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1. FC Saarbrücken : Wiederbelebung statt Real und FC Bayern

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Ein Pokalabend als Feiertag: Saarbrücken im Flutlichtglanz des DFB-Pokals Bild: picture alliance / dpa

Der einst ruhmreiche 1. FC Saarbrücken ist froh, im DFB-Pokal am Dienstag (20.30 Uhr) gegen Dortmund wieder im Mittelpunkt zu stehen. 80.000 Karten hätte der Klub, der seinen Tiefpunkt 2007 erlebte, verkaufen können.

          Still ist es geworden um den 1. FC Saarbrücken. Auf der großen Fußball-Bühne hat sich das Gründungsmitglied der Bundesliga lange nicht blicken lassen. Entsprechend groß ist die Freude in der Landeshauptstadt des Saarlandes, wenn der FCS an diesem Dienstag (20.30 Uhr / Live im DFB-Pokal-Ticker bei FAZ.NET) Borussia Dortmund im Achtelfinale des DFB-Pokals empfängt.

          Der letzte im Wettbewerb verbliebene Drittliga-Klub fordert den Champions-League-Teilnehmer heraus: ein Duell, das genau zum Selbstverständnis vieler Anhänger der „Blau-Schwarzen“ passt, für die der FCS genau dorthin gehört - zu den Großen der Branche. 80.000 Karten hätte der Verein verkaufen können, sagt Dieter Weller, der Schatzmeister des FCS. Knapp 31.000 Zuschauer dürfen aber nur in den Ludwigspark, diese weitläufige Arena, die wie der Klub ihre besten Tage vor Jahrzehnten gesehen hat.

          Die einst modernste Anzeigentafel Deutschlands über dem Marathontor, die beim 6:1 der deutschen Nationalmannschaft gegen Malta am 27. März 1985 erstmals benutzt wurde, versieht zuverlässig - und vor allem unverändert - ihren Dienst. Unverändert wie so vieles bei diesem Verein, der gerade seinen 110. Geburtstag gefeiert hat und an der Saar entweder geliebt oder gehasst wird. Dazwischen gibt es nichts.

          Die ihn lieben, wissen, dass der FCS 1951 als erste deutsche Mannschaft bei Real Madrid gewann - 4:0. Sie erinnern sich, dass der ehemalige Fifa-Präsident Jules Rimet den FCS damals als „interessanteste Mannschaft Europas“ titulierte. Und sie können noch heute die Torschützen des FCS herunterbeten, der Bayern München im April 1977 mit 6:1 Treffern aus dem Park jagte. Roland Stegmayer (vier Tore), Ludwig Denz und Ludwig Schuster ließen Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Karl-Heinz Rummenigge alt aussehen.

          Abstieg, Lizenzentzug, Aufstieg, wieder Abstieg

          Dieses Spiel wird seitdem immer gerne als Maßstab genommen für das, was der Verein in Wahrheit tatsächlich leisten könnte. Die den Verein hassen, stören sich daran, dass der FCS irgendwann dazu auserkoren wurde, zur Spielwiese für Politiker und Menschen aus der regionalen Wirtschaft zu werden, die in diversen Führungspositionen ihre Profilneurosen ausleben konnten. Sie neiden dem Verein, dass er so viele Zuschauer im Saarland anziehen kann wie kein Zweiter. Und sie wissen mit Häme in der Stimme zu erzählen, dass ein gewisser Michel Platini in den siebziger Jahren im Probetraining als zu untalentiert befunden wurde.

          Der Franzose wurde später Europameister, „Europas Fußballer des Jahres“ und ist heute Uefa-Präsident. Beim 1. FC Saarbrücken setzte dagegen nach einer letzten Bundesliga-Saison 1992/1993 der Niedergang ein. Abstieg, Lizenzentzug, Aufstieg, wieder Abstieg - mehr als zwei Episoden in der zweiten Liga, 2000 und 2004, waren dem FCS nicht vergönnt. Tiefpunkt der Vereinshistorie war 2007 der Sturz in die Fünftklassigkeit. Mittlerweile hat sich der FCS zurückgekämpft in den bezahlten Fußball - auch wenn es nur die dritte Liga ist.

          In der ersten Runde im August besiegte der FCS mit Bremen schon einen Bundesligaverein

          Nach drei Jahren mit soliden Mittelfeldplazierungen sollte in dieser Saison der Aufstieg in Angriff genommen werden. Die Bilanz nach 18 Spieltagen ist ernüchternd: 16 Punkte, Abstiegsplatz 19. Zeit zum Aufräumen in Saarbrücken - und zwar in allen Bereichen. Trainer Jürgen Luginger musste Anfang September gehen, Ende September räumte Präsident Paul Borgard seinen Stuhl und machte Platz für Unternehmer und FCS-Hauptsponsor Hartmut Ostermann. „HO“, wie sie ihn nennen, hatte den FCS schon von 1998 bis 2007 geführt.

          Dass der 62-Jährige, der sein Geld mit Hotels und Senioreneinrichtungen verdient (geschätzter Jahresumsatz: 500 Millionen Euro), noch einmal selbst in den Ring gestiegen ist, sorgte selbst in seinem unmittelbaren Umfeld für Verblüffung. Nötig war es allemal: Als erste Amtshandlung schoss Ostermann frisches Geld in den Verein, um die Nachlizenzierung durch den DFB zu sichern. Ostermanns Motivation ist neben einer guten Portion Vereinsliebe mit dem Satz „Wer bezahlt, der bestellt“ recht hinlänglich erklärt.

          „Es ist eine wunderschöne Aufgabe“

          In dem Kroaten Milan Sasic holte er einen Trainer, der für harte Arbeit und Disziplin steht. Der Trend des FCS unter Sasic geht - wenn auch dezent - nach oben, das 2:3 am Samstag gegen RB Leipzig war die erste Niederlage in der Liga seit sechs Spielen. In der Winterpause soll personell nachgelegt werden, um die Klasse zu sichern. Druck vor dem heutigen Duell mit „einer der besten Mannschaften der Welt“, wie Sasic Borussia Dortmund nennt, verspürt er nicht.

          Im Gegenteil. „Es ist eine wunderschöne Aufgabe, die wir vor uns haben. Druck ist für die, die kein Selbstvertrauen haben, und für die, die schlecht vorbereitet sind. Ein volles Stadion ist doch das schönste Geschenk für einen Sportler.“ Selbstvertrauen scheint genug vorhanden zu sein - die Spieler des FCS haben vorsichtshalber mal eine Siegprämie ausgehandelt. 2006 wurde eine solche schon mal ausgezahlt nach einem Sieg gegen Klopp. Der scheiterte damals mit dem Erstligateam von Mainz 05 in der ersten Poklarunde bei den damals wie heute drittklassigen Saarländern.

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