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2:0 gegen Juventus Turin : Ein großer Münchner Schritt Richtung London

Das Glück der frühen Führung: Alaba mit verklärtem Blick Bild: REUTERS

Bayern München schlägt Juventus Turin im Viertelfinal-Hinspiel der Champions-League 2:0. Alaba und Müller treffen für die überlegenen Münchner.

          3 Min.

          Uli Hoeneß lässt keinen Zweifel daran, dass der FC Bayern in dieser Saison nur mit dem Besten zufrieden ist: „Wir wollen die Champions League gewinnen“, hatte der Präsident vor dem Viertelfinale gegen Juventus Turin verkündet. Am Dienstagabend ist der beste deutsche Klub auf dem Weg zum Finale in London einen großen Schritt weiter gekommen. Durch Tore von David Alaba, der bereits in der 1. Minute traf, und Thomas Müller (63.) gewannen die Bayern vor 68.000 Zuschauern in der Münchner Arena das Hinspiel gegen Juventus 2:0 und gehen nun mit einer glänzenden Ausgangslage in das Rückspiel am kommenden Mittwoch in Turin.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Es hatte nur 27 Sekunden gedauert, bis die Partystimmung vom Samstag, vom 9:2 gegen den Hamburger SV, wieder da war in der Arena. Ein Tor wie aus dem Nichts, begünstigt durch die Schläfrigkeit der beiden großen Altstars von Juventus, der Weltmeister von 2006 Andrea Pirlo und Gianluigi Buffon. Unter dem Druck des ersten zarten Pressings der Bayern unterlief Pirlo in der eigenen Hälfte ein Fehlpass auf Bastian Schweinsteiger. Von ihm kam der Ball zu David Alaba, und der 21-jährige Österreicher tat, was Fußballer mit dem schönen Begriff „einfach mal draufhalten“ umschreiben. Er schoss aus dreißig Metern, ein sehr optimistisches Unterfangen gegen einen mehrfachen „Welttorhüter“. Doch von Arturo Vidal leicht abgefälscht und zweifach aufsetzend, erwischte Alabas Schuss den noch indisponierten Torwart Buffon auf dem falschen Fuß und landete im rechten unteren Eck. Es war das erste Gegentor für Juventus in der Champions League seit 491 Spielminuten.

          Buffon am Boden, Ball im Netz: was für ein Auftakt
          Buffon am Boden, Ball im Netz: was für ein Auftakt : Bild: REUTERS

          Wie hatten die meisten Bayern-Profis noch am Samstag gesagt? Juve, hatten sie abgewiegelt, sei „nicht der HSV“. Und sie behielten Recht. Die Abwehr der Hamburger hatte fünf Minuten gehalten, die der Turiner nicht mal eine halbe Minute. Dann aber zeigten sich mehr und mehr doch gewisse Qualitätsunterschiede zwischen den üblichen Münchner Bundesligagästen und dem Besuch aus Italien. Juventus übernahm nun für rund eine Viertelstunde die Spielkontrolle und kam dem Ziel mit einem Pirlo-Freistoß und einem scharfen Vidal-Schuss nahe. Dann musste Toni Kroos verletzt aus dem Spiel - ein Muskelbündelriss in den Adduktoren, eine Verletzung, die das Ende der Saison bedeuten könnte für den Nationalspieler.

          Für ihn kam Arjen Robben, der die rechte Seite von dem nun in die Mitte rückenden Thomas Müller übernahm, und dieser Wechsel gab dem Spiel eine neue Wendung. Der Holländer brachte einen Energiestoß in das etwas eingelullte, bis dahin allzu passive Bayern-Spiel. Gleich danach, in der 18. Minute, zeigte die italienische Abwehr ihre erste Unsicherheit, sie bekam den Ball nicht weg, ließ ihn zu Robben prallen, der aus zehn Metern direkt abzog. Doch diesmal zeigte Buffon eine starke Parade. Zwei Minuten später eroberte Mario Mandzukic den Ball nach einem zu lässigen Pirlo-Pass, und Franck Ribéry kam zu einem Schuss, der um Zentimeter vorbei ging. Das frühe, freche Angreifen der Bayern behagte den Piemontesen nicht, allerdings entzogen sie sich dem Druck meist dann doch erfolgreich mit einer fast phlegmatischen Ballsicherheit an der messerscharfen Grenze zwischen Eleganz und Arroganz.

