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2:0 in Tiflis : Geduldig gegen Georgien

Müller und Reus treffen Götze freut sich mit Bild: Reuters

Ein Sieg zur Beruhigung der Lage: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gewinnt hochüberlegen in Georgien, wenn auch ohne den letzten Kick. Reus und Müller schießen die Tore zum 2:0-Erfolg.

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          Der letzte georgische Angriff kam spät, und er kam heimtückisch. Das Spiel war schon abgepfiffen, als sich ein „Flitzer“, der sechste des Abends, André Schürrle von hinten näherte. Doch kurz bevor es zum Kontakt mit dem deutschen Nationalspieler kam, holte ein Ordner mit wuchtigem Körpereinsatz den Störenfried von den Beinen. Unerlaubtes Betreten des Spielfeldes war so etwas wie die georgische Spezialdisziplin am Sonntagabend im Nationalstadion von Tiflis. Zur allgemeinen Erheiterung trug das durchaus bei – wenngleich Joachim Löw später ziemlich harsche Worte für diese Neigung fand. In allen fußballrelevanten Kriterien aber hatte sein Team ja eindeutig die Nase vorn, so dass am Ende ein ungefährdeter, zugleich aber gewiss auch wohltuender 2:0-Sieg heraussprang.

          Nach einer Reihe von unbefriedigenden Auftritten, die den Weltmeister doch etwas an Statur hatten verlieren lassen, vertrieb Joachim Löws Team seine Sorgen mit einer konzentrierten und auch engagierten Leistung. Dank der drei Punkte, die zwei der Tagesbesten, Marco Reus (39.) und Thomas Müller (44.), mit ihren Treffern sicherstellten, dürfen sich die Deutschen nach dem mühsamen Qualifikationsauftakt nun wieder klar auf Kurs Europameisterschaft fühlen. „Wenn man vor dem Spiel auf die Tabelle geschaut hat“, sagte Bundestrainer Löw nach dem Spiel, „war ein gewisser Ernst zu erkennen.“ Das hat sich zur Freude des Bundestrainers erledigt. Löw zeigte sich hochzufrieden mit dem Spiel seiner Mannschaft, vor allem in der ersten Hälfte. Eine Meinung, der sich auch die Spieler anschlossen. „Es war ein verdienter, kontrollierter und letztlich auch in der Tabelle wichtiger Sieg“, sagte Mats Hummels. Mit der Beruhigung der Situation dürfte nun auch der Boden bereitet sein für die Weiterentwicklung des Teams, die Löw mit Blick auf die zweite Jahreshälfte und das neue Jahr anstrebt.

          Nach allen Debatten um die richtige Formation, vor allem in der Abwehr, lagen in Tiflis all jene richtig, die sich für den konservativen Tipp entschieden hatten: 4-2-3-1 lauteten Löws Glückszahlen. Eine Rückkehr zum weltmeisterlich Bewährten also. Wobei das nicht unbedingt als Zeichen von Vorsicht oder gar Zurückhaltung zu verstehen war. Die Außenverteidiger, Sebastian Rudy rechts und mehr noch Jonas Hector links, interpretierten ihre Rolle äußerst offensiv. Und natürlich hatte Löw auch sonst nicht an angriffslustigen Naturen gespart – im Vergleich zum Australien-Spiel waren diesmal auch Toni Kroos und Thomas Müller von Anfang an dabei. Gegen so viel deutsche Qualität waren die Georgier überfordert. Sie dürfen in dieser Qualifikationsgruppe auf kaum mehr als den vorletzten Platz hoffen: besser als Gibraltar zwar, aber nicht gut genug, um den Schotten oder Iren – und schon gar nicht den Polen – Konkurrenz zu machen.

          Die erste Halbzeit lief für die Deutschen zwar alles in allem nach Plan, aber doch auch eine ganze Weile nicht vollends nach deren Geschmack. Denn so überlegen sich Löws Team präsentierte, und so flott mancher Angriff durchkombiniert wurde, in Sachen Effizienz blieben doch noch einige Wünsche offen.

          Gelegenheit hätte es genug gegeben, das Spiel noch ein bisschen früher in ruhigere Bahnen zu lenken. Aber für den letzten Kick reichte es zunächst nicht. Mit der Spielanlage hatte das nichts zu tun, die Deutschen kamen schnell auf Touren, und die Georgier hatten ihre liebe Müh und Not, den deutschen Positionswechseln und dem direkten Passspiel einigermaßen zu folgen. Gefährlich wurde es meist dann, wenn Müller beteiligt war. Der Münchner schafft es unter den deutschen Offensivvirtuosen einfach am besten, Kreativität und Klarheit zu verbinden. Nach seinem Zuspiel scheiterte Reus an der Latte (4.), Müller selbst verfehlte nach einer Eckball-Variante nur äußerst knapp das Ziel (12.). Auch Reus gab sich früh als (an-)treibende Kraft zu erkennen. Etwas zäh ließ es sich hingegen aus der Zentrale heraus an. Mesut Özil schien die Reihe seiner fehlerhaft-glücklosen Auftritte fortzusetzen, und auch Mario Götze, der anders als gegen Australien als alleinige Spitze aufgeboten war, hatte zu Beginn nicht die perfekte Bindung.

          Die deutsche Führung durch Reus entsprang dann aber ausgerechnet einer Ko-Produktion dieser beiden – und fortan waren auch Özil und Götze relevante Faktoren im deutschen Offensivspiel. Bis dahin waren die Georgier zwar zu keiner echten Torchance gekommen, ihre einzige Spitze, Mchedlidse, war bei Boateng und Hummels gut aufgehoben. Aber hundertprozentig sicher durfte sich Löws Team eben auch nicht fühlen. Die Führung, das war im Stadion zu spüren, beraubte die Georgier dann weitgehend ihrer Illusionen. Das 2:0 durch einen leicht abgefälschten Schuss von Müller war fast die logische Folge.

          Nach der Pause ließen es die Deutschen dann etwas ruhiger angehen. Es war vielleicht sogar ein bisschen viel Laisser-faire, denn nun kamen die Georgier doch hin und wieder dem Tor von Manuel Neuer bedrohlich nah. Immerhin aber bemühte sich Löws Team im Spiel nach vorn weiter um den dritten Treffer. Am nächsten kam ihm Götze mit dem zweiten Lattentreffer des Tages (60.). Kurz vor Schluss brachte Löw noch Schürrle und Podolski für Götze und Müller – um noch etwas zu bewegen, war es diesmal aber schon zu spät.

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