https://www.faz.net/-gtl-16tg7

1:1 im WM-Eröffnungsspiel : Tshabalala schreibt Geschichte

Am Ende nur verhaltene Freude: Torschütze Tshabalala bedankt sich beim Publikum Bild: REUTERS

Siphiwe Tshabalala schießt beim WM-Eröffnungsspiel ein Traumtor für Südafrika. Doch zum Sieg für Bafana Bafana reicht es nicht ganz. Der Mexikaner Márquez verdirbt die Geschichte und erzielt noch den Ausgleich.

          Ein großer afrikanischer Tag sollte es sein - er wurde es, wenn auch am Ende leicht getrübt. Natürlich war es ein Moment, der den Kontinent bewegte, als am Freitag in Johannesburg die 19. Fußball-Weltmeisterschaft begann, die erste auf afrikanischem Boden. Auch das Ambiente stimmte im ebenso prachtvollen wie prall gefüllten Soccer-City-Stadion am Rande von Soweto (siehe: Bild für Bild: Eine zauberhafte Eröffnung). Als dann der südafrikanische Staatspräsident Jacob Zuma um kurz vor 16 Uhr die Botschaft Nelson Mandelas übermittelte, dass die Menschen die Spiele, auf die sie in Afrika so lange gewartet hatten, genießen mögen, war alles für einen denkwürdigen Tag angerichtet.

          Und beinahe hätte auch Bafana Bafana, das südafrikanische Nationalteam, die Gunst des Augenblicks genutzt. Im Eröffnungsspiel gegen Mexiko ging die Mannschaft von Carlos Alberto Parreira durch einen Treffer von Siphiwe Tshabalala in der 55. Minute in Führung. Doch Rafael Márquez gelang noch der Ausgleich für die Mexikaner (78.). In der 90. Minute verpasste Mphela den Treffer zum ganz großen südafrikanischen Glück: er traf nur den Pfosten.

          Das 1:1 war ein gerechtes Ergebnis in einem Spiel auf nur teilweise gutem Niveau. „Natürlich freuen wir uns über diesen Punkt. Wir haben es als große Ehre empfunden, als Gastgeber hier spielen zu dürfen. Die Atmosphäre war super, das erlebst du nicht jede Woche“, sagte Südafrikas Torschütze Tshabalala. „Zufrieden sind wir nicht. Wir haben uns teilweise falsch angestellt. Die Mannschaft hat aber gut gekämpft. Das gibt Hoffnung für die nächsten Spiele“, erklärte Mexikos agiler Mittelfeldspieler Giovani dos Santos.

          Der Spielverderber: Rafael Marquez

          Eine Halbzeit lang war es beinahe eine Vorführung für die nervös wirkenden Südafrikaner, die mit so viel Zuversicht und der Unterstützung des ganzen Landes ins Turnier gegangen waren. Hätten die mutigen Mexikaner nur eine ihre vielen Chancen genutzt, wären sie mit einiger Gewissheit als Sieger vom Platz gegangen. Nach der Pause aber zeigte auch Bafana Bafana, dass das Team in den vergangenen Monaten große Fortschritte gemacht hat und in der Vorrundengruppe A mit Frankreich und Uruguay durchaus ein Wort mitreden kann bei der Vergabe der beiden Plätze für das Achtelfinale.

          „Das Eröffnungsspiel ist eine Art Krieg“

          Parreira, sonst durchaus feinsinnig, hatte am Tag vor dem Spiel martialische Töne angeschlagen. „Das Eröffnungsspiel ist eine Art Krieg“, sagte er und nannte die Waffen seiner Mannschaft gleich mit: Trickreich, technisch und mit Tempo soll der Fußball sein, den Bafana Bafana spielt. Parreira war es in den sieben Monaten seiner zweiten südafrikanischen Amtszeit vor allem darum gegangen, dem Team eine eigene Identität zu verpassen, eine die zum Fußball des Landes, seinen Traditionen und Spielern passt. In dieser Hinsicht sah sich der Brasilianer schon am Ziel, bevor der erste Ball überhaupt gerollt war bei der WM. „Wir haben jetzt ein Gesicht“, sagte er mit ein bisschen Stolz (siehe: Südafrikas Trainer Parreira: „Wir müssen eine Identität entwickeln“). Aber würden es die Südafrikaner auch zeigen können gegen Mexiko? Auch die Mannschaft von Javier Aguirre ist mit großem Selbstvertrauen in Südafrika angekommen, zuletzt hatte sie sogar Weltmeister Italien besiegt. „Wir können diesmal etwas wirklich großartiges erreichen“, lautete Aguirres Botschaft - für den Auftakt kündigte er gleich mal einen „großen Tag für Mexiko“ an.

