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2:0 gegen Mainz : Der nächste Kieler Streich

Der nächste Kieler Streich: Steve Müllers 2:0 gegen Mainz im 3d-Torvideo Bild: Impire AG

Nach Cottbus und Duisburg wirft Viertligaklub Kiel mit Mainz den nächsten Favoriten aus dem DFB-Pokal. Ein frühes Eigentor leitet das Aus des Bundesligavereins ein. Und Kiel behält eine blütenweiße Weste.

          2 Min.

          Immerhin blieb Trainer Thomas Tuchel eine Peinlichkeit erspart. Ein Spaßvogel hatte kurz vor der Pressekonferenz auf dem Namenschild des Mainzer Fußballlehrers mit einem Filzstift ein „Ex“ vor dem Wort „Trainer“ hinzugefügt. Gerade rechtzeitig bemerkte ein Mitarbeiter des Klubs die Fälschung.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Tuchel bleibt natürlich Trainer von Mainz 05, auch wenn er am Mittwochabend im Achtelfinale des DFB-Pokals beim 0:2 bei Holstein Kiel nach einem Eigentor von Anthony Ujah (6. Minute) und einem Treffer von Steve Müller (64.) die bitterste Niederlage in seinen zweieinhalb Jahren als FSV-Coach erlitten hat.

          Dabei hatte sein Team mit dem viertklassigen Gegner den vermeintlich leichtesten Gegner des DFB-Pokal-Achtelfinals gezogen. Und doch brachte die weitestmögliche Reise in der Runde der letzten 16 schon das Ende des offensiv geäußerten Traums vom ersten Erreichen eines Endspiels.

          „Ich habe schon viele solche Niederlagen bei unterklassigen Gegnern erlebt, aber das war immer in der ersten Runde“, sagte Manager Christian Heidel „Diese Niederlage heute ist viel bitterer, weil es ums Viertelfinale ging und auch wirtschaftlich eine Riesenchance für den Klub vergeben wurde. Manche waren vielleicht schon in Gedanken im Flieger in den Urlaub, dann verliert man eben auch bei unterklassigen Gegnern.“

          Der Kieler Steve Müller macht die Überraschung mit seinem Tor zum 2:0 perfekt
          Der Kieler Steve Müller macht die Überraschung mit seinem Tor zum 2:0 perfekt : F.A.Z.-Spezial: DFB-Pokal-Achtelfinale Bild: dpa

          Mainz 05 hat damit abermals eine Negativbestmarke aufgestellt: Im Sommer war der Klub als erster deutscher Europapokalteilnehmer bereits in der Qualifikation zur Europa League gescheitert, nun war die Elf aus Rheinhessen der geschlagene Nebendarsteller in der Heldengeschichte des ersten Viertligaklubs seit 2001, der es bis in Viertelfinale des DFB-Pokals geschafft hat.

          „Die Hinrunde geht so zu Ende, wie sie für uns in Medias angefangen hat“, sagte Kapitän Nikolce Noveski. Sein Trainer sah Kiel derweil als verdienten Sieger an, weil seine Mannschaft zu keinem Zeitpunkt Torgefahr habe herstellen können. „Ich wusste nicht, wer und wie wir hätten treffen sollen“, sagte Tuchel.

          Kieler Pokal-Helden: Mit Mainz wird der nächste Favorit ausgeschaltet
          Kieler Pokal-Helden: Mit Mainz wird der nächste Favorit ausgeschaltet : Bild: dpa

          So kehrt Holstein Kiel, in der Frühzeit des organisierten deutschen Fußballs 1912 nach einem Endspielsieg gegen den Karlsruher FV Meister, nach Jahrzehnten in den Niederungen im Viertelfinale erstmals wieder auf eine richtig große Fußballbühne zurück.

          Den Weg dorthin ebnete indes ein Gegner: Anthony Ujah lenkte den Ball nach nur fünf Minuten nach einem Eckball von Tim Siedschlag derart unerwartet per Kopf in Richtung des eigenen Tores, dass der im Pokal für Stammtorwart Christian Wetklo eingesetzte Heinz Müller chancenlos war.

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          Im Pokal gibt es nicht immer englischen Rasen, gerade nicht kurz vor Weihnachten : Bild: dpa

          Auch danach war auf dem schwer zu bespielenden Rasen nie auch nur ansatzweise zu sehen, dass der Bundesliga-Vierzehnte im Ligaalltag drei Klassen höher als der Gegner agiert. Stattdessen war das spielentscheidende 2:0 durch Steve Müller nach gut einer Stunde lange überfällig. „Wir haben die Bedingungen angenommen und auch auf dem schlechten Platz guten Fußball gespielt“, sagte Torschütze Müller.

          Mit dem Sieg ohne Gegentor ist Holstein Kiel nach einem 3:0 gegen Cottbus in Runde eins und einem 2:0-Sieg gegen den MSV Duisburg nun das Kunststück gelungen, mit blütenweißer Weste ins Viertelfinale eingezogen zu sein. „Ich hoffe nun aber, dass die Siegesfeier nicht so wild wird, dass morgen bei der offiziellen Weihnachtsfeier einige Spieler fehlen werden“, sagte Trainer Thorsten Gutzeit. Solche Sorgen hätte Mainz 05 vermutlich gerne.

          Holstein Kiel - FSV Mainz 05 2:0 (1:0)

          Holstein Kiel: Jensen - Herrmann, Berzel, Jürgensen, Poggenberg - Sykora, Müller - Siedschlag, Kazior (90. Schulz), Lindner (90.+1 Wetter) - Heider
          FSV Mainz 05: Heinz Müller - Pospech, Bungert, Noveski, Fathi (46. Schönheim) - Kirchhoff - Baumgartlinger (63. Allagui), Soto - Nicolai Müller - Gavranovic, Ujah (68. Choupo-Moting)
          Schiedsrichter: Perl (Pullach)
          Zuschauer: 10.649
          Tore: 1:0 Ujah (6./Eigentor), 2:0 Müller (64.)
          Gelbe Karten: Heider / -

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