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1. FC Kaiserslautern : Die Verschwender aus der Pfalz

Auch unter Göbel kam der Verein nicht auf Kurs - vier Trainerwechsel in weniger als zwei Jahren, die Posse um das Kurzengagement von Klaus Toppmöller als Sportlichem Berater und hartnäckige Gerüchte um neue finanzielle Engpässe des Vereins drücken auf seine Bilanz. Mit wohlmeinenden Helfern hat es sich Göbel verscherzt, weil er versucht hatte, mit der Stadt, die den FCK großzügigst unterstützt, um zwei- oder dreistellige Euro-Beträge zu feilschen.

Kredit von 65 Millionen Euro

„Das ist nicht nur dreist, sondern zeigt auch, dass die da oben nichts verstanden haben“, sagt ein Beteiligter, der nicht genannt werden will. Von gefährlicher Inkompetenz ist die Rede - womöglich zum großen Schaden des Steuerzahlers. Denn kann die städtische Stadiongesellschaft nicht weiterhin den Kredit bei einer Privatbank von 65 Millionen Euro abzahlen, weil der FCK im Falle eines Abstiegs nicht die jährlichen Mietzahlungen in Höhe von 3,2 Millionen Euro aufbringt, droht der Stadt als Bürge im Haftungsfall ein Finanzdesaster. In der letzten großen Krise des Vereins hatte die Kommune zur Rettung des FCK Schulden und Stadion übernommen.

Ende vergangenen Jahres wurde Göbel der Polit-Rentner und Beck-Freund Bauckhage als Vorstandssprecher vor die Nase gesetzt. Aber auch dem fehlt jegliche Erfahrung im Fußballgeschäft. Am Freitag bestätigte Bauckhage der Sonntagszeitung, dass der Verein Vorauszahlungen einiger Sponsoren in Anspruch nehmen musste, um liquide zu bleiben. Wie zu hören ist, sprachen die Klubbosse in Mainz beim Finanzministerium vor - wohl erfolglos. Und der politisch angeknockte Beck geht plötzlich in Sachen FCK in Deckung. Er hatte im vergangenen Jahr schon mächtig Druck bekommen, weil die Landesregierung seinen Spezi Gerhard Herzog still und heimlich auf Staatskosten ins rheinland-pfälzische Partnerland Ruanda geschickt hatte. Der Steuerhinterzieher vom FCK sollte dort „Wirtschaftskontakte knüpfen“. Heraus kam schnell der wohl eigentliche Grund der Entsendung, dass nämlich seine Auslandszulage von 3.800 Euro im Unterschied zu den regulären Bezügen nicht zur Abzahlung der FCK-Schuld gepfändet werden kann. Herzog wurde schnell zurückbeordert.

Die Baustellen werden nicht weniger

Wie schlecht es dem Verein gehen muss, macht sich für Kenner auch daran fest, wie stark der Zuschauerschnitt hinter der Planung zurückbleibt. Beim 0:0 gegen Freiburg waren nicht einmal 22.000 im Stadion. Bauckhage, der zweimal in der Woche für die Rettung des FCK aus seiner Heimat im Westerwald anreist, sagt: „Wir dürfen die Flinte nicht ins Korn werfen.“ Doch die Baustellen auf dem Betzenberg werden nicht weniger. Empört nehmen Kritiker die Nähe des neuen ehrenamtlichen Teammanagers Fritz Fuchs zu Jürgen Friedrich wahr und sehen schon die alten Seilschaften Einzug halten. „Jürgen ist mein Freund“, so der ehemalige FCK-Profi, „als der hier den Verein geführt hat, waren noch Werte und Qualität vorhanden.“ Die Richter kamen zu einem anderen Ergebnis.

Der 66 Jahre Teammanager führt nun die Mannschaft zusammen mit dem neuen Trainer Milan Sasic. Und es gibt noch ein weiteres Gerücht: Angeblich ist Fuchs nur der Vorbote - sein langjähriger und ihm eng verbundener Arbeitgeber, der schillernde Unternehmer Hartmut Ostermann aus dem Saarland, denke über den Einstieg beim FCK nach. De facto fördert der Hotelbetreiber (Victor's) schon die Pfälzer, weil er Fuchs für die Zeit in seinem Unternehmen freigestellt hat. Ostermann ist zudem ein Parteifreund von Bauckhage und ein Freund des Fußballs. Seine Erfolgsbilanz dürfte aber Zweifel auslösen. Während Ostermanns Zeit als Präsident beim FC Homburg und später beim 1. FC Saarbrücken rutschten beide Klubs jeweils von der zweiten Liga ab in die Niederungen der Oberliga. Dass Fuchs gerade eine kleine PR-Tour des wankenden FCK mit Freundschaftsspielen bei kleinen Klubs in der Pfalz organisiert unter dem Motto „FCK aufs Land“, soll reiner Zufall sein und nichts mit einer schlimmen Vorahnung zu tun haben.

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