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2:0 in Marseille : Den Bayern winkt das Halbfinale

Raus mit der Freude: Bayern-Stürmer Mario Gomez begeht mit dem Teamkollegen Ribéry seinen Führungstreffer zum 1:0 Bild: dpa

Durch zwei Treffer von Mario Gomez und Arjen Robben siegen die Münchner in der Champions League bei Olympique Marseille 2:0. Jetzt führt der Weg ins Heimfinale wohl über Madrid.

          2 Min.

          Nur ein Trip nach Madrid steht dem FC Bayern auf der weiten Reise zum Heimfinale der Champions League am 19. Mai noch im Weg - wenn nicht in den Rückspielen des Viertelfinals am Dienstag jede Fußballlogik noch außer Kraft gesetzt werden sollte.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Trotz einer vor allem in der ersten Halbzeit sehr dürftigen Leistung gewannen die Münchner am Mittwoch das Hinspiel bei Olympique Marseille, wobei sie sich vor allem auf ihren Torwart Manuel Neuer und ihre Torjäger Mario Gomez und Arjen Robben verlassen konnten. Gomez nutzte ein Torwartgeschenk in der 44. Minute zu seinem elften Treffer in der laufenden Champions-League-Saison, Robben entschied die Partie in der 69. Minute.

          Trainer Jupp Heynckes hatte trotz der zuletzt schwachen Form des Neunten der französischen Liga vor dem Gegner gewarnt: „Marseille hat in der Gruppenphase zweimal Borussia Dortmund geschlagen und Inter Mailand aus dem Wettbewerb gekegelt. Wir nehmen den Gegner sehr ernst.“ Und beides, Siege gegen Dortmund und ein Weiterkommen gegen Inter, ist den Bayern seit geraumer Zeit nicht mehr gelungen.

          Auch Franck Ribéry, der 2007 aus Marseille zu den Bayern gekommen war, hatte den Kollegen einen heißen Empfang durch die südfranzösischen Fans angekündigt - und bekam ihn dann selber. Der Flügelspieler wurde bei jedem Ballkontakt gellend ausgepfiffen und fand nie zu gewohnter Form.

          Und das Team von Marseille, das mit einer erst am vergangenen Samstag zu Ende gegangenen Serie von sieben Niederlagen die eigenen Fans gegen sich aufgebracht hatte (es gab riesige Transparente mit Aufforderungen wie „Schämt euch“ oder „Haut ab“), suchte mit munterem Offensivspiel Wiedergutmachung beim Publikum. Schon nach sechs Minuten hätte das beinahe zum Führungstor geführt. Nach einer Ecke kam Stéphane Mbia frei zum Kopfball, Neuer wehrte mit Mühe ab und wäre dann machtlos gewesen, doch Loic Rémy traf im Nachschuss aus drei Metern nur den Außenpfosten.

          Den einzigen schönen Angriff krönt er mit dem Tor zum 2:0: Arjen Robben

          Die Bayern bemühten sich im Mittelfeld, ihren überlegenen Ballbesitz in Torgefahr umzusetzen, doch das geriet meist viel zu umständlich. Die Franzosen waren in der gesamten ersten Halbzeit gefährlicher, vor allem der quirlige Mathieu Valbuena, gegen den sich Toni Kroos mit einer Attacke von hinten eine Gelbe Karte holte. Kapitän Philipp Lahm bekam, weil er dagegen protestierte, auch eine. Und hatte dann, drei Minuten vor der Pause, großes Glück, als er an der Außenlinie zu spät gegen Valbuena kam und den Stürmer umsenste. Der spanische Schiedsrichter Carlos Velasco Carballo drückte mehr als ein Auge zu und ersparte Lahm einen durchaus möglichen Platzverweis - so wie in der zweiten Halbzeit auch Mbia nach einem Ellbogenschlag gegen Gomez.

          Ein Schuss, ein Treffer

          Eine Minute vor der Pause gewann Lahm den Ball gegen Valbuena, und wieder war der Schiedsrichter auf seiner Seite, denn diesmal war die Hand im Spiel. Der Pfiff blieb aus, und so gelang der erste schnelle Bayern-Angriff im ganzen Spiel. Gomez schoss aus 18 Metern genau auf Elinton Andrade, und der Dritt-Schlussmann von Marseille, der Nationaltorwart Steve Mandanda vertrat und dem man die Nervosität in seinem ersten Saisonspiel bis dahin selbst bei harmlosen Rückpässen angesehen hatte, ließ den Ball, der genau auf ihn zuflog, über die Hände rutschen. Es war, eine Minute vor der Pause, der erste Schuss der Bayern aufs gegnerische Tor, es war kein guter Schuss, aber es war das 0:1 - man kann das Effizienz nennen.

          Marseille sieht Rot: München trifft in Tor

          Auch nach der Pause steigerte sich die Qualität des Offensivspiels der Bayern zunächst nicht. Erst nach 59 Minuten gelang der zweite Schuss aufs Tor, wieder durch Gomez nach Zuspiel Müllers, doch diesmal war Andrade mit dem Fuß zur Stelle. Im Gegenzug luchste Rémy dem letzten Bayern-Abwehrspieler Jerome Boateng den Ball ab, aber Neuer, der mit Abstand beste Münchner in einem uninspirierten Team, zeigte sich auch in dieser Szene aufmerksam.

          Erst in der 69. Minute gelang dem deutschen Rekordmeister der erste Beweis gewohnter Spielkunst. Robben spielte Doppelpass mit Müller und schlenzte den Ball aus halbrechter Position ins lange Eck. Darauf machte Müller Platz für den Rekonvaleszenten Bastian Schweinsteiger, der aber nur noch mit einer Aktion auffiel - einer Gelben Karte, mit der er für das Rückspiel gesperrt ist. Die Bayern werden ihn dann wohl auch nicht brauchen.

          Olympique Marseille - Bayern München 0:2 (0:1)

          Olympique Marseille: Andrade - Azpilicueta, Fanni, N’Koulou, Morel - Diarra (71. Cheyrou), Mbia - Amalfitano (68. Brandão), Valbuena, André Ayew - Rémy
          Bayern München: Neuer - Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba - Luiz Gustavo, Kroos (63. Timoschtschuk) - Robben, Müller (71. Schweinsteiger), Ribéry (78. Pranjic) - Gomez
          Schiedsrichter: Velasco (Spanien)
          Zuschauer: 31 683
          Tore: 0:1 Gomez (44.), 0:2 Robben (69.)
          Gelbe Karten: Diarra, Mbia / Alaba, Kroos, Lahm, Luiz Gustavo, Schweinsteiger

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