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Chaos in Kaiserslautern : „Ich habe Angst um mein Leben gehabt“

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Der „Betze“ brennt – auf den Rängen, aber auch hinter den Kulissen. Bild: dpa

Die Roten Teufel sehnen sich nach einer Rückkehr in den Spitzenfußball, doch hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Auf einem Mitgliederforum kommt es zu hitzigen Szenen. Nun ermittelt die Polizei.

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          Der für den Verein lebensnotwendige Einstieg des Investors Flavio Becca beim 1. FC Kaiserslautern wird von massiven Zerwürfnissen überschattet. Der traditionsreiche Klub, inzwischen in der dritten Fußball-Liga, gibt ein zerrissenes Bild ab. Dabei ist es dem wirtschaftlich angeschlagenen Pfälzern gerade gelungen, die für die Lizenz notwendigen Finanzmittel zu generieren. Mit einem Sieg am Dienstagabend (19.00 Uhr bei Magenta Sport) im Ligaspiel gegen den FC Ingolstadt könnte der FCK in der Tabelle sogar weit nach oben kommen – er will um den Aufstieg in die auch finanziell lukrativere Zweite Bundesliga kämpfen. Zuletzt hatte der FCK 3:1 bei der SG Sonnenhof Großaspach gewonnen.

          Doch bei den Lauterern rumort es gewaltig hinter den Kulissen. Das offenbarte sich am Sonntag bei einem Mitgliederforum, das zur Aussprache mit der Klubführung dienen sollte. Ein Konsens fand sich nicht, es war von „Grabenkämpfen“ die Rede. Am Ende begannen einzelne Mitglieder eine Unterschriftensammlung für die Einberufung einer außerordentlichen Klubversammlung. Bei der soll unter anderem über die Entlastung des Aufsichtsrats abgestimmt werden.

          Littig verlässt den Saal

          Anlass für die Querelen sind vor allem der Rücktritt des ehemaligen Aufsichtsratschefs Michael Littig und der nicht geglückte Einstieg einer Gruppe lokaler Unternehmer als Investoren beim FCK. Diese hatten ihr Interesse im Mai zunächst anonym bekundetet und es dann aber für die Lizenzierung offenbar zu spät konkretisiert. Zudem soll Becca den Rücktritt Littigs zu einer Bedingung für sein eigenes finanzielles Engagement beim FCK gemacht haben. Kritiker bezeichneten dies beim Mitgliederforum als „Kopfgeld“ und als einen Eingriff in die Hoheit des Vereins. Littig hingegen störten wohl zuvor immer wieder empfindlich die wichtigen Gespräche zwischen dem FCK und dem Investor. Etwa überlegte der Aufsichtsrat unter Littigs Führung in der Phase der Lizenzierung öffentlich, einen der mit Becca verhandelnden FCK-Geschäftsführer zu entlassen.

          Bei dem Mitgliederforum prallten die unterschiedlichen Sichtweisen der Protagonisten teils unvereinbar aufeinander. Die Versammlung fand ihren emotionalen Höhepunkt, als der anwesende Littig plötzlich erzürnt aufsprang und schrie, er habe sich vor seinem Rücktritt „bedroht“ und dazu genötigt gefühlt. „Ich habe Angst um mein Leben gehabt.“ Daraufhin verließ er den Saal. Dieser Sachverhalt werde nun von den Ermittlungsbehörden bewertet, teilte die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern am Montag auf Nachfrage der F.A.Z. mit. Wie vergiftet das Klima auf dem Betzenberg ist, zeigt der Blick in diverse Fanforen im Internet, in denen langjährigen Förderern und Geldgebern des Vereins offen unlautere Absichten unterstellt werden. Und nach dem Versuch einer Kontaktaufnahme eines Berichterstatters drohte ein Initiator der jüngsten Unterschriftensammlung für eine außerordentliche Klubversammlung mit der Einschaltung von Medienanwälten.

          Becca will „so schnell wie möglich“ zurück in Liga zwei

          „Solange keine Ruhe in Lautern herrscht, wird es sehr schwierig werden, den Verein positiv zu entwickeln“, sagt Becca. Der luxemburgische Bauunternehmer möchte in den nächsten fünf Jahren rund 25 Millionen Euro in den FCK investieren. Sein erklärtes Ziel ist die Rückkehr der Pfälzer in den deutschen Spitzenfußball. „Ein langfristiger Verbleib in der dritten Liga wäre für den Verein nicht tragbar, dann hätten wir ein Problem.“ Während sich die Führung der Lauterer zum Saisonziel noch defensiv äußert, betont Becca die Notwendigkeit, „so schnell wie möglich“ in die zweite Liga aufzusteigen. Neben seiner Investition in den Klub soll Becca auch damit liebäugeln, das städtische Fritz-Walter-Stadion zu erwerben. Für dieses Thema sei es allerdings „noch zu früh“.

          Jahrelanges Missmanagement hat den FCK in eine prekäre Finanzlage gebracht. Allein für die aktuelle Lizenz war eine Finanzlücke von rund zwölf Millionen Euro zu schließen – auch, um die Rückzahlung einer Fananleihe von über sechs Millionen Euro zum 1. August zu sichern. Auf dem Mitgliederforum sprachen die Verantwortlichen rückblickend von einer möglichen Insolvenzgefahr. In den vergangenen Spielzeiten überlebte der Verein nur durch hohe Transfererlöse. Dass in diesem Jahr Talente wie Christian Kühlwetter oder Lennart Grill nicht verkauft werden mussten, sondern gehalten werden konnten, werten die FCK-Bosse als Erfolg. Dennoch regt sich in Reihen der Mitglieder die Skepsis, dass Investoren einen zu starken Einfluss auf das Vereinsgeschehen ausüben könnten. Beim Mitgliederforum fragte jemand: „Wie wollen wir verhindern, dass Herr Becca hier die Regie führt?“

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