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FFC-Manager Dietrich : „Wir müssen künftig mit Platz drei bis fünf rechnen“

  • -Aktualisiert am

Die Unterschiede im Frauenfußball werden immer größer: Siegfried Dietrich spricht über die Situation seines FFC Frankfurt Bild: Frank Röth

Der FFC Frankfurt hat auch dank Siegfried Dietrich Titel gewonnen. Nach der 0:4-Niederlage im Champions-League-Halbfinale gegen Wolfsburg droht dem Klub eine Zukunft ohne Europapokal. Im Interview spricht der Manager über die neue Situation.

          4 Min.

          Sie zeichnet stets ein schier unerschütterlicher Optimismus aus. Auch vor dem Champions-League-Halbfinal-Rückspiel an diesem Sonntag gegen Wolfsburg?

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Wunderglaube ist nach dem 0:4 im Hinspiel klein, aber vorhanden. Es geht darum, dass die Mannschaft Charakter zeigt und das auf den Platz bringt, was sie kann. Die Fans werden trotz der klaren Konstellation ein umkämpftes Spiel sehen.

          Gehen Sie mit Wehmut in das womöglich auf Jahre hin letzte internationale Spiel in Frankfurt?

          Das wollen wir nicht hoffen. Aber Fakt ist, dass die Frauenteams von Männervereinen, die es ernst meinen, den reinen Frauenfußballklubs durchaus voraus sind. Sie haben ein deutlich höheres Budget und weitaus bessere Möglichkeiten  durch die Infrastruktur des Gesamtvereins. Wir müssen dagegen jeden Cent selbst einnehmen und unsere weitere Professionalisierung step by step realisieren. Ich habe mich immer für die Stärkung des Wettbewerbs eingesetzt, aber da wird nun in einer Größenordnung investiert, der wir aktuell nicht folgen können. Diese neue Herausforderung werden wir nicht nur annehmen, sondern schöpfen große Motivation daraus.

          Also sind die Geister, die Sie jahrelang riefen zu bedrohlichen Gespenstern geworden, die Sie nachts verfolgen?

          Das ist negativ ausgedrückt. Es mag sein, dass wir ohne das Engagement dieser Klubs noch mehr Meistertitel gewonnen hätten. Aber letztlich geht es um die Entwicklung der Sportart. Jetzt ist es wichtig, dass sich die Marke Frauenfußball so entwickelt, dass die Männervereine nicht nur Geld hineingeben, sondern sehen, dass ihr Frauenteam wirtschaftlich irgendwann auch autark auf eigenen Beinen steht. Steigt dann dadurch mit wachsender sportlicher Qualität der Wert der Vermarktbarkeit der Vereine und der Liga bei Sponsoren und TV  insgesamt , gibt es dann auch für uns eine neue Perspektive, uns bei Sponsoren besser zu verkaufen und mehr Geld zu generieren.d

          Was heißt das konkret für die aktuelle Situation?

          Wir müssen Geduld haben und in dieser Übergangszeit gute Jugendarbeit leisten, auf dass neue Dzsenifer Marozsans und Birgit Prinz‘ heranwachsen. Es wird im Sommer in der Mannschaft einen Umbruch geben. Parallel müssen wir unsere Strukturen verbessern und in der Bundesliga weiter im oberen Drittel dabei sein.

          Schmerzliche Niederlage: Der FFC verliert in Wolfsburg 0:4
          Schmerzliche Niederlage: Der FFC verliert in Wolfsburg 0:4 : Bild: dpa

          Nun war der FFC jahrelang die Lokomotive der Entwicklung der Sportart. Und jetzt nur noch mit Sitzplatz im Waggon?

          Wenn Klubs wie Wolfsburg oder Bayern weiter so ernsthaft investieren, sind sie automatisch die Lokomotiven. Bei den reinen Frauenfußballvereinen werden die Strukturen und die handelnden Personen noch wichtiger werden.  Es muss mehr von diesen Personen geben. Ich bin guter Hoffnung, dass sich Sponsoren und Investoren mit guten Konzepten überzeugen lassen und wir zum Zeitpunkt X mit unserer Entwicklung wieder in die Lokomotive einsteigen können. Auf Sicht ist es fairer, uns nicht mit Bayern und Wolfsburg zu vergleichen, sondern realistischerweise mit Turbine Potsdam, die ein ähnliches Budget und eine ähnliche Historie wie wir haben. Unser Ehrgeiz ist aber nach wie vor wahnsinnig groß. Und bei aller Neuorientierung verlieren wir unsere Wunschziele nicht aus den Augen.

          Wie überzeugen Sie Sponsoren von dieser veränderten Ausgangslage?

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