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1:2 bei Manchester City : Hamburg zeigt Charakter

  • -Aktualisiert am

Dank an die Nicht-Daheimgelbiebenen: die Hamburger Spieler feiern mit ihren Fans Bild: REUTERS

Das war knapp: dank großer Hingabe ist der Hamburger SV bei Manchester City ins Halbfinale des Uefa-Pokals eingezogen. eim 1:2 mussten die Mannschaft von Martin Jol bis zum Schluss Zittern - nun winkt das Duell mit dem Nordrivalen Werder.

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          Sie hatten zuvor jedes Auswärtsspiel im Uefa-Cup gewonnen und waren diesmal überglücklich über eine Niederlage, die nicht schmerzte. 1:2 verlor der Hamburger SV am Donnerstagabend bei Manchester City und erreichte doch erstmals nach 26 Jahren wieder ein Halbfinale in einem europäischen Fußball-Vereinswettbewerb. Dank des 3:1-Erfolges im Viertelfinalhinspiel vor einer Woche wog der Verlust in England letztlich leicht.

          Doch der Weg in die Runde der letzten Vier, in welcher der HSV auf den norddeutschen Bundesliga-Rivalen Werder Bremen Ende April und Anfang Mai trifft (siehe: 3:3 in Udine: Wieder macht Diego den Unterschied für Werder aus und Uefa-Cup: Bremen und Hamburg im Halbfinale), war sehr mühselig. City kämpfte vor eigenem Publikum hingebungsvoll um seine Chance und war ein paar Mal dicht dran an einer Umkehrung der Verhältnisse. Es reichte dann doch nach Guerreros Führungstreffer (8. Minute) und den Toren von Elano per Handelfmeter (17.) und Caicedo (51.).

          Geheuer war den Hamburgern nicht

          Bei den Hamburgern imponierte neben Torwart Rost vor allem die Hingabe, mit der die gesamte Mannschaft für das Weiterkommen kämpfte. Kapitän Jarolim, Mathijsen und auch Olic ragten dabei noch ein wenig heraus. So ganz geheuer war den Hamburgern vorher nicht zumute. Schön und gut, der Hinspielerfolg mit einem Zweitoreplus wog schwer, aber der eine Gegentreffer beim 3:1 vor einer Woche tat dann doch weh.

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          1:2 bei Manchester City : Hamburg zeigt Charakter

          „In diesem Spiel“, hatte deshalb Torhüter Frank Rost orakelt, „wird sich zeigen, ob wir Charakter haben.“ Umgekehrt hatten sie sich beim kleineren der beiden Premier-League-Klubs in Manchester nach der Niederlage in Hamburg und dem anschließenden 1:3 gegen Fulham längst wieder Mut gemacht. Doch auf der Bank des HSV saß Martin Jol, der zu seiner Trainerzeit bei Tottenham Hotspur alle sieben Spiele bei City gewonnen hatte. Jol hatte auch diesmal stoisch und fröhlich wie meistens den ihm natureigenen Optimismus verströmt und nur vor einem gewarnt: „Wenn Manchester ein frühes Tor schießt, kann es kritisch werden.“

          Seltsame Elfmeterentscheidung

          Im frühen Toreschießen gegen den HSV war die Mannschaft von Mark Hughes ja schon geübt. Beim Hinspiel hieß es schon nach 40 Sekunden 1:0 für Manchester nach Irelands Blitztreffer. Diesmal war der HSV frühzeitig an der Reihe in diesem temporeichen, harten Kampfspiel britischen Zuschnitts. Die Norddeutschen spielten ihren ersten zielstrebigen Angriff über Pitroipa, Olic und Guerrero mit Klasse und Übersicht aus, so dass der Peruaner mit einem Rechtsschuss ins linke Eck die Hamburger schon nach acht Minuten in Führung brachte.

          Kurzzeitig war der bissige Elan der Engländer, unterstützt von einem frenetischen Publikum, gedämpft. Dass City wieder aufkam, hatte die Mannschaft auch einer seltsamen Elfmeterentscheidung des Italieners Nicola Rizzoli zu verdanken, der bei Elanos Distanzschuss gegen den Oberarm des sich wegdrehenden Trochowski ein Handspiel des deutschen Nationalspielers ortete. Der im Gegensatz zu Robinho auftrumpfende Brasilianer, der den Moment zum Ausgleich geebnet hatte, übernahm auch die Ausführung des Strafstoßes und ließ dem sonst sehr sicheren Rost keine Chance (17.).

          An-, aber nicht ausgeknockt

          Danach verstärkten die Blauen aus Manchester wieder ihren Druck auf das Hamburger Tor, wurden aber immer wieder rechtzeitig eingebremst. Einmal drohte höchste Gefahr, als Elano einen Freistoß gegen die Latte knallte (43.). Sonst jedoch bewährte sich die von Mathijsen vor dem Wechsel noch richtig gut organisierte HSV-Defensive auch in kniffligen Momenten. Der erste Ausrutscher, der den Hamburgern richtig weh tat, unterlief dem dänischen Innenverteidiger Gravgaard kurz nach der Pause. So verschaffte er nämlich dem Ekuadorianer Caicedo freie Schussbahn, die der bullige Angreifer mit einem Flachschuss zum 2:1 für City nutzte (51.).

          Nun drohte dem sichtlich angeknockten HSV erstmals höchste Gefahr im mit 48.000 Zuschauern ausverkauften City-of-Manchester-Stadion. Die Engländer witterten ihre große Chance und scheiterten wenig später nur knapp am 3:1, als Elanos zweiter Freistoß gegen den Pfosten prallte (54.) und Caicedo in derselben Minute eine Riesengelegenheit vergab. Fünf Minuten später wurde Rost per Fußabwehr im Duell mit Robinho zum vorläufigen Hamburger Retter.

          Grobian Dunne muss gehen

          City stürmte mit enormer Dynamik, die Hamburger Entlastungsattacken wurden zu Raritäten in diesem außergewöhnlich aufregenden Spiel. Dem HSV kam schließlich die schon in der ersten Halbzeit überfällige Gelb-Rote Karte gegen Citys Grobian Dunne (75.) sehr entgegen. Der Ire musste nach einem Foul an dem eben eingewechselten Petric (75.) endlich gehen. Doch Ruhe hatten die Hamburger erst, als Rizzoli diese spektakuläre Partie endlich nach 94 Minuten abgepfiffen hatte.

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