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1:1 gegen Paraguay : Ein Torwartfehler hilft Weltmeister Italien

Italienischer Nutznießer: Daniele de Rossi trifft nach einem Torwartfehler zum 1:1-Ausgleich Bild: AFP

Ein Punkt zum Start für den Weltmeister: Italien kommt im ersten Spiel der Gruppe F zu einem 1:1 gegen Paraguay. Alcaraz köpft die Südamerikaner in Führung. Nach der Pause nutzt de Rossi einen Torwartfehler zum Ausgleich.

          3 Min.

          Nach den enttäuschenden Auftaktspielen von Frankreich und England ist auch Weltmeister Italien ohne Glanz und ohne Sieg in die WM in Südafrika gestartet. Gegen Paraguay erreichte der Titelverteidiger am Montagabend in Kapstadt nur ein 1:1. Beide Tore fielen aus Standardsituationen. Antolin Alcaraz brachte Paraguay per Kopfball nach einer Freistoßflanke in Führung (39. Minute), Daniele de Rossi erzielte nach einer von Torwart Justo Villar verfehlten Ecke mit dem Fuß den Ausgleich (63.).

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Trainer Marcello Lippi hatte auf gleich fünf Spieler von Juventus Turin gesetzt, trotz einer der schlechtesten Spielzeiten in der Geschichte des italienischen Rekordmeisters. Für Paraguay lief ein Dortmunder Sturm auf, mit Nelson Valdez und dem gebürtigen Argentinier Lucas Barrios, der dank der Herkunft seiner Mutter zwei Monate vor der WM den Pass von Paraguay erhalten hatte - und für das er seit der Einbürgerung im April prompt in allen drei Spielen vor der WM traf: gegen Irland, die Elfenbeinküste und Griechenland.

          Es dauerte bis zur 22. Minute, ehe die erste nennenswerte Torchance zustande kam, als Riccardo Montolivo sich an der Mittellinie den Ball erkämpfte, nach einem Dreißig-Meter-Spurt im Abschluss aber zu kraftlos war. Im Gegenzug verzog Aurelio Torres nach Vorarbeit von Barrios aus guter Schussposition rund 18 Meter vor dem Tor.

          Überraschung in Kapstadt: Die Südamerikaner gingen gegen den Weltmeister in Führung

          Alcaraz setzt sich durch - und Buffon schimpft

          Beide Trainer standen oft im Regen, gaben an der Linie ihre Anweisungen. Dabei musste sich Gerardo Martino, der argentinische Chef der Paraguayaner, immer wieder die Brille vom Regen frei putzen, um den Durchblick zu gewinnen. Die Italiener spielten etwas druckvoller und vor allem im Spielaufbau gekonnter. Sie blieben aber meist ohne Genauigkeit und Überraschungsmoment in Tornähe, schienen das von intensiven Zweikämpfen und aufmerksamer Abwehrarbeit geprägte Spiel aber im Griff zu haben.

          Der Regen wehte vom Südatlantik in dichten, kalten Schleiern ins Green Point Stadium, und die Zuschauer hielten sich mit La Ola und anderen Lebensäußerungen durchblutet - denn vom Spielfeld ging nicht viel Belebendes oder gar Erhitzendes aus. Das änderte sich dann wie aus heiterem Himmel. In der 39. Minute bekamen die Südamerikaner nach einem Foul des hölzernen Giorgio Chiellini an Valdez einen Freistoß im rechten Halbfeld, den Torres mit dem linken Fuß gefährlich an den Fünfmeterraum brachte.

          Dort setzte sich Alcaraz, Verteidiger vom FC Brügge in Belgien, im Sprungduell gegen Cannavaro und de Rossi durch und köpfte wuchtig ins lange Eck - unerreichbar für Torwart Gianluigi Buffon, der heftig über seine Vorderleute schimpfte. Wie aus dem Nichts führte Paraguay, und alle zehn Feldspieler feierten in einer Jubeltraube im italienischen Strafraum. Die rot-weiß gestreiften Fans ließen hüpfend die Tribüne vibrieren - nur Trainer Martino blieb äußerlich unbewegt, lediglich eine Faust reckte er in die Höhe und schüttelte sie wie einst Erich Honecker bei einer Parade in Ost-Berlin.

          Ein krasser Fehler hilft Italien beim Ausgleich

          Nach der Pause blieb Buffon, der keinen einzigen Ball gehalten hatte, aber unverletzt schien, überraschend in der Kabine, für ihn kam Ersatztorwart Federico Marchetti. Was nicht kam, war italienischer Angriffsschwung. Ein hübsch anzusehender, aber den Ball verfehlender Fallrückzieher von Simone Pepe nach 53 Minuten war zunächst alles, dafür waren die Südamerikaner im Gegenzug durch Barrios und im Nachschuss durch Vera gefährlicher.

          Es musste ein krasser Fehler her, um Italien zum Ausgleich zu verhelfen. Bei Pepes Ecke in der 63. Minute flog Justo Villar mit einer Faust am Ball vorbei, als wäre er kein Torhüter, sondern die Freiheitsstatue, und de Rossi konnte den Ball im Fünfmeterraum mit dem Fuß ins leere Tor lenken.

          Beide Mannschaften vor nicht unlösbaren Aufgaben

          Doch auch Paraguay blieb gefährlich. Barrios spielte einen guten Rückpass auf den eingewechselten Wolfsburger Jonathan Santana, der aus halblinker Position den Ball aber nicht richtig traf. Die Italiener bemühten sich zwar ein wenig um mehr Druck, kamen aber über einen zu unplatzierten Weitschuss von Pepe (80.) und einen von Villar gut gehaltenen Aufsetzer Montolivo (83.) nicht hinaus.

          Am Ende schienen beide Mannschaften mit dem Remis nicht unzufrieden, denn ihre Vorrundengruppe bietet mit der Slowakei und dem Außenseiter Neuseeland in den beiden nächsten Partien nicht gerade unlösbare Herausforderungen. „Es ist sehr bedauerlich, dass wir nur einen Punkt geholt haben. Paraguay ist nur einmal gefährlich vor unser Tor gekommen“, sagte Italiens Trainer Lippi. Sein Kollege Martino nahm den einen Punkt gerne mit: „Das Ergebnis ist für uns in Ordnung.“

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