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„Effzeh“ der Widersprüche : Aufstieg trotz Selbstzerlegung

  • -Aktualisiert am

„Widder do“: die Bundesliga-Aufsteiger aus Köln Bild: dpa

Hauen und Stechen um Vorstandsposten. Trainerentlassung kurz vor dem Aufstieg. Spöttische Spieler im Moment des Erfolgs. Der 1. FC Köln ist und bleibt Meister eines speziellen Fachs.

          Der Regisseur eines komplexen Autorenfilms hätte die Bilder kaum kunstvoller komponieren können, die der 1. FC Köln am Ende seines Weges durch die zweite Liga am Montagabend in die Welt schickte. Die ziemlich lieblosen „Widder do“-T-Shirts, die sich alle übergestreift hatten, deuteten dezent an, dass dieser Aufstieg keinen wirklich prominenten Platz in den Klub-Annalen einnehmen wird. Auch den Gesichtszügen von André Pawlak war die Ambivalenz seiner Emotionen anzusehen. „Wir haben das nur über die Ziellinie gebracht“, sagte der Trainer und gratulierte seinem vor einigen Tagen entlassenen Vorgänger Markus Anfang.

          Pawlak hatte zwar einen Rekord für die Ewigkeit aufgestellt: Gleich im ersten Spiel als Chefcoach die Zweitliga-Meisterschaft zu gewinnen und in die Bundesliga aufzusteigen, ist noch niemandem zuvor gelungen. Aber irgendwie war das nicht sein Erfolg. Und die Fußballspieler in der Kabine, die ohne viel Leidenschaft das zur Gefälligkeit für die Brauerei im Sponsoren-Portfolio verkommene Bierduschen-Ritual vollführt hatten, untermalten dieses Bild mit einer vielschichtigen Gemeinheit: „Hamburg, meine Perle“ spielten die Aufstiegshelden in der Kabine, den Stadionsong des Hamburger SV, der die von allen Experten erwartete Rückkehr in die Bundesliga womöglich nicht schaffen wird.

          Die Bedeutung von Musik im Film wird oft unterschätzt, in diesem Fall dienten die Klänge als kleiner, fieser und lustiger Seitenhieb auf den Konkurrenten von der Elbe. Sie können zugleich als Botschaft an die eigene Klubführung verstanden werden. Denn der HSV ist mit den gleichen Ambitionen in die Saison gestartet, hatte zwischenzeitlich ebenfalls eine hervorragende Ausgangslage, steht in der Rückrundentabelle aber dort, wo man es sich schon in der Bundesliga bequem gemacht hatte: auf dem drittletzten Platz. Mit dem HSV-Song wies die zwischenzeitlich heftig kritisierte Mannschaft also diskret darauf hin, dass sie möglicherweise ziemlich gut gewesen ist in der nun zu Ende gehenden Saison.

          Meister nach einem Spiel: Trainer Pawlak reklamiert den Erfolg nicht für sich.

          Meister sind sie schon jetzt. Sollte der „Effzeh“ nun auch noch die beiden verbleibenden Partien gewinnen, könnten die Kölner sogar auf das erfolgreichste der insgesamt acht Jahre in der zweiten Liga zurückblicken. Mit 80 Toren liegen sie deutlich über der Bestmarke von 68 Treffern aus der Saison 1999/2000. Die letzten vier Heimspiele der Saison sind besser besucht als die finalen Partien vor eigenem Publikum in der Europapokalsaison vor zwei Jahren. Entgegen früherer Jahre wurde noch keine einzige Dauerkarte gekündigt.

          Köln ist ein Aufsteiger der inneren Widersprüche. Denn andererseits zeigen sich Merkmale eines schwer gebeutelten Krisenklubs. Sportchef Armin Veh hat es fertig gebracht, Trainer Anfang einen Sieg vor Erreichen des Saisonzieles zu entlassen; nun muss er einen Nachfolger finden. Nach einem Intrigenspiel trat Präsident Werner Spinner zurück, es herrscht ein Hauen und Stechen um die Vorstandsposten, die im September neu besetzt werden, und die Kommunikation zwischen Teilen der aktiven Fanszene und dem Klub wurde aufgrund von vielen Differenzen eingestellt.

          Im nun zu Ende gehenden Bundesligajahr war die klassische Rolle der Traditionsvereine, die sich an guten Tagen an ihrer Emotionalität berauschen, in schlechteren Phasen dann selbst zerlegen, mit dem VfB Stuttgart und dem FC Schalke eher dünn besetzt. Nun feiert der Altmeister dieses Metiers ein glanzvolles Comeback. Willkommen zurück, 1. FC Köln.

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