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1:2 in Fulham : Der HSV verpasst den „Last Exit Hamburg“

  • -Aktualisiert am

Enttäuschung bei Ruud van Nistelrooy: Es hatte lange Zeit so gut ausgesehen für die Gäste Bild: REUTERS

Dank Petrics Freistoßtor in den Winkel träumen die Hamburger bis weit in die zweite Halbzeit vom Einzug ins Europa-League-Finale im eigenen Stadion. Doch der FC Fulham dreht das Spiel und gewinn dank der Tore von Davies und Gera mit 2:1. Somit findet der HSV nichtmal mehr den Notausgang aus einer verkorksten Saison.

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          Lange Zeit hatte es so ausgesehen, als gebe es doch die schönste Krise der Vereinsgeschichte. Der HSV führte 1:0, der Halbfinalgegner FC Fulham war ungefährlich. Alles schien bereitet fürs Finale der Europa League in Hamburg am 12. Mai. Doch zwei Unaufmerksamkeiten im eigenen Strafraum verdarben dem HSV alles: Zuerst glich Davies in der 69. Minute die Führung des HSV durch Petric in der 22. Minute aus, dann traf Gera in der 76. Minute zum 2:1-Endstand für das keineswegs überragende Fulham. Der HSV hat somit auch den Notausgang aus einer verkorksten Spielzeit nicht gefunden.

          Wieder einmal hatte FC Fulham ein Spiel in der zweiten Halbzeit gedreht. Der HSV erholte sich nämlich nicht mehr von dem Rückstand und schied nach dem 0:0 vom Hinspiel völlig enttäuschend aus. Fulham krönte seine große Europapokalsaison nach Siegen gegen Donezk, Juventus und Wolfsburg mit dem Finaleinzug. Endstation Halbfinale also für den HSV, das große Saisonziel mit dem Finale im eigenen Wohnzimmer verpasst - nichts war es mit dem Happy End für die Hamburger am Ende einer nun wirklich schlechten Saison.

          Der Trainerwechsel blieb im Ergebnis folgenlos

          Auch der Trainerwechsel vom Montag von Bruno Labbadia zu Ricardo Moniz, von Vorstand Bernd Hoffmann als letzte Möglichkeit bezeichnet, das Endspiel und womöglich die abermalige Qualifikation für die Europa League zu erreichen, ist im Ergebnis also folgenlos geblieben.

          Gera zelebriert sein Tor

          Im ersten Spiel unter Moniz agierte der HSV lange weitgehend fehlerfrei gegen die Londoner, die bis zur 60. Minute spielten, wie man es vom Tabellenzwölften der Premier League erwartet: mittelmäßig. Danach warf Fulham dann alles nach vorn, rannte an, schnürte den HSV in der eigenen Hälfte ein und kam dank Wucht und Willen zum 2:1.

          Den Namen Labbadia wollte keiner mehr in den Mund nehmen

          Die Frage war, ob der HSV wieder sein hübsches Europa-League-Gesicht zeigen würde wie zuletzt bei den Auswärtssiegen in Anderlecht und Lüttich. Oder ob das 1:5 von Hoffenheim mit der anschließenden Entlassung Bruno Labbadias mehr als nur die hässliche Bundesligaseite der Hamburger sein würde. Alle Spieler hatten einmal sagen dürfen, wie wichtig ihnen dieses Halbfinale sei, wie sehr sie sich zusammenreißen würden. Jeder hatte auch hervorgehoben, wie gern er mit dem Interimstrainer Ricardo Moniz als neuem Chef zusammenarbeite. Den Namen Labbadia wollte am liebsten keiner der Profis mehr in den Mund nehmen. Wie eine Befreiung hatte die Entlassung des von den Spielern im Stich gelassenen Trainers schon bei den Trainingseinheiten gewirkt.

          Man durfte gespannt sein, wie die nun ohne Alibi für mögliche schwache Leistungen dastehenden Hamburger in London auftreten würden, wobei: auch mit Labbadia hatte der HSV bei seiner Europa-Tournee ja ordentlich gespielt, beim 0:0 im Hinspiel allerdings sehr zurückhaltend.

          Das 1:0 für den HSV schien eine angenehme Beruhigung

          Eine erste Schrecksekunde gab es dann schon in der zweiten Minute: Gera bediente Zamora per Doppelpass, der englische Stürmer stand plötzlich 14 Meter vor dem Tor und hatte nur noch Frank Rost gegen sich - der Torwart des Hamburger SV warf sich zweimal mutig in die Schüsse. Zamora war im Hinspiel wegen seiner Achillessehnenverletzung noch zur Pause ausgewechselt worden und hatte auch am Wochenende pausieren dürfen, als Fulham mit einer B-Mannschaft 1:2 beim FC Everton verlor. Nun war der Stürmer mit jamaikanischen Wurzeln aber voll da; vor den Augen des englischen Nationaltrainers Fabio Capello wollte Zamora unbedingt zeigen, dass er in die englische Auswahl gehört. Fulhams Fans fordern das schon länger.

          Der frühe Schrecken zu später Stunde hatte auch sein Gutes: der HSV war nun hellwach und kontrollierte das Spiel dank seiner besseren Spielanlage. Dabei gab es im Mittelfeld erstaunlich viel Platz. In der 22. Minute wurde Zé Roberto knapp 30 Meter vor dem Tor gefoult. Den anschließenden Freistoß schoss Mladen Petric genau ins linke Toreck - ein Traumtor des Kroaten, der mit diesem Treffer an seine Glanzleistung vom Viertelfinalrückspiel bei Standard Lüttich anknüpfte. Das 1:0 für den HSV war nicht nur eine angenehme Beruhigung, sondern bedeutete nach dem Ergebnis vom Hinspiel, dass dieses Halbfinale in der regulären Spielzeit entschieden werden würde.

          Lange Zeit keine Gefahr von Fulham

          Nach dem Rückstand machte Fulham etwas mehr Druck, doch das ganze war zu wenig durchdacht, um den HSV wirklich in Gefahr zu bringen. Immer wieder wurde Zamora gesucht, immer wieder bekämpften Boateng oder Demel ihn mit allen Mitteln. Vor 22.500 Zuschauern im alten, kleinen, stimmungsvollen Stadion Craven Cottage beruhigte sich die Partie, weil der HSV clever abwartete und nichts anbrennen ließ - ähnlich wie Fulham vor einer Woche.

          Nach der Pause genügte den Hamburgern lange Zeit eine konzentrierte Mannschaftsleistung, um Fulham zu beherrschen. Nach Davies Ausgleich in der 69. Minute wankte der HSV aber, war hinten unsortiert und musste sieben Minuten später den bitteren Knockout hinnehmen.

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