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1:6 in Bolivien : Jedes Tor ein Dolchstoß in Diegos Herz

  • -Aktualisiert am

Fassungsloser Maradona: „Wir haben Fehler gemacht, und dafür haben wir bezahlt” Bild:

Dem 4:0 gegen Venezuela folgte eine historische Schlappe gegen Bolivien. Ein Auf und Ab, das typisch ist für Argentiniens Nationaltrainer Maradona: Sein ganzes Leben ist schließlich die permanente Folge von Tod und Wiederauferstehung.

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          Es war nicht die Höhe. Dass die argentinische Mannschaft in der bolivianischen Regierungshauptstadt La Paz auf 3660 Metern über dem Meeresspiegel spielen musste, wäre eine gute Entschuldigung gewesen für das 1:6, das die von Diego Maradona auserwählte Mannschaft aus Stars wie Messi und Tevez im himmelblau-weißen Trikot einstecken musste. Aber auf so billige Weise wollte sich Maradona doch nicht aus der Affäre ziehen. Nein, die Höhe sei nicht schuld an diesem Desaster in der Weltmeisterschaftsqualifikation gewesen, sagte er tapfer. „Wir haben Fehler gemacht, und dafür haben wir bezahlt.“

          Die Ursachenforschung für die jähe Trendwende nur vier Tage nach dem 4:0 gegen Venezuela ist noch in Gang. „Wir haben zu sehr auf Linie gespielt, und wenn Bolivien angriff, schien es Holland zu sein.“ Der Rivale habe eben gut agiert, „und wir haben nichts von all dem getan, was wir uns vorgenommen hatten“. Der Schmerz sitzt tief, und auch dafür fand Maradona schöne Worte: „Jedes Tor war ein Dolchstoß ins Herz.“ Aber er feierte sich und seine Männer zugleich auch als „gute Verlierer“.

          Ähnlich saftig wie „Desaster von Schweden“

          Die argentinischen Fußballfans sind nachsichtig mit Maradona. Sie geben ihm eine neue Chance und geben ihm Vorschusskredit für sein Versprechen, noch mal „von vorne anzufangen“ und das Debakel so schnell wie möglich vergessen zu lassen. Eine 1:6-Niederlage hatte die argentinische Nationalmannschaft zuvor nur ein einziges Mal erlitten: im Spiel gegen die Tschechoslowakei bei der Weltmeisterschaft 1958.

          Was nun? „Tracht Prügel” als „Ansporn und Verpflichtung”
          Was nun? „Tracht Prügel” als „Ansporn und Verpflichtung” : Bild: AP

          Sie ist als das „Desaster von Schweden“ in die argentinische Fußballgeschichte eingegangen. Ähnlich saftig war nur noch die 0:5-Schlappe 1993 gegen Kolumbien in der WM-Qualifikation. Die Schmach war damals um so größer, als die Nationalelf vor heimischem Publikum in Buenos Aires versagte.

          Bolivien feierte mit Stolz, aber ohne Überheblichkeit

          Bolivien feierte den überwältigenden Sieg über die vorher für unbesiegbar gehaltene Maradona-Elf mit Stolz, aber ohne Überheblichkeit. Der wunderbare Sieg durch die Tore von Martins (11. Minute), Botero (33., 54. und 65.), da Rosa (45.) und Torrico (87.) – bei einem Gegentreffer von Luis González (24.) – sei die Belohnung für die Anstrengung und Hingabe aller Spieler gewesen, urteilte die bolivianische Presse. Der Sieg sei überdies besonders wertvoll, weil er auch noch gegen eine „Konstellation von Stars“ erzielt worden sei. Für Arroganz besteht trotzdem kein Anlass: Bolivien ist in der Qualifikation für 2010 Vorletzter, vor Peru.

          Argentinien, das schon auf dem besten Weg nach Südafrika schien, muss nun plötzlich wieder bangen. Die Spieler wirkten niedergeschlagen und resigniert, Maradona forderte forsch Revanche. Die „Tracht Prügel“, die das Team in La Paz einstecken musste, sei verdient gewesen, befindet die argentinische Sportpresse. Aber Kleinmut sei fehl am Platz. Die „tragische“ Niederlage müsse Ansporn und Verpflichtung sein. Aus „historischen Lektionen“ wie dieser zu lernen sei „unaufschiebbar und unabdingbar“, heißt es in der Zeitung „La Nación“. Für das Auf und Ab im Fußball biete schließlich Maradona selbst das beste Beispiel. Sein Leben sei eine unaufhörliche Folge von Tod und Wiederauferstehen. (siehe auch: Kompakt: Argentiniens Untergang - Polens Zehnerpack - Russlands Glück)

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