Tor auf, und es bedurfte wieder eines hellwachen Neuer, um Schlimmeres zu verhindern. Kruse stellte die Sache dann aus deutscher Sicht noch richtig.

          Aber alles in allem war das letzte Spiel in der Qualifikationsrunde eben eine perfekte Illustration dessen, worüber der Bundestrainer vorher referiert hatte – nur genau anders, als er sich das vorgestellt hatte. Das Thema Effizienz, daran besteht kein Zweifel, wird also in allen Facetten zu bearbeiten sein bis zum Turnier, das am 10. Juni kommenden Jahres beginnt und genau einen Monat später mit dem Finale in Paris endet. So, wie sie sich zuletzt präsentierte, hat die deutsche Mannschaft in jedem Fall das Zeug, in Frankreich eine Attraktion zu sein – mit der Gefahr allerdings, dass das schöne Spiel am Ende nicht unbedingt das erfolgreiche sein muss.

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