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1:1 gegen Australien : Ghana ist schlagbar

Gleichstand: Australien und Ghana trennen sich 1:1 Bild:

Ghana spielt mehr als eine Stunde in Überzahl, kommt gegen Australien aber nicht über ein Remis hinaus. Das sollte den Deutschen Mut machen fürs Gruppenendspiel.

          Blöcke und Schreibgerät hatten Joachim Löw und Urs Siegenthaler nicht vergeblich mitgebracht. Es gab einiges zu notieren für die deutschen Beobachter beim Spiel zwischen Australien und Ghana am Samstag in Rustenburg. Das Ergebnis nach 90 Minuten, ein 1:1, las sich noch nicht unbedingt spektakulär. Es war aber ein jederzeit turbulentes, ein aufregendes Spiel vor 34.800 Zuschauern im Royal-Bafokeng-Stadion.

          Brett Holman brachte die Australier nach elf Minuten in Führung. Asamoah Gyan verwandelte in der 25. Minute einen umstrittenen Handelfmeter zum Ausgleich. Weil Harry Kewell zugleich mit Rot vom Platz musste, spielte Australien über eine Stunde in Unterzahl, wehrte sich aber nach Kräften. Der redlich erkämpfte Punkt war allerdings zu wenig, um noch große Hoffnungen auf die nächste Runde haben zu dürfen. „Das wird schwer, aber okay, so ist der Job“, sagte der australische Coach Pim Verbeek. Ghanas Nationaltrainer Milovan Rajevac gab sich zufriedener: „Das Resultat ist gut für uns. Wir brauchen gegen Deutschland nur noch ein Unentschieden, um ins Achtelfinale zu kommen.“

          Was indes der Bundestrainer und sein Chefscout von dem Gegner am Mittwoch in Johannesburg sahen, war eine robuste bis harte Spielweise, gute Balleroberungen im Mittelfeld, dazu eine Portion Unberechenbarkeit in der Offensive. Auch wenn die Überzahl die Beurteilung schwerer machte: Diese Mannschaft mit ihrer unkonventionellen Spielweise ist kein leichter, aber auch kein unbezwingbarer Gegner für die Deutschen in ihrem Entscheidungsspiel. Andre Ayew, Kevin-Prince Boateng und Asamoah Gyan werden die Männer sein, auf die es besonders zu achten gilt. „Kevin Boateng war gegen Australien einer der Besten. Er hilft unserem Team definitiv weiter“, sagte Trainer Rajevac.

          Emotionen im Stadion von Rustenburg

          Die Freude währte nicht lange

          Während der ersten Minuten konnten sich Löw und Siegenthaler noch entspannt zurücklehnen. Die Australier präsentierten sich ausgesprochen bissig und setzten Ghana früh unter Druck. Personell war Verbeeks Team im Vergleich zum Deutschland-Spiel kaum wiederzuerkennen. Gleich vier Änderungen nahm der Trainer vor. Es waren wirkungsvolle Wechsel. Kewell sorgte in den ersten Minuten für reichlich Unruhe in der ghanaischen Abwehr, und auch das Führungstor war eine Koproduktion zweier Neuer - bei der allerdings Ghanas Torwart Kingson kräftig mithalf. Den Freistoß von Bresciano aus 20 Metern ließ er nach vorne abprallen, so dass Holman freie Bahn hatte.

          Doch die Freude währte nicht lange. Die Ghanaer fühlten sich nun herausgefordert und taten mehr im Spiel nach vorn, vor allem Ayew. Nach 20 Minuten wurde sein Schuss noch leicht abgefälscht und ging über das Tor. Kurz darauf erwischte er aus elf Metern Kewell, der auf der Linie stand. Schwer zu sagen, ob der Ball den Oberarm oder die Schulter des Australiers traf, in jedem Fall wurde Kewell eher angeschossen, als dass er zum Ball ging. Elfmeter und Rot schien da eine etwas harte Strafe vom italienischen Schiedsrichter Rosetti. Gyan, der schon beim 1:0 gegen Serbien einen Handelfmeter verwandelt hatte, traf sicher. „Das war eine Fehlentscheidung“, sagte Trainer Verbeek. Kewell ergänzte: „Es lag keine Absicht vor.“

          Chipperfield, Wilkshire und Kennedy vergeben Chancen

          Natürlich war es jetzt ein anderes Spiel - und eines, das noch manchen Aufreger parat hatte. Kurz vor der Pause wäre Boateng fast der Führungstreffer gelungen, doch Schwarzer parierte seinen Flachschuss glänzend. Boateng war ohne Frage in guter Form an diesem Nachmittag bei wunderbaren Bedingungen. Boatengs klares, strukturiertes Spiel, dazu das des trickreichen Ayew, das ist aus ghanaischer Sicht eine vielversprechende Kombination für das Spiel gegen Deutschland.

          In der zweiten Hälfte schien es nur eine Frage der Zeit, bis den Ghanaern der zweite Treffer gelingen würde. Zwar entschieden sie sich oft etwas früh für den Torschuss. Die eine oder andere exzellente Chance war aber doch dabei, etwa als Asamoah eine Hereingabe von Gyan nur knapp verpasste (68.) oder beim Kopfball von Mensah (88.).

          Zugleich war es imponierend, wie auch die Australier um ihre Chance kämpften. Ein Kopfball von Chipperfield ging nur knapp über das Tor (66.), und als Wilkshire frei vor Kingson auftauchte, schien sogar die Überraschung möglich. Doch der ghanaische Torwart hielt, und der eingewechselte Kennedy traf den Ball beim Nachschuss nicht richtig. „Es war egal, ob wir gewinnen oder Unentschieden spielen“, sagte Ghanas Trainer Rajevac. „Das Spiel gegen Deutschland ist für uns das wichtigste.“

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