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1:2 in Nürnberg : Neururer und der VfL Bochum bleiben sitzen

  • -Aktualisiert am

Abpfiff für Bochum und Neururer Bild: AP

Zur Erforschung der Ursachen für den Bochumer Niedergang trug "Club"-Präsident Michael A. Roth bei. "Die Bochumer haben ihre besten Spieler abgegeben", sagte er, "nun sieht man, wohin das führt." Daß in Nürnberg Gleiches passiert, will er vermeiden.

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          Peter Neururer ist Peter Neururer. Ein anderer wäre nach dem Schlußpfiff in der Kabine verschwunden, um allein zu sein mit sich und seiner Trauer. Der Bochumer Trainer aber dachte im Moment der vielleicht schwersten Niederlage seiner Karriere gar nicht daran, die heißgeliebte Bühne zu verlassen.

          Während die Nürnberger nach dem 2:1-Sieg den Klassenverbleib feierten, blieb Neururer minutenlang auf der Trainerbank sitzen: gelähmt, niedergeschlagen, mit verwässertem Blick und kraftloser Haltung. Ein Bild des Jammers, ein perfektes Motiv für die Kameraobjektive - und tatsächlich schien es so, als würde der Fußballehrer selbst in dieser schweren Stunde sich und seine Niedergeschlagenheit inszenieren.

          Bochum hatte mehr mit sich selbst zu tun

          Womöglich sah sich Neururer auch wirklich als Teil einer Tragödie - er der gefällte Held, gegen den sich das Schicksal verschworen hatte. Später sagte er: "Wir haben von der ersten bis zur letzten Minute alles versucht. Wenn ich sehe, welche Chancen wir heute und in der ganzen Saison hatten, dann ist das fußballerischer Fatalismus."

          Neururer blieb minutenlang auf der Trainerbank sitzen: gelähmt, niedergeschlagen, mit verwässertem Blick und kraftloser Haltung

          Fatalismus? Tatsächlich hatten die Bochumer bei ihrem Schlüsselspiel im Frankenstadion ein paar sehr gute Chancen gehabt, allen voran Edu und Momo Diabang in der Schlußphase. Doch sie verloren die Partie nicht, weil sie diese Möglichkeiten vergaben. Sondern, weil die Bochumer nicht gut genug waren, selbst eine schwache und verängstigte Mannschaft zu schlagen, die an diesem Tag mehr mit sich zu tun hatte als mit ihrem Gegner.

          "Ich denke, das war's"

          Insofern spiegelte sich in der trostlosen Begegnung am Samstag nachmittag die gesamte Saison: hier der VfL Bochum, der wahrscheinliche Absteiger, dessen Schicksal schon in der Partie zwischen dem HSV und Mönchengladbach am Sonntag abend besiegelt sein konnte; dort der 1. FC Nürnberg, der das Glück hat, einen Marek Mintal in seinen Reihen zu haben. Der stille Slowake, das "Phantom", leistete mit Kopf und Köpfchen die Vorarbeit zum 1:0 durch Markus Daun (21.), ehe er fünf Minuten vor dem Schlußpfiff selbst Maß nahm und seinen 23. Saisontreffer erzielte. Damit war der "Club" auf der sicheren Seite. Lokvencs Anschlußtor in der Nachspielzeit kam viel zu spät für den VfL.

          Von Beginn an hatten die Bochumer Spieler, genau wie ihre mitgereisten Anhänger, nicht den Eindruck erweckt, als würden sie noch an die Rettung glauben. Hinterher war auch ihre letzte Hoffnung, falls es sie überhaupt gab, gestorben. Auch die Ankündigung, man werde sich im Abstiegsfall von Neururer trennen, war wirkungslos verpufft. Zwar bemühte sich Neururer mehr schlecht als recht, seine eigentliche Überzeugung hinter einer Fassade aus Worten zu verbergen. Er sagte: "Solange noch eine rechnerische Chance besteht, müssen wir an sie glauben." Doch seine Haltung und sein Blick verkündeten eine andere Botschaft: die der totalen Kapitulation. "Ich denke, das war's", sagte Marcel Maltritz, und Dariusz Wosz gab zu, daß bei ihm in der Kabine Tränen geflossen seien.

          Offerte von Besiktas Istanbul

          Neururer sagte später, daß er in den Minuten nach dem Abpfiff auch über sich nachgedacht habe. Er gab zu, Fehler gemacht zu haben. "Das euphorische Verhalten und die Tänze vor den Fans - daß ich mich dazu habe hinreißen lassen, war falsch", schloß er. Doch zur Erforschung der Ursachen für den Bochumer Niedergang trug auch der "Club"-Präsident Michael A. Roth ein gutes Argument bei. "Die Bochumer haben ihre besten Spieler abgegeben", sagte er, "nun sieht man, wohin das führt."

          Auch beim 1. FC Nürnberg war es bislang gang und gäbe, die besten Spieler zu verkaufen, um die Finanzen zu sanieren. Doch das soll sich nun ändern - sagt Roth. Wie ernst es ihm damit ist, wird sich zeigen. Die Nagelprobe, die auf den Teppichunternehmer in den nächsten Wochen zukommt, trägt den Namen Mintal. Der Slowake und sein momentan verletzter Landsmann Robert Vittek sollen ein konkretes Angebot von Besiktas Istanbul vorliegen haben. Roth kündigte an, Mintal unter allen Umständen halten zu wollen, "selbst wenn wir zehn Millionen für ihn bekämen". Zumal sie in Nürnberg ganz genau wissen, wem sie den glücklichen Ausgang dieser Saison zu verdanken haben.

          Und doch ist offen, ob der 1. FC Nürnberg aus der Transferlotterie der nächsten Wochen als Sieger hervorgeht. "Das Umfeld und die Freunde", die der Nürnberger Trainer Wolfgang Wolf am Samstag erwähnte, werden wohl die kleinste Rolle spielen. Ernster muß man Roths Hinweis nehmen, daß es in Mintals Vertrag eine Klausel gebe, die ihm im Wechselfall einen Anteil an der Ablösesumme garantiert. "Ein Zuckerl", so Roth, für den Slowaken - und womöglich ein süßes Gift für den "Club".

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