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2:1 gegen Barcelona : Arsenal genügen zwei geniale Momente

Doppelt hält besser: Arschawin schießt Arsenal zum Sieg, Bendtner (l.) jubelt mit Bild: AFP

Lange beherrscht das katalanische Ensemble Ball und Gegner im Londoner Emirates Stadium. Doch van Persie und Arschawin gewinnen für den FC Arsenal gegen den FC Barcelona das Achtelfinal-Hinspiel, das hielt, was die Namen versprachen. Rom unterliegt Donezk.

          „Es war eine ganz besondere Fußballnacht“, jubelte Arsène Wenger. „Ich bin begeistert.“ Den Trainer des FC Arsenal entzückte nach dem 2:1-Sieg über den Favoriten FC Barcelona im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League nicht nur das Ergebnis. Auch der Stil tat es, mit dem sein Team ihn erzielt hatte. „Ich bin sehr stolz, weil uns jeder dazu drängte, anders zu spielen, als es unserer Natur entspricht“, sagte Wenger.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Dass sie es nicht taten und trotzdem gewannen, „stärkt den Glauben an unsere Spielphilosophie“. Und den Glauben daran, im Rückspiel im Camp Nou ebenfalls bestehen zu können. Vor einem Jahr verlor Arsenal, nach einem 2:2 im Hinspiel, dort mit 1:4, und „Barcelona ist immer noch der Favorit“, räumte Wenger ein. „Aber wir wissen nun, dass wir sie schlagen können. Letztes Jahr wussten wir das nicht.“

          Für Cesc Fábregas, den Spielmacher von Arsenal, der aus Barcelona stammt und dort gemeinsam mit Lionel Messi in der Jugendakademie „La Masía”spielte, war es ein Sieg nicht nur gegen die beste Mannschaft der Welt, sondern gegen „die beste, die es in der Fußballgeschichte je gab“. Aber Arsenal zeigte, dass auch Barca 2011, der mögliche Jahrhundertjahrgang, schlagbar ist. Und dass das nicht nur durch das Anrühren von Beton geht, wie es Inter Mailand in der letzten Saison tat, sondern durch die Mischung aus defensiver Disziplin mit Kombinations- und Tempofußball - und einer ordentlichen Portion Glück.

          Es kommt noch besser: Erstmal bejubeln Wenger und sein Torschütze van Persie den Ausgleich

          629 komplettierte Pässe gegenüber 299

          Denn Barca war an diesem prickelnden Europapokalabend in London die bessere Mannschaft, nahm aber nach der Führung durch David Villa nach Zuspiel von Messi (26. Minute) im Laufe der Partie mehr und mehr eine Art spielerische Schonhaltung ein, so als werde das zweite Tor von allein fallen, und wenn nicht - na wenn schon, wir sind Barcelona. Weil Arsenal aber diesmal, anders als vor einem Jahr, auf die endlosen Ballstafetten eingestellt war und dabei weder Geduld noch Ordnung verlor, kreiselte Barcelona in der zweiten Halbzeit ohne letzte Torgefahr durch die gegnerische Hälfte.

          Die 629 komplettierten Pässe gegenüber 299 von Arsenal drückten jene Art Überlegenheit aus, die man „optisch“ nennt - und die für Barcelona zur optischen Täuschung wurde. „Zwanzig Minuten lang konnten wir ihnen den Ball kaum einmal abnehmen“, sagte Wenger. „Wir wussten, dass das passieren würde. Wir mussten unsere defensive Ordnung halten, Druck auf sie ausüben und sie mit Kontern erwischen. Genau das taten wir und erzielten so zwei großartige Tore in der zweiten Halbzeit.“

          Messi ohne Fortune

          Robin van Persie, der bis dahin glücklose Torjäger, überraschte Torwart Victor Valdéz nach 78 Minuten mit einem harten Flachschuss aus spitzem Winkel. Und fünf Minuten später lösten der 19 Jahre alte Jack Wilshere, der über die gesamten neunzig Minuten die Aufgabe im Spielzentrum gegen die Weltstars Xavi und Iniesta mit Bravour bestand, und Spielmacher Fabregas eine Drucksituation am eigenen Strafraum in solch einem Tempo in einen Konter auf, dass die katalanische Defensive sich noch in Einzelteilen befand, als der eingewechselte Andrej Arschawin mit einem Direktschuss das Siegtor erzielte. „Gegen Barcelona bist du immer am Rande des Zusammenbruchs“, sagte Wenger. „Wenn du mental nur ein wenig nachgibst, wirst du bestraft.“

          Arsenal tat es nicht, dennoch wäre all das nicht genug gewesen, hätte Lionel Messi einen solchen Tag erwischt wie im Viertelfinal-Rückspiel vor einem Jahr, als er alle vier Tore erzielte. Oder auch nur einen Durchschnittstag. Doch diesmal verstanden es die Engländer, die Vorstöße des Argentiniers immer wieder zu blocken. Und wenn er dann doch nicht zu halten war, wie zweimal in der ersten Halbzeit, ging Messi mit seinen Großchancen ungewohnt unkonzentriert um. „Sehr schade“ fand das Trainer Pep Guardiola. „Wir waren die bessere Mannschaft“, sagte Stürmer Villa. „Aber wir haben noch neunzig Minuten, um uns zu retten.“

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