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2:0 gegen Dänemark : Kein Anlass zu Arroganz für die Niederländer

Die Niederlande können jubeln - und Lars Jacobsen (r.) wundert sich über Poulsens unglückliches Eigentor Bild: dpa

Poulsens und Aggers kurioses Eigentor bringt die Mannschaft von Bert van Marwijk auf die Siegerstraße. Kurz vor Schluss trifft dann mit Kuyt auch ein Niederländer. Dänemark spielt zu ungefährlich.

          Die Andeutung ihrer Offensivkunst genügte den Niederländern zu einem vielversprechenden Start in die Weltmeisterschaft. Das 2:0 am Montag in Johannesburg gegen Dänemark war zwar von spielerischer Extraklasse noch ein gutes Stück entfernt. Aber hundert Prozent Holland waren auch gar nicht nötig gegen diese Dänen, die sich zwar eine Halbzeit lang erfolgreich um Widerstand mühten, im Spiel nach vorne allerdings nicht gerade ein Gegner zum Fürchten waren.

          Nur „hin und wieder“, sagte Bondscoach Bert van Marwijk, habe man gesehen, wie gut seine Niederländer Fußball spielen können. In Verbindung mit den Bankreserven, die ihm zur Verfügung stehen, ergaben sich aber auch für ihn verlockende Perspektiven bei dieser WM. Gegen Dänemark brachte der eingewechselte Eljero Elia vom Hamburger SV so viel Schwung, wie das nur wenige Spieler vermögen. Und dann ist da ja auch noch Arjen Robben, der wegen seiner Verletzung noch nicht, aber womöglich bald zur Verfügung steht. „Es ist gut, dass ich noch solche Waffen habe“, sagte van Marwijk. Wesley Sneijder, der zum Spieler des Spiels gewählt wurde, meinte: „Wir haben fantastische Spieler auf der Bank, die wirklich den Unterschied ausmachen können.“

          Ein bisschen Glück hatten die Niederländer aber auch nötig, um gegen die Dänen auf den rechten Weg zu geraten. Erst ein Eigentor von Daniel Agger, der von seinem Mitspieler Simon Poulsen in der 46. Minute angeköpft wurde, bescherte ihnen vor 83.460 Zuschauern im Soccer-City-Stadion die Führung, Dick Kuyt erhöhte kurz vor Schluss auf 2:0 (85.) und sorgte damit für eine exzellente Ausgangsposition in der Vorrundengruppe E mit Kamerun und Japan. „Die Niederländer sind vielleicht nicht der Topfavorit auf den Titel“, sagte auch der dänische Trainer Morten Olsen, „die Chance aber haben sie allemal“.

          Der vierte Mann: Der Däne Kjaer kann die niederländische Freude über Poulsens Eigentor nicht teilen

          Vorteil Holland, das ließ sich am Montag auch beim Blick auf die Tribünen sagen. Nicht nur, weil die niederländischen Fans in der Mehrheit waren - es waren bei Anpfiff noch einige Plätze leer in Soccer City, und die Sitze dort leuchten ebenfalls in hellem Oranje. Auf dem Platz war es zunächst ein stark taktisch geprägtes Spiel, in dem sich die Dänen eine Halbzeit lang als vorbildliche Strukturarbeiter erwiesen. Gegen ein Team mit der spielerischen Klasse der Holländer, das war ihnen klar, würden sie sonst allzu schnell in Schwierigkeiten kommen. So lief der Ball zwar zu Beginn recht ansehnlich in den holländischen Reihen, in echte Nöte brachte das die Dänen aber nicht. Erst, als Kjaer sich einmal aus der Viererkette locken ließ, kam van der Vaart frei zum Schuss, sein Versuch wurde aber abgeblockt (20.), ein weiterer des früheren Hamburgers verfehlte kurz darauf das Tor.

          Vor der Pause hat Dänemark die besseren Chancen

          Es war bis dahin etwas enttäuschend, was die Offensive mit van der Vaart, Sneijder, Kuyt und van Persie zu bieten hatte. Da nutzte es auch wenig, dass van Bommel im zentralen Mittelfeld eine absolute Autorität war. „Er hat viel Selbstbewusstsein ausgestrahlt“, sagte van Marwijk über einen seiner besten Spieler. Die Dänen versuchten ihr Glück mit Kontern und schnellen Seitenwechseln - und das nicht einmal schlecht. Nach einer Flanke von Rommedahl besaß Bendtner die bis dahin beste Chance, sein Kopfball ging knapp vorbei (27.). Der Angreifer vom FC Arsenal konnte trotz Leistenproblemen von Beginn an spielen. Nach einer guten halben Stunde schossen noch Rommedahl und Kahlenberg aussichtsreich aufs Tor. Eine dänische Führung zur Pause wäre aber doch etwas zu viel Lohn gewesen.

          Kurios war es dann, wie Olsens Team sich unmittelbar nach der Pause selbst in Rückstand brachte. Nach einer Flanke von van Persie wollte Simon Poulsen per Kopf klären, der Ball erwischte jedoch noch Agger, der ihn ins eigene Tor lenkte. Poulsen nahm den Fauxpas mit einem Lächeln hin, und auch Olsen wollte ihm keinen Vorwurf machen. „Er konnte nichts dafür“, sagte er. Kurz darauf hatte van Persie frei vor Sörensen die große Chance zum 2:0, doch er kam nicht am dänischen Torhüter vorbei.

          Poulsens kurioses Eigentor

          Aber auch mit dem einen Tor Vorsprung kontrollierten die Holländer das Spiel nun mühelos. Die Dänen waren offensiv zu schwach, um auch nur in die Nähe eines Treffers zu kommen. Auf der anderen Seite fand van der Vaart fand bei einer kunstvollen Direktabnahme seinen Meister in Sörensen, ein paar Minuten später wurde er dann ausgewechselt.

          Und Elia, der junge Hamburger, der für ihn kam, wusste in jeder Hinsicht für sich zu werben mit seinem quirligen und zugleich effektiven Auftritt. Kurz nachdem Sneijder die Latte getroffen hatte (82.), schob Elia den Ball an den Pfosten, den Abpraller schob Kuyt über die Linie, Oranje jubelte. Dass es nicht mehr zum dritten Tor reichte - Simon Poulsen klärte einen Versuch des eingewechselten Affelay auf der Linie (88.) -, war van Marwijk vielleicht sogar ganz recht. Seine Mannschaft, sagte er, lasse sich bei guten Leistungen schließlich „etwas leicht zu Arroganz“ verführen. Und daran kann er gewiss kein Interesse haben.

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