          Es begann ganz nach mexikanischem Geschmack. Erst zwei Minuten waren gespielt, als dos Santos um ein Haar die Führung gelungen wäre. Im letzten Moment verhinderte Südafrikas Kapitän Mokoena den Treffer. Parreiras Team schien regelrecht überrumpelt von der Wucht, mit der die Mexikaner ihr Tor berannten. Aguirre hatte nur drei Verteidiger aufgeboten, dafür stürmten vorne gleich drei Mann munter drauf los, Vela, Franco und dos Santos. Vor allem aber hatte Aguilar auf der rechten Seite Zeit und Raum im Übermaß und stürzte die südafrikanische Abwehr mitsamt Torwart Khune in manche Not. Ein Kopfball von Franco (15.) und ein Schuss von dos Santos (19.) verfehlten nur knapp das Tor. Nach einer halben Stunde stand Vela drei Mal im Mittelpunkt. Nach dessen wunderbarem Zuspiel scheiterte dos Santos an Khune (32.), kurz darauf schoss Vela selbst, aber knapp vorbei (34.). Als er beim dritten Versuch per Kopf traf, stand er knapp abseits (37.).

          Erst in der zweiten Halbzeit spielte Südafrika seinen Trumpf aus

          Von Südafrikas auf Ballbesitz ausgelegter Identität war dagegen so gut wie nichts zu sehen. Gelegentliche Konter, das ja - in Verlegenheit aber war Mexiko damit nicht zu bringen. Erst kurz vor der Pause kam Mphela mit einem Kopfball zur ersten und zugleich einer exzellenten Möglichkeit für die Südafrikaner.

          Aber das Team in Gelb besaß noch einen Trumpf. Er glaube nicht, hatte Parreira gesagt, dass es bei diesem Turnier eine fittere Mannschaft geben würde als seine. Und sie hatte tatsächlich noch etwas zuzulegen, das war schon nach wenigen Augenblicken der zweiten Halbzeit zu sehen. Die Belohnung folgte schnell. Dikgacoi spielte Tshabalala wunderbar frei, und der Mann von den Kaizer Chiefs wuchtete den Ball mit links in den Winkel - ein Traumtor. Nun hatte Südafrika alle Möglichkeiten, allein Modise hätte zwei Mal erhöhen können (68. und 70.). Doch die Mexikaner fanden durch den Treffer von Márquez aus kurzer Distanz noch einmal eine Antwort. „Schade, dass wir den Vorsprung nicht gehalten haben“, bedauerte der frühere Bundesligaspieler Steven Pienaar. Es war ein leichter Dämpfer zum Ende, feiern aber durften die südafrikanischen Fans ihre Mannschaft trotzdem. Zumal Mokoena versicherte: „Wir haben sehr gut gespielt, das war ein absolut positiver Start.“

          Weitere Themen

          Ein Schatten seiner selbst

          Blamage für Tiger Woods : Ein Schatten seiner selbst

          Die katastrophale erste Runde erträgt Tiger Woods nur mit Selbstironie – dann folgt das Aus bei den British Open zur Halbzeit. Auch für den eigentlichen Favoriten wird das Turnier zum Desaster.

          Topmeldungen

          Undatierte Aufnahme der „Stena Impero“

          Straße von Hormus : Iran stoppt Öltanker im Persischen Golf

          Die Lage im Persischen Golf spitzt sich zu. Nach eigenen Angaben setzt Iran einen britischen Öltanker in der Straße von Hormus fest. Ein zweites aufgebrachtes Schiff ist mittlerweile wieder freigegeben.

          Transfer-Offensive : Borussia Dortmund hat ein großes Problem

          Der BVB beeindruckt mit seinen starken Neuzugängen. Doch die Offensive auf dem Transfermarkt hat auch ihre Schattenseiten. Der Kader ist nun viel zu üppig besetzt. Auf der Streichliste stehen prominente Namen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.