https://www.faz.net/-gtl-7v3sf

1:1 gegen Irland : Schock für den Weltmeister

Der leere Blick der Weltmeister: Müller, Kroos und Co. Bild: dpa

In der Nachspielzeit trifft Irland zum 1:1 und sorgt für den zweiten Rückschlag nach dem 0:2 in Polen. Kroos’ Tor nutzt der DFB-Elf nicht, weil O’Shea den Weltmeister spät schockt.

          3 Min.

          Ohne Zweifel machen im Herbst dieses schönen deutschen Fußballjahres nur noch die Erinnerungen an die brasilianischen Feiertage den Fans des Weltmeisters große Freude. Im postweltmeisterlichen Alltag strahlt jedoch nichts mehr im Spiel der Gewinner des vierten Sterns.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Drei Tage nach der 0:2-Niederlage in Polen reichte es im dritten EM-Qualifikationsspiel gegen Irland in Gelsenkirchen nur zu einem enttäuschenden 1:1 gegen Irland. In der Nachspielzeit schockierte der Ausgleich von John O’Shea die deutschen Fans ebenso wie die Spieler, die ratlos und hilflos auf dem Platz standen, weil der Schiedsrichter die Partie gar nicht erst wieder anpfiff.

          Die Weltmeister müssen nun mit dem Makel leben, aus einer erdrückenden Überlegenheit wieder keinen Sieg gemacht zu haben. Die zwischenzeitliche und hochverdiente Führung durch Toni Kroos aus der 71. Minuten war dann am bitteren und enttäuschenden Ende viel zu wenig für deutsche Ansprüche. In der Tabelle läuft der Weltmeister der Endrunde der Europameisterschaft 2016 als Vierter so weit hinterher, wie man sich das bei den Weltmeistern nach drei Spieltagen nicht träumen ließ.

          Vom deutschen WM-Geist und den deutschen WM-Größen war schon vorab nicht mehr viel geblieben. Aus dem vierzehnköpfigen Finalteam von Rio standen drei Monate später nur noch Manuel Neuer, Mats Hummels, Jerome Boateng, Thomas Müller, Toni Kroos und Mario Götze auf dem Platz.

          Das darf doch nicht wahr sein: Müller und Deutschland nur 1:1 gegen Irland Bilderstrecke

          Und wegen des akuten Ausfalls von Andre Schürrle befanden sich auf der deutschen Ersatzbank gerade mal vier von zehn möglichen Feldspielern. Da nahm sozusagen ein Rumpf-Weltmeister gegen die Nummer 62 der Fifa-Weltrangliste den Kampf um die EM-Qualifikation auf – erledigte dabei aber nicht einmal das Allernötigste.

          Außerdem wollte das geschrumpfte deutsche Aufgebot, auch wenn man das nicht so laut sagte, nach zwei Niederlagen in drei Spielen nach dem Titelgewinn erste Anzeichen eines WM-Blues gar nicht erst aufkommen lassen. Aber mit dem Schlusstreffer des Tages, als sich O’Shea gegen Hummels durchsetzte, gingen die Fans genau mit diesem Gefühl nach Hause. Das kleine Krisengespenst, das auf Schalke gelauerte hatte, hat der große Favorit nicht vertreiben können.

          Vom Spielverlauf hatte der Bundestrainer eine Kopie des Spiels in Polen erwartet: also einen defensiven Gegner, der auf schnelle Konter lauert. Löw wurde zumindest in dieser Beziehung nicht enttäuscht, denn genau so kam es. Der Weltmeister war ständig in Ballbesitz, erspielte sich einige, aber längst nicht so viele Torgelegenheiten wie in Warschau – und kam, doch nicht zum Ziel.

          Entschlossenheit und Esprit ging den Deutschen an diesem Abend ab. Gegen lauf- und einsatzfreudigen, aber spielerisch und technisch arg limitierte Iren gelang es dem Weltmeister – oder besser: was von ihm noch übrig war – viel zu selten, aus seiner ständigen Dominanz auch ein druckvolles Angriffsspiel zu entwickeln. Nach fünf Minuten war es ein Gewaltschuss von Außenverteidiger Erik Durm, der gegen die Latte krachte, der einen knalligen Beginn auf Schalke versprach.

          Doch außer einen schönen Kombination nach gut einer Viertelstunde, die Kroos jedoch mit einem schwachen Schuss abschloss, war vor dem irischen Tor zunächst nicht viel von den Deutschen zu sehen. Die Zuschauer in der keineswegs ausverkauften Arena nahmen die etwas blutleeren Bemühungen still zur Kenntnis, nur die irischen Anhänger sangen, als es in die Pause ging.

          Nach dem Wechsel kamen die Deutschen weit entschlossener und mit Lukas Podolski anstelle von Matthias Ginter zurück, der für den erkrankten Kramer in die Startformation gerückt war. Die Anzahl und die Qualität der Chancen nahmen zu. Aber auch Podolski (49.), Götze (51.), Bellarabi (53.), Kroos (56.) und Hummels (57.) fehlte es zunächst am entscheidenden Punch gegen engagierte, aber weit unterlegene Iren.

          Bevor die Deutschen nervös werden konnten, weil ihnen der Schiedsrichter nach Foul an Götze in der 69. Minute auch noch den Elfmeterpfiff verweigerte, sorgte die perfekte Schusstechnik von Kroos endlich für Beruhigung, allerdings nur vorübergehend. Kroos hielt aus gut zwanzig Metern einfach drauf, und vom rechten Pfosten prallte der Ball ins Netz zur hochverdienten 1:0-Führung. Die Erleichterung beim Publikum, über die Weltmeister wieder jubeln zu dürfen, war sofort spürbar.

          Am Spielverlauf indes änderte der Treffer nichts. Die Weltmeister gingen viel zu nachlässig und verschwenderisch mit ihrer Überlegenheit um, so dass Team und Fans sechs Minuten vor Schluss noch einmal der Atem stockte. Mit ihrem ersten vielversprechenden Angriff war der Außenseiter dem Punktgewinn plötzlich ganz nah. Aber selbst diese Warnung schlugen die Weltmeister in den Wind – und dann kam O’Shea und bestrafte die allzu selbstgewissen Weltmeister.

          Weitere Themen

          Geduldsspiel in Tallinn

          3:0 für Deutschland : Geduldsspiel in Tallinn

          Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss einen frühen Platzverweis von Emre Can verkraften, gewinnt aber nach zähem Beginn 3:0 in Estland. Gündogan trifft zweimal, Werner setzt noch einen drauf.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.