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2:0 gegen Honduras : Spaniens Villa trifft - und trübt seine Leistung

Mann des Abends - in vielerlei Hinsicht: David Villa Bild: dpa

Der Europameister kann es doch: Nach der Niederlage gegen die Schweiz besiegt Spanien Honduras mit 2:0. David Villa erzielt die Tore - und vergibt einen Elfmeter. Ein Nasenstüber des Stürmers könnte ein Nachspiel haben.

          Zu portugiesischen Verhältnissen reichte es für die Spanier nicht. Die sieben Tore, die der Nachbar am Nachmittag gegen Nordkorea erzielt hatte, blieben eine unerreichte Marke am Montag. Eine Demonstration der Überlegenheit war der spanische 2:0-Sieg am Abend gegen Honduras aber schon. David Villa (17. und 51. Minute) erzielte vor 54.390 Zuschauern im Ellis Park von Johannesburg beide Tore für das Team von Vicente del Bosque. „Wir hätten heute höher gewinnen können. Aber alles, was zählte, war der Sieg. Und das wird auch gegen Chile so sein“, sagte der Trainer.

          Mit den Treffern zum 2:0-Sieg brachte Torjäger Villa den Europameister nach dem verpatzten Start gegen die Schweiz (0:1) wieder in eine hoffnungsvolle Position in der Vorrundengruppe H. Hinter Tabellenführer Chile (6 Punkte) gehen Spanien und die Schweiz mit jeweils drei Punkten in den letzten Spieltag. Am Freitag dann hat Spanien im direkten Duell gegen Chile gewiss die schwerere Aufgabe als die Schweiz, die auf Honduras trifft. Mit einem Sieg wären die Spanier sicher in der nächsten Runde, mit weniger sollten sie sich aber nicht zufriedengeben.

          Der Erfolg gegen die in jeder Hinsicht überforderten Honduraner sagte wenig aus über die Aussichten in diesem Endspiel. Dass das flotte Kombinationsspiel diesmal auch von Toren gekrönt war, könnte aber allemal für ein Gefühl der Befreiung bei den Spaniern gesorgt haben. Natürlich hätten es nach portugiesischem Vorbild gerne noch ein paar mehr sein dürfen. Dazu aber hätte es etwas mehr Konzentration im Abschluss bedurft. Villa leistete sich nach 62 Minuten sogar den Luxus, einen Foulelfmeter neben das Tor zu schießen.

          Der Torjäger auf dem Weg zum spanischen Führungstreffer

          Spanien will sich nicht viel Zeit lassen bis zum ersten Tor

          Für die Spanier war die Lage durchaus ein bisschen ungemütlich. Das 0:1 gegen die Schweiz hatte den Mitfavoriten auf den WM-Titel früh in Bedrängnis gebracht. Nur ein Sieg gegen Honduras zählte im Rennen um die beiden Achtelfinalplätze. Die gute Nachricht war, dass sich Fernando Torres nach seiner Knieoperation im April bereit für die Startelf meldete. Und natürlich setzte Trainer del Bosque den Angreifer vom FC Liverpool von Beginn an ein, nachdem es mit dem Toreschießen nicht hatte klappen wollen gegen die Schweiz.

          Es war den Spaniern anzumerken, dass sie sich mit dem ersten Turniertreffer nicht allzu viel Zeit lassen wollten. Sofort spannten die Männer in Rot ihr Netz über den Platz und ließen die Bälle wie am Faden gezogen laufen. Dass Andres Iniesta wegen einer Oberschenkelblessur geschont werden musste - gegen diesen Gegner war das kein ernstes Handicap. Xavi hatte im Mittelfeld auch so alles im Griff. Fünf Minuten dauerte es, bis Torres seine erste große Chance hatte, doch er erwischte aus kurzer Distanz den Ball nicht richtig.

          Nach sieben Minuten arbeitete Villa umso präziser, aus 25 Metern traf er die Latte des Tores. Die Spanier versuchten es aus allen Lagen, den Erfolg brachte dann aber eine schöne Einzelleistung von Villa. Auf der linken Seite zog er mit Tempo und Technik an drei Verteidigern vorbei, im Fallen schlenzte er den Ball mit rechts ins Tor. Die Honduraner hatten sich vor dem Spiel durchaus zuversichtlich gegeben. Ihren Mut schöpften sie nicht nur aus der Gegenwart - dem Schweizer Überraschungssieg gegen Spanien -, sondern ein bisschen auch aus der Vergangenheit. Bei der WM 1982 hatten sie gegen Gastgeber Spanien ein 1:1 erreicht.

          Villa lässt sich zu Nasenstüber gegen Guevara hinreißen

          An diesem Abend aber, das war schnell klar, gab es wenig Hoffnung auf einen Lucky Punch. Im Gegenteil: Bis zur Pause war es einzig der spanischen Großzügigkeit im Umgang mit ihren Torchancen geschuldet, dass es nur 1:0 stand. Allein Torres hätte drei Treffer erzielen können, ihm fehlte nach der Verletzungspause noch ein bisschen die Selbstverständlichkeit in seinen Aktionen. Villa, sein Sturmpartner hatte damit keine Probleme, er war an diesem Abend der herausragende unter vielen guten Spaniern.

          Es trübte Leistung des Mannes vom FC Valencia indes ein wenig, dass er sich kurz vor der Pause zu einem Nasenstüber gegen Guevara hinreißen ließ. Es gab bei dieser WM schon Rot für geringere Vergehen. Nach der Partie spielte Villa das Unschuldslamm: „Das war ein Reflex. Ich wollte ihn eigentlich nur wegschubsen. Das war keine Absicht.“ So aber konnte die Villa-Show in der zweiten Hälfte ganz sportlich weitergehen, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Bei seinem Treffer zum 2:0 hatte der Schützenkönig der EM 2008 Glück, dass ein Abwehrbein seinen Schuss noch leicht abfälschte.

          Beim Elfmeter ließ er es allerdings etwas zu lässig angehen und setzte den Ball knapp neben den rechten Pfosten. Einen Vorwurf seiner Kollegen wird er sich nicht unbedingt anhören müssen. Gute Chancen gab es auch noch für andere. Alles vielleicht halb so wild, am Freitag werden sie dringender gebraucht. „Wir haben sogar noch Chancen ausgelassen und hätten noch mehr Tore schießen können“, sagte Villa. „Mit einem Sieg gegen Chile können wir jetzt sogar den Gruppensieg holen.“

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