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1:2 gegen Irland : Georgier kraftlos im Exil

Kampf fürs geplagte Volk: Die georgische Nationalmannschaft bei der Hymne Bild: AP

Georgien musste sein Heimspiel in der WM-Qualifikation auf neutralem Boden austragen. Gegen Irland verlor das Team mit 1:2. Wichtiger aber ist die Hoffnung, in Kürze wieder in Tiflis spielen zu dürfen - das würde nämlich Frieden bedeuten.

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          Spiele auf neutralem Boden bringen ihre Schwierigkeiten mit sich. Als die Nationalhymne Irlands vor dem vom Fußballweltverband Fifa aus dem Krisengebiet Georgien nach Mainz verlegten Qualifikationsspiel zur WM 2010 ertönt, startet das Kamerateam der deutschen Produktionsfirma am falschen Ende des Spaliers.

          Nach wenigen Sekunden erkennt der Kameramann an der schweigenden Teilnahmslosigkeit der Georgier seinen Fehler und eilt zu den singenden Iren.

          Unstimmigkeiten wegen Verlegung

          Im Vorfeld der Begegnung hatte es deutlich größere diplomatische Unstimmigkeiten gegeben. Die Iren hatten bei der Fifa beantragt, wegen der ungewissen Lage im Konflikt zwischen Georgien und Russland nicht wie vorgesehen in die georgische Hauptstadt Tiflis reisen zu müssen. „Vor ein paar Tagen war ganz in der Nähe noch Krieg“, verteidigte Irlands neuer Nationaltrainer Giovanni Trapattoni das Anliegen seines Verbandes.

          Proteste vor dem Stadion

          Die Fifa entsprach der Bitte der Iren, obwohl die Georgier nach eigenen Angaben alle üblichen Sicherheitsgarantien für den Gast von der Insel gaben. „Wir hätten das Spiel in Tiflis austragen können“, sagte Verbandssprecher Alexander Tsnobiladse vor dem Spiel, das auf Vermittlung des DFB schließlich im Mainzer Bruchwegstadion stattfand. „Die Iren haben vielleicht gehofft, dass sie hier einfacher zu einem Sieg kommen.“

          Georgier zu schwach

          Zumindest ist die seit zwei Monaten von Trainerlegende Trapattoni betreute irische Mannschaft mit dem 2:1-Sieg an dieses erste Etappenziel auf dem möglichen Weg zur WM 2010 gekommen, die in der Qualifikationsgruppe 8 auch Titelverteidiger Italien, Zypern, Montenegro und Bulgarien erreichen wollen.

          Das Spiel selbst vor 4500 großteils aus Irland eingeflogenen Fans bot wenig Sehenswertes. Die Georgier sind in der Breite zu schwach besetzt, um die Anforderungen ihres prominenten argentinischen Trainers Héctor Cúper umzusetzen. Der einst mit dem FC Valencia zwei Mal in Folge erst im Finale der Champions League gescheiterte Fußballlehrer muss neben erfahrenen Akteuren wie dem Milan-Abwehrspieler Kakha Kaladse, dem Karlsruher Alexander Iaschwili, dem Schalker Lewan Kobiaschwili und dem ebenfalls im Revier angestellten 17 Jahre alten Talent Lewan Kenia auch auf wenig begabte Kräfte aus der georgischen Liga bauen.

          Trapattonis Wohnort-Debatte

          Die gutorganisierten Iren um ihren Star und Kapitän Robbie Keane dominierten die Partie und gingen verdient nach 19 Minuten durch Kevin Doyle in Führung. Beim 2:0 in der 70. Minute leistete der georgische Schlussmann Giorgi Loria dem Distanzschützen Glenn Whelan freundlich Hilfestellung und sicherte Trapattoni eine gute Ausgangsposition im Kampf mit den irischen Medien.

          Dort mokieren sich Experten wie der ehemalige Nationalcoach Brian Kerr über die Weigerung des Italieners, seinen Wohnort Mailand gegen Dublin einzutauschen. Der Geistesblitz von Kenia kam in der Nachspielzeit zu spät, um dem Spiel noch eine Wende und den irischen Journalisten mehr Anlass für bösere Fragen geben zu können.

          Kobiaschwili hofft auf richtige Heimspiele - weil sie Frieden bedeuten

          Sonst bot das Spiel genügend Zeit, um über die Sinnhaftigkeit der georgischen Bemühungen um einen fußballerischen Aufschwung zu sinnieren. Nach Klaus Toppmöller investiert das unterhalb der oberen Zehntausend recht arme Georgien derzeit abermals reichlich Geld in einen international renommierten Trainer, der wie sein deutscher Vorgänger mit Unterstützung der Regierung dem krisengeplagten Volk Ablenkung verschaffen soll.

          „Natürlich haben wir auch die Aufgabe, besonders zu kämpfen, um unserem Volk Freude zu bereiten. Vor 60 000 Zuschauern in Tiflis hätten wir das vielleicht eher geschafft“, sagte Iaschwili. Sein Teamkollege Kobiaschwili hofft darauf, „dass wir die beiden nächsten Heimspiele im Oktober wieder in Tiflis spielen können. Denn dies würde bedeuten, dass der Krieg vorbei ist und erst einmal nichts mehr passiert.“                           

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