          Vor dem 2:0 stand Müller richtig!
          Vor dem 2:0 stand Müller richtig! : Bild: dpa

          Dynamik kam nun aber fast nur noch von den Bayern, und das immer wieder über die rechte Seite. Müller drang dort durch, spielte einen Rückpass perfekt in den Lauf von Robben, der aus zwölf Metern das einladend breite Tor nicht traf - die beste Chance zum 2:0 in der ersten Halbzeit. Mandzukic verpasste kurz darauf nach einem flachen Ribéry-Zuspiel hart bedrängt aus kurzer Distanz. Unmittelbar vor der Pause brachten die Italiener ihre meist gut getarnte Torgefahr in Erinnerung, bei einem Eckball, zuletzt die Schwachstelle der Bayern. Diesmal ging es glimpflich ab - Alessandro Matris Kopfball flog aufs Tornetz.

          Nach der Pause versuchte es Alaba gleich noch einmal mit dem Erfolgsrezept der ersten Minute - er gab aus größerer Distanz einen Aufsetzer ab, aber diesmal war es ein Freistoß, niemand fälschte ab, und Buffon zeigte sich auf dem Posten. Doch dann zeigte die italienische Torwartlegende abermals entscheidende Schwäche. Luiz Gustavo drehte aus 18 Metern einen Schlenzer mit dem linken Fuß Richtung linkes Eck, weder sonderlich präzise noch druckvoll, so dass Buffon rechtzeitig an den Ball kam. Doch er schaffte es nicht, ihn weit genug zur Seite oder ins Tor-Aus zu lenken. Die Kugel fiel wenige Meter neben dem Tor Mandzukic vor die Füße, und der Kroate hatte die Übersicht, den Ball querzulegen auf Müller, der ihn aus weniger als einem Meter ins Tor prallen lassen konnte.

          Hand drauf: Müller und Schweinsteiger auf dem Weg in die nächste Runde
          Hand drauf: Müller und Schweinsteiger auf dem Weg in die nächste Runde : Bild: dpa

          Die Turiner wirkten gegen bissige, schnelle Münchner nun immer pomadiger, mit Ausnahme des giftigen Arturo Vidal, den sein Übereifer aber eine Gelbe Karte und damit die Teilnahme am Rückspiel in Turin am nächsten Mittwoch kostete. In der 69. Minute forderte der Chilene Manuel Neuer zweimal mit wuchtigen Schüssen, doch der Bayern-Torwart ließ sich nicht in Schwierigkeiten bringen - so wenig wie der gesamte FC Bayern.

          Bayern München - Juventus Turin 2:0 (1:0)

          Bayern München: Neuer - Lahm, van Buyten, Dante, Alaba - Luiz Gustavo, Schweinsteiger - Müller, Kroos (16. Robben), Ribéry (90.+3 Shaqiri) - Mandzukic (90.+1 Gomez)
          Juventus Turin: Buffon - Barzagli, Bonucci, Chiellini - Lichtsteiner, Vidal, Pirlo, Marchisio, Peluso (75. Pogba) - Matri (65. Vucinic), Quagliarella (65. Giovinco)
          Schiedsrichter: Clattenburg (England)
          Zuschauer: 68 000 (ausverkauft)
          Tore: 1:0 Alaba (1.), 2:0 Müller (63.)
          Gelbe Karten: Luiz Gustavo, Mandzukic / Chiellini, Lichtsteiner, Vidal

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