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16 Jahre Weltklasse : „Giggs ist United"

Ryan Giggs: „Ich bin stolz auf meine schwarzen Wurzeln” Bild: AP

Ryan Giggs und die Kunst des Weglassens: Er war mehr als die Hälfte seines Lebens Profi, immer bei demselben Klub, hat nie Ablöse gekostet. 16 Jahre Weltklasse ohne viel Trara. Dabei war Giggs auch „Poster Boy“ wie David Beckham, „bevor Beckham überhaupt spielte".

          3 Min.

          Ryan Giggs, urteilte einmal die BBC, „war David Beckham, bevor Beckham überhaupt spielte“. Anfang der neunziger Jahre wurde er zum „Poster Boy“ und Teenager-Schwarm, ging mit TV-Sternchen aus, bekam Werbeverträge, eine eigene Fernseh-Show. In jener legendären Generation aus der eigenen Jugend, die Manchester United bis heute eine goldene Ära bescherte, war Giggs der Star. Beckham war nur ein hübscher Junge.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Aber Giggs verlor die Lust daran. Als er mit der TV-Moderatorin Dani Behr liiert war, fand er sich in einer Gesellschaft, die er nicht schätzte: Paparazzi und Klatschreporter. Beckham übernahm diese Rolle gern, seit er mit dem Popstar Virginia ausging. Giggs gab sie ebenso gern ab. Er lebt heute still auf dem Land mit Freundin und zwei Kindern: „Ich fand irgendwann, dass das Promi-Leben nichts für mich ist.“ Er engagiert sich bei Unicef, hängt es aber nicht an die große Glocke. Er gibt kaum Interviews, und wenn, dann sagt er meist nicht viel. Irgendwann hatte er es geschafft: Alle, die sich nur für Fußballer interessieren, nicht für Fußball, verloren das Interesse an ihm.

          Immer im gleichen Klub

          Ryan Giggs und die Kunst des Weglassens. Er war mehr als die Hälfte seines Lebens Profi, immer bei demselben Klub, hat nie einen Cent Ablöse gekostet. Und spielt im mindestens dritten Frühling - einer der Schlüssel für die alte neue Stärke von United. Im ersten Champions-League-Halbfinale an diesem Dienstag gegen den AC Mailand baut der Klub auf seinen Veteranen - zehn Spieler fehlen, darunter die gesamte Stammabwehr.

          Vorbild der jungen Stars: Giggs mit Rooney und Ronaldo

          Trainer Alex Ferguson wusste früh, was er an dem spindeldürren Waliser hat. Als Giggs in der Jugend des Rivalen Manchester City spielte, besuchte Ferguson ihn am 14. Geburtstag - und gewann ihn. Knapp zwanzig Jahre später sagt Carlos Queiroz, Fergusons Assistent und Sprachrohr: „Giggs ist United.“

          Vorbild für Ronaldo

          Wie andere Ausnahmetalente, so versuchte auch der junge Giggs gern das Schwierigste und Aufregendste, so wie Cristiano Ronaldo, der neueste United-Star. Doch dann begriff er, Tricks, Finten, Dribblings nicht mehr als Selbstzweck zu sehen; sondern den Moment zu finden, in dem der schwierig gewonnene Vorteil in ein einfaches Abspiel umzusetzen sei. So wurde der gereifte Giggs ein Vorbild für Ronaldo, der diese Lektion inzwischen auch gelernt hat. Am Sonntag gewann Ronaldo die Wahl der Premier-League-Kollegen zum „Fußballer des Jahres“ vor Chelseas Star Drogba und den Klubkameraden Scholes und Giggs.

          16 Jahre Weltklasse: die für einen Angreifer unglaubliche Marathon-Qualität ist kaum denkbar ohne die Entscheidung gegen den Beckham-Lifestyle. Giggs hat 710 Spiele für United bestritten, ohne Platzverweis. Er wird den Einzigen, der noch mehr hat, Bobby Charlton mit 758, wohl überholen. Er sammelte 17 Titel. Sollte United die Tabellenführung vor Chelsea verteidigen, wird er mit neun Meistertiteln alleiniger Rekordhalter der englischen Liga-Historie. Gewinnen sie im Pokalfinale, stellt er mit seinem fünften Pokalsieg eine Bestmarke ein, die nur drei Spieler im 20. Jahrhundert schafften. Mehr noch treibt ihn „das brennende Verlangen, die Champions League wieder zu gewinnen“, wie 1999, als das „Treble“ gelang, der Gewinn aller drei Wettbewerbe.

          Steptänzer am Ball

          Mit 33 kann der Flügelmann sich nicht mehr so sehr auf jene Schnelligkeit verlassen, mit der er damals ein legendäres Fünfzig-Meter-Solo-Tor im Pokal gegen Arsenal schoss - der struppige Brusthaar-Teppich, den er im Torjubel entblößte, ging in die Fanfolklore ein. Geblieben ist die Leichtfüßigkeit eines Steptänzers am Ball, die der frühere Mitspieler Steve Bruce so beschrieb: „Du hörst ihn nicht, weil er so leicht auf den Füßen ist.“ Dabei ist auch afrikanische Ballkunst im Spiel. „Wenn man mich betrachtet, ist es nicht sehr offensichtlich, aber die Hälfte meiner Familie ist schwarz, und ich fühle mich ihrer Kultur und Hautfarbe sehr nahe“, sagte Giggs in einem der wenigen Interviews, in denen er Persönliches offenbarte. „Ich bin stolz auf meine schwarzen Wurzeln.“ Sein Vater, ein Rugby-Spieler, stammte aus Sierra Leone.

          Ferguson gab dem Jungen aus schwierigen Verhältnissen bei ManU ein Zuhause, und Giggs wurde in der Siegermentalität des Klubs heimisch. „Ich werde nicht von der Lust am Gewinnen getrieben“, sagte Giggs kürzlich, „sondern von der Angst vor dem Verlieren.“ Das Hochgefühl des Triumphes verfliege schnell, „du fährst in Urlaub, und wenn du zurückkommst, ist alles vergessen“. Nicht aber die Niederlagen, sie kriegt er nicht aus dem Kopf. „Diese leeren Sommer, wenn ich am Strand saß und über verpasste Gelegenheiten nachdachte, waren schrecklich.“ Giggs wird schon Mitte Mai wissen, ob es schöne Sommerferien werden.